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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-03-08 · 10 (8.3.1901) · p. Seite 155

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Israelitische Wochenschrift. Seite 156. Verminderung der Zahl der Eheschließungen, sondern im Wesentlichen von einer Abnahme der Kinderzahl in den einzelnen jüdischen Ehen her. Redner bringt diese Erscheinung mit dem späteren Abschluß der Ehen in der Gegenwart, der infolgedessen kürzeren Dauer der Ehen und insbesondere mit der Veränderung der gesamten Lebensverhältnisse der Juden in Zusammenhang. Diese Veränderung beruht einmal aus der Hebung ihrer materiellen Lage, die zum Teil eine Folge der Emanzipation, zum andern Teil eine Folge des Aufschwungs Preußens auf den von den Juden vornehmlich kultivierten Gebieten des Handels und der Industrie ist, und zweitens aus der beträchtlichen Zunahme der geistigen Bildung unter ihnen, wie sie besonders deutlich durch den hohen Prozentsatz jüdischer Schüler und Studierender auf den höheren Lehranstalten und Universitäten Preußens illustriert wird. Trotz der Verdreifachung hat die Zahl der Juden in Preußen im Vergleich zu der der Christen durchaus nicht zugenommen, da auch diese sich in dem gleichen Maße vermehrt haben. Der Eindruck eines relativ stärkeren Anwachsens der Juden wird nur hervorgerufen durch die speziellen Eigentümlichkeiten hinsichtlich ihrer örtlichen Verteilung innerhalb des Staatsgebiets, sowie ihrer beruflichen Gliederung. Der Vortragende erläutert diese Eigentümlichkeiten genauer und weift auch auf die höchst interessanten und bemerkenswerten Verschiebungen hin, die sich hier im Laufe der zweiten Hälfte des Jahrhunderts allmählich vollzogen haben. Bei der Besprechung des Kapitels: Krankheiten bei den Juden wird die Häufigkeit der Nervenleiden spezieller diskutiert, des Wetteren werden die Ursachen des günstigen Standes der jüdischen Kindersterblichkeit in Vergangenheit und Gegenwart dargelegt, und zuletzt noch aus die Verhältnisse der jüdisch-christlichen Mischehen und deren üherraschende Zunahme hingewiesen. Ein Ausblick in die Zukunst bildete den Schluß des Vortrages. Berlin, 3. März. (Semesterschlußkneipe.) Die jüdische Studentenverbindung „Sprevia" hat gestern Abend ihre Semesterschlußkneipe gehalten. Ueber 50 aktive Mitglieder und Alte Herren, zudem noch einige Gäste waren feuchtfröhlich beisammen. Die „Sprevia" war im vergangenen Semester hart bedroht, hat sich aber vortrefflich herausgehauen. Die guten „Schläger" hat sie ja dazu. Der Verbindung ist die Ehre zuteil geworden, von der Sorte „Arier" in Verruf gethan zu werden, denen der Mut nur der Wehrlosigkeit gegenüber in der Brust seine Spannkraft übt. Berlin, 5. März. (Vom Turnverein „Bar Kochba".) Der jüdische'Turnverein „Bar Kochba" veranstaltet am Samstag, 23. März, im großen 'Festsaal des Vereins junger Kausleute, Beuthstraße 19, seinen diesjährigen Ball. Die Billets zu 1 Mk., die nur in beschränkter Zahl zur Ausgabe gelangen und deren baldige Bestellung sich deshalb empfiehlt, sind auf dem Turnboden zu beziehen und bei den Herren Ltßmann, Lothringerstraße 47, Ingenieur Katzky, Mendelssohnstraße 13, M. Kaplan, Alte Schönhauserstraße 59. