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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-03-08 · 10 (8.3.1901) · p. Seite 157

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
Seite 157 (sequence 22)
Language
German
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Nr. 10 Israelitische Wochenschrift. Seite 157. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Das Jahrbuch für Jüdische Geschichte und Literatur für 1901 ist erschienen. Es ist die übliche bescheidene Purimgabe, die vom Verband der sogenannten Literaturvereine den Verbandsmitgliedern dargebracht wird. — Der in Nordhausen verstorbene Private Jakob Plaut hat der Stadt Leipzig 200 000 Mk., der israelitischen Gemeinde zu Leipzig 3OO 000 Mk. hinterlassen, deren Zinsen für wohlthätige Zwecke bestimmt sind. — An der israelitischen theologischen Lehranstalt in Wien nimmt das Sommersemester Mittwoch, den 17. April, seinen Anfang. An diesem Tag finden die Aufnahmeprüfungen statt. Die Vorlesungen beginnen am 18. April. — Der polnische Maler Adalbert Gerson, der dieser Tage siebzig Jahre alt, gestorben ist, war auf den Berliner Internationalen Kunstausstellungen ein häufiger und gern gesehener Gast. Zu seinen besten historischen Gemälden zählen „Wanda", „Der Kreuzfahrer", „Esterka", „Kasimir der Große und die Juden", „Sobieski's Abschied von seiner Familie", „Kopernikus in Rom" u. s. w. Außerdem hat Gerson auch auf dem Gebiet der Genre- und Landschaftsmalerei namhafte Erfolge erzielt und sich besonders durch seine Illustrationen zu den bedeutendsten Werken der polnischen Nationalliteratur, z. B. zu Mickiewicz' Epos „Herr Thaddäus" große Volkstümlichkeit erworben. — Das Komitee zur Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in Manchester hat im Stadtteil Higher Broughton ein Grundstück mit Gartenland für seinen Zweck erworben. — Die Ost-London- Eisenbahngesellschaft hat jüngst Affichen anschlagen lassen, die in hebräischen Lettern die Einladung enthalten, beim Besuch des Crystallpalastes von den Stationen Shoreditch, Whitechapel und Shadwell aus die Züge ihrer Linien zu benutzen. — Nach einem neuerlichen vom Kaiser Nikolaus bereits Unterzeichneten Erlaß des russischen Staatsrats wird das Wahlgesetz für die Stadtverordneten dahin abgeändert, daß statt der bisherig in 10 Prozent künftig 20 Prozent der gewählten Stadtvertreter Nichtchriften fein dürfen. Im Kaukasus darf die Hälfte der Gewählten aus Nichtchristen bestehen. — Nach dem kürzlich erfolgten Rücktritt von Gustave Worms besitzt die Comsdie Framaise in Paris nur noch zwei jüdische Sozietäre, Frl. Brandes und Herrn Georges Berret. Vakanzen. Braunschweig. Rel.-L. und 1. K. Meld. an Borst. — Obersitzko. K., Balk., Sch., 1000 M. Geh., fr. W-, 4—500 M. Nebeneink. Meld. an H. Czollak. — Lechenich (Rheinland). Elem.-L. u. K. Meld. an I. Simon. — Egershausen (Mittelfranken). Rel.-L., K., Sch., 1000 M. Eink. Meld. an Jacob Weißmann. — Aach. Rel.-L. u. K., 900 M. Geh. Meld. an Moses Joseph. - Basel. Hilfslehrer, Hilfsk., Sch. u. Porsch., 1800 Francs Geh. Meld. an Vorst. — Gollantsch, Posen. K., Balk., Sch., 700 M. Geh., 300 M. Nebeneink. Meld. an Glaß. — Droffen. Rel.-L., K., Sch., 750 M. Geh. und fr. W. Meld. an Vorst. — Langenselbold. Elem.-L. u. C., 1200 M. Geh., fr. W., 100 M. für Heizung. Meld. an Dr. Bamberger in Hanau. — Wind ecken. Lehrer, C. u. Sch., 600 M. Geh., fr. W., 400 M. Nebeneink. Meld. an Dr. Bamberger in Hanau. — Wollenberg. Rel.