Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 11 (15.3.1901)
- Date
- 1901-03-15
- Page
- Seite 173 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 11 Israelitische Wochenschrift. Seite 173. Köln, 10. März. (Demission.) Das Repräsentantenkollegium der hiesigen Gemeinde hat einstimmig dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß der Vorstand in der bekannten Petitionsangelegenheit in Sachen der Schönstedtschen Erklärungen im Abgeordnetenhaus den negierenden Beschluß gefaßt hat, ohne sich zuvor mit der Repräsentantenversammlung 'ins Vernehmen zu setzen. Das Repräsentantenkollegium hat ferner das Bedauern über den Vorstandsbeschluß und insbesondere über die unzutreffende Begründung dieses Beschlusses ausgesprochen. In Folge dessen hat der gesamte Vorstand demissioniert. Hamburg, 12. März. (Jüdische Ferienkolonien.) Ein ungenannter Wohlthäter hat dem hiesigen Verein für jüdische Ferienkolonien 20 000 Mk. zum Bau eines Heims zur Verfügung gestellt. Wahrscheinlich wird dieses Heim in möglichst naher Zeit in Cuxhaven errichtet und nach dem Vorbild des in Norderney bereits bestehenden Kaiserin-Augusta-Hospizes eingerichtet werden. Wiesbaden, 10. März. (Unterftützungsverein.) Der 50. Jahresbericht des israelitischen Unterstützungsvereins hat im verflossenen Jahr Einnahmen in Höhe von Mk. 16 423.64 gehabt. Ueber 9400 Mk. sind an baaren und sonstigen Unterstützungen verausgabt worden. Das Vermögen des Vereins beträgt Mk. 27 203.63. Dank dem Wirken des Vereins, an dessen Spitze die Herren Moritz Heimerdinger, Moritz Elsberg, Bernhard Baer, Mayer Baum, Seligm. Blumenthal, Saly Hamburger, Simon Heß, Abraham Marxheimer, M. D. Strauß und Benedict Straus stehen, hat der Hausbettel fast völlig aufgehört. Budapest, 12. März. (Antisemitisches Fiasco.) Vor einigen Monaten ist hier von antisemitischer Seite eine „Christliche Bekleidungsgesellschaf?' begründet worden, die den jüdischen Kleiderhändlern die Kundschaft entziehen wollte. Nach zweimonatlichem Bestand hat die Gesellschaft falliert und kleine Tuchhändler und Arbeiter so vielfach geschädigt, daß die Gerichtsbehörden gegen die Gründer eingeschritten sind. London, 11. März. (Neue Synagoge.) Dieser Tage ist das Bauterrain für die Errichtung einer neuen Synagoge im Prinzeß Road, Finsbury Park, erworben worden. Der Plan für den Neubau ist von dem in Synagogenbauten erfahrenen Architekten Deliffa Joseph entlvorsen, der Grundstein wird demnächst gelegt werden. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Justizrat Dr. Julian Goldschmidt in Berlin ist im Alter von 57 Jahren gestorben. Er war ein Sohn des früheren Leipziger Rabbiners Professor Dr. Goldschmidt. — Der Stadtälteste und Stadtrat Kurtzig in Jnowrazlaw, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, hat den Roten Adlerorden 4. Kl. erhalten. — Der bekannte jüdische Gelehrte Dr. Adolf Neubauer, Bibliothekar der Bodleian-Sammlungen in Oxford hat am 11. März unter großen Ehrungen seinen 70. Geburtstag gefeiert. — Der Verlag der „Jewish Chronicle" in London hat eine populäre Ausgabe der englischen Uebersetzung von Grätz „Geschichte der Juden" herausgegeben. — Der Khedive von Egypten hat den jüdischen Generaldirektor des Staatsfinanzamts, Vita Harari Bey, zum Pascha ernannt. — Die jüdische Handelsschule für Mädchen in Breslau wird in diesem Monat die Feier ihres hundertjährigen Bestehens begehen und bei dieser Gelegenheit in einer Ausstellung eine Anzahl von Arbeiten vorführen, die seit Beginn des Unterrichts bis zum heutigen Tag von den Schülerinnen gemacht worden sind. — Die Distrikts-Schulverwaltung des russischen Gouvernements Wilna hat angeordnet, daß in der Stadt Lepel wegen Mangels einer jüdischen Mädchenschule in der National-Mädchenschule jüdischer Religionsunterricht für die jüdischen Schülerinnen erteilt werden soll. Vakanzen. Braunschweig. Rel.-L. und 1. K. Meld. an Vorst. — Kolb erg. K. u. Balk. Meld. an Vorst, des jüd. Kurhospitals. — Osterode a. H. Rel.-L., K., Sch., 1600 M. Eink. u. fr. W. Meld. an Marcus Heilbronn. — Egenhausen. (Mittelfranken). Rel.-L., K., Sch., ledig, 1000 M. Eink. Meld. an Jacob Weißmann. — Rogasen. K„ Balk., Sch., 1600 M. Geh., fr. W., 400 M. Nebeneink. Meld. an Kuttner. — Gräfenhausen (Hessen.) Lehrer, K., Sch., 900—1000 M. Eink. u. fr. W. Meld. an Vorst. — Neuwied. Hilfsk., Scham, u. Hilfssch., 1200 M. Eink. Meld. an Vorst. — Höxter a. W. Rabb. Meld. an A. Lewertoff. — Lechenich (Rheinland). Elem.-L. u. K. Meld. an I. Simon. — Geldern (Rheinl.). Elem.- u. Rel.-Lehrer, Kantor, Anfangsgeh. 1400 M. Meld. an D. Francten. — Schornsheim bei Mainz. Lehrer, Sch, K, 700 M. Geh., fr. W. und Heizung, 300 M. Nebeneink. Meld. an Jacob Löwenftein. Feuilleton. Eine Erzählung aus der spanischen Marannenzeit. Von D. S. (Fortsetzung.) Bei dem schrecklichen Wort Inquisition war Juanita unwillkürlich einen Schritt zurückgewichen. Sie ließ Diegos Hände los und blieb eine zeitlang starr und unbeweglich stehen. Bleich und zitternd sah sie bald ihren Vater, bald .die Gegenstände, die ihn umgaben, an, als ob sie sich fragte, ob alles, was sie eben gehört, wahr sei, ob sie nicht in einem schweren Traum besangen sei. Diego war durch die Bewegung, die seine Tochter machte, aufs Tiefste erschrocken und beobachtete sie mit unsäglicher Aengstlichkeit. Er hätte in der Tiefe ihres Herzens lesen mögen, ob die schreckliche Enthüllung eine ewige Scheidewand zwischen ihnen errichten, oder ob sie das Band der Liebe, das sie umfing, noch fester schlingen würde. „Und nun, meine Tochter", nahm er wieder das Wort, „ich weiß, daß man dich gelehrt hat — was sage ich? ich selbst habe dich gelehrt, daß es die heiligste Pflicht ist, diejenigen, die wie ich falsche Kinder der Kirche sind, beim Tribunal des heiligen Offiziums anzugeben . . ." „Wie, ich dich angeben? Vater! Ich dich der Inquisition überliefern?" flüsterte Juanita und mit einer stürmischen Bewegung trat sie wieder zu ihrem Vater. Mit einem Arm umschlang sie Diego, während sie den andern wie zur Abwehr des Feindes vor ihm emporhob. „Ich teile deinen Glauben und deine Gefahren, du bist mein Vater und mein Lehrer. *V * B$B