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß der Turnverein „Bar Kochba" auch eine Frauen-Abteilung hat, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreut. Das Turnen, das sich aus Frei-, Ordnungs- und Gerätübungen zusammensetzt, findet unter Aussicht einer geprüften Turnlehrerin statt. Zu den Turnabenden Dienstag und Donnerstag 8»/* Uhr im Turnsaal der Gemeindeschule, August- Straße 67/68, sind Damen als Gäste herzlich willkommen. Berlin, 5. März. (Israelitisches Lehrerinnenheim.) Der Verein israelitisches Lehrerinnenheim, der jetzt 2 Jahre alt ist, hat einen aus 15 Mitgliedern bestehenden Vorstand und ein Kuratorium von 60 Mitgliedern. Davon bilden 17 das besondere Propaganda-Komitee. Das Vereinsvermögen beträgt etwas über 80 000 Mark und ist weit davon entfernt, den Verpflichtungen zu genügen, die der Verein seinen ordentlichen Mitgliedern (117) gegenüber übernommen hat. In dem Heim in Steglitz haben jetzt 8 frühere Lehrerinnen Aufnahme gefunden. London, 3. März. (Beileids-Kundgebung.) Das jüdische Genesungsheim hat an König Eduard VII. nachstehende Beileids-Kundgebung gerichtet: „Präsident und Ausschuß des zum Gedächtniß an Lady Judith Montefiore gegründeten jüdischen Genesungsheims haben den innigen Wunsch, den Ausdruck ihrer schmerzlichen Anteilnahme an dem unersetzlichen Verlust kundzuthun, den Euere Majestät und die königliche Familie durch den Tod unserer geliebten Landesherrin Königin Victoria erlitten haben, deren Mitgefühl mit allem Leid und Unglück der Armen jeden Glaubens unter ihren Unterthanen einen der vielen herrlichen Charakterzüge bildete, die sie dem Volk teuer gemacht haben. Der Ausschuß bringt Euerer Majestät zur Thronbesteigung ehrfurchtsvolle Glückwünsche dar; möge Euere Majestät mit langer glücklicher und erfolgreicher Regierung gesegnet sein." London, 4. März. (Heim für unheilbare Kranke.) Der in High Road, South Tottenham gelegene Neubau des Heims und Krankenhauses für jüdische unheilbare Kranke geht seiner Vollendung entgegen, so daß er voraussichtlich im Juni wird bezogen werden können. Das mit allen erforderlichen Bequemlichkeiten gebaute Haus enthält im Erdgeschoß außer den Bureaus einen großen Gesellschaftssaal, ein Zimmer für die Oberin und vier große Schlasräume, die vorläufig je sechs Betten enthalten, aber auch für die doppelte Anzahl von Betten eingerichtet werden können. Daneben befinden sich zwei Krankenzimmer, die nur für eine Person bestimmt sind, zwei Wohnzimmer und ein Wirtschaftsraum, der alles für die Bedienung der Patienten nötige Glas- und Porzellangeschirr, Wäsche rc. enthält. Der erste Stock ist ebenso wie das Erdgeschoß eingeteilt; im zweiten Stock sind vier Schlafzimmer und ein Wohnzimmer für die Pfleger und Pflegerinnen. In einem besonderen Flügel ist das Dienstpersonal untergebracht, befinden sich die Wasch- und die ganz besonders praktisch eingerichteten Baderäume. Das Haus ist mit Warmwasserheizung versehen; verschiedene Personen- und Speiseaufzüge erleichtern den Verkehr innerhalb des Gebäudes. Der aus 2500 L. St. veranschlagte Bau der Synagoge, für die ein Flügel reserviert ist, muß wegen Geldmangels noch verschoben werden; das Baukomitee hat schon jetzt eine Unterbilanz von 7000 L. St. Rom, 3. März. (Finanzminister Wollemborg.) Der neuernannte Finanzminifter Signor Leone Wollemborg ist Jude. Die Familie des 1859 in Padua geborenen neuen Ministers ist deutschen Ursprungs. Leone Wollemborg ist drei Mal Parlamentsmitglied für Cittadklla gewesen und kam

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