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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 2. (1901) · p. Seite 15

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 2. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 15 (sequence 7)
Language
German
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— <:נ Die so ängstlich hervorgehobene Scheidung des Verfassers zwischen psychischer Unsterblichkeit und den! Auferstehungsglauben, welche Verfasser vorausschickt, in dem die Arbeit sich nur auf die erstere beschränken soll, dürfte um so mehr überflüssig (S. 3) erscheinen, als der Auferstehungsglaube überhaupt nicht biblischen Ursprungs ist uud nicht einmal auf jüdischem .Boden entstanden, sodass es keinem vernünftigen Menschen jemals einfallen könnte, diese beiden Gebiete mit einander zu verwechseln. Dem Verfasser dürfte ja bekannt sein, dass die Sadducäer der Lehre Moses entsprechend an dem psychischen Fortleben festhielten im Gegensätze zu dem bei den Pharisäern und dem Volke betonten Glauben an leibliche Auferstehung. (Berachot 5,1.9,5. cf. Geiger, ,,jüdische Zeitschrift“ 3. Jhg. 6 19.) Die erste Frage betreffend, ob in der Bibel strikte die Unsterblichkeit geleugnet wird, resp. ob den biblischen Büchern eine niedrige Stufe von dem Leben nach dem Tode, etwa analog dem Dasein der Schatten im Hades, eigen ist, so führt Verfasser eine ganze Reihe von Stellen auf, welche auf den ersten Blick als eine Leugnung der Unsterblichkeit aufgefasst werden könnten. Und da bietet sich in erster Linie das strittige Wort ^שאו, welches für die Gegner der Unsterblichkeit in der Bibel von jeher einen bedeutenden Angriffspunkt bietet. Verfasser dedueirt nun an der Hand einer ganzen Reihe von Belegstellen, dass beim Volke allerdings möglicherweise eine vage Vorstellung von einer niederen Art •der Fortdauer im ,,Scheol“ vorhanden war; allein die Verfasser den• biblischen Bücher, die Propheten, Sänger und Historiker, welche an den Sprachschatz des Volkes gebunden waren, haben diesen Ausdruck nur als Bild gebraucht, ohne im Geringsten an die triviale Vor- Stellung des Volkes zu denken. Verfasser hätte noch darauf hin weisen können, dass beim Volke sogar die Vorstellung von einer Bestrafung im Scheol für Diejenigen, welche auf Erden einen schlechten Lebenswandel führten, vorhanden war. Man dachte sich einen Thophet, einen Platz im Thale Hinnom bei Jerusalem, wo der Molochsdienst stattfand, als Brandstätte tief und breit, von Feuer und Holz in Menge, wo der Odem Gottes brenne, wie ein Scliwefelstrom (Jes. 30,33), zeigt die gänzliche Vernichtung der Assyrer unter dem Bilde dieser grossen Brandstätte, wo Gott einen Scheiterhaufen anzündet, für Volk und König. Wenn Verfasser in einer Fussnote S. 10. behauptet, dass der Scheol erst in der nachbiblischen Litteratur als Strafort der Frevler erscheint, so ist er im Irrthum. Was nun die Stellen betrifft, welche eine strikte Lengnung des Unsterblichkeitsglaubens zu beweisen scheinen, so z. B. Ps. 88, Jes. 38,18, so drücken dieselben, wie Verfasser mit Recht meint, nichts weiter aus, als den energischen Trieb zum sinnlich wahrnehmbaren Leben; dieser dem Menschen angeborene Selbsterhaltungstrieb kann namentlich in der Stunde der Lebensgefahr selbst bei demjenigen, welcher am unerschütterlichsten von der Ueberzeugung der Unsterblichkeit durchdrungen ist, diese Ueberzeugung zurückdrängen. Länger verweilt der Verfasser bei den Büchern Hiob und Koheleth, welche sich über die Unsterblichkeit ausführlicher auslassen. Dass im Buche Hiob die Unsterblichkeit gebeugnet wird, geht deutlich hervor sowohl aus 7,9, auf welche schon der Talmud aufmerksam macht, als auch aus 14,7 ff. Allein gerade dieser Umstand, dass dem Helden diese Polemik gegen die Unsterblichkeit in den Mund gelegt wird, beweist, wie Verfasser mit Recht sagt, dass dem Buche der Unsterblichkeitsglaube wohl bekannt war, da man nicht kämpfen kann gegen etwas, wovon man gar keine Vorstellung hat. — Die von den Exegeten mehrfach hervorgehobene