-Schull-, 950 M. Geh. und fr. W. Meld. an Bezirkssynagoge Sinsheim zu Heidelberg. — Höxter a. W. Rabb. Meld. an A. Lewertoff. _ Inanita. Eine Erzählung aus der spanischen Marannenzeit. Von D. S. (Fortsetzung.) In der That war der Schrecken, den die Inquisition einflößte, ein allgemeiner. Niemand, er mochte noch so hoch gestellt sein, war vor ihren Angriffen sicher; eine unvorsichtige Geberde, ein unüberlegtes Wort, die Denunziation eines Feindes genügte, einen Unschuldigen der Ketzerei für überführt zu halten und zum Scheiterhaufen zu führen. Alle persönliche Sicherheit hatte aufgehört, es war so weit gekommen, daß die angesehensten, die edelsten und stolzesten Männer es sich zur Ehre anrechneten, als Diener und geheime Agenten der gefürchteten Gewissenslichter ausgenommen zu werden; das war das einzige Mittel, sich der fortwährenden Gefahr, die über den Häuptern Aller schwebte, zu entziehen. Das heilige Offizium ließ aber diese Diener nur auf einen schrecklichen Eid zu, durch den sich diese verpflichten mußten, aus alle Freundschasts-, aus alle Familienbande zu verzichten, jedes glaubensfeindliche Wort, das ihnen zu Ohren komme, anzugeben, rücksichtslos ihre nächsten Verwandten, ihren Vater, ihre Mutter, ihre Frau, ja sogar ihre Kinder anzuklagen, da es sich um die Sache Gottes und der heiligen Kirche handle. So hatte im Schoße der Familien selber alles Vertrauen ausgehört, jeder liebevolle Gesühlsausdruck, jede sanfte Herzensregung war geschwunden. Der Freund fürchtete den Freund, der Bruder scheute den Bruder, und der Vater mißtraute den eigenen Kindern. Saragossa war, wie alle Städte Spaniens, öde und traurig geworden; das Leben hatte jeden Reiz, jede Freudigkeit verloren; man nahte einander nur mit Vorsicht, man wog jedes Wort ab, obwohl man sich nur von ganz gleichgültigen Dingen unterhielt. Man sprach also in Saragossa viel von der Verbindung zwischen Juanita und Fernando, trotzdem. die Glücksgüter so ungleich aus beide verteilt waren; denn darüber war man einig, daß Diego d'Almora große Reichtümer besitze, während Fernando arm sei. Er war eines Tages in die Stadt gekommen, man wußte nicht woher, augenscheinlich aber in einer sehr traurigen Lage, bis ihn ein Zufall, wie man glaubte, mit Diego d'Almora in Verbindung brachte. Dieser interessirte sich für den jungen Mann und gewährte ihm Schutz und Beistand. Niemand wunderte sich darüber; denn Diego war der wohlthätigste Mann in Saragossa; niemals hatte sich ein Armer, ein Unglücklicher vergeblich an ihn gewendet. Fernando hatte es verstanden, die ganze Gunst seines Beschützers zu gewinnen. Dieser hatte ihn in seine Geschäfte eingeweiht, er vertraute ihm sein ganzes Vermögen an, und, wie man allgemein glaubte, ging er damit um, ihn zu seinem Schwiegersohn zu machen. Das waren in Wirklichkeit alles nur Gerüchte; denn niemand wußte etwas bestimmtes über diesen Punkt. Diego d'Almora war ein redlicher und offenherziger Mann; er empfing alle, die in seinem bescheidenen Hause verkehrten, mit der größte.: Liebenswürdigkeit, aber er war auch andererseits sehr diskret und sprach mit niemandem über seine Familienverhältnisse. Fernando seinerseits hatte den jungen Leuten, die ihm bei ihren Zusammenkünften Schmeicheleien über sein Glück sagten, stets ausweichend geantwortet. Soviel stand fest, daß Juanita schon glänzende Partien ausgeschlagen hatte, und die Stammgäste der „roten Herberge" waren gut unterrichtet, wenn sie unter ihnen den Sohn des Grasen von Ramira, des Abgeordneten für Arragonien, nannten, der

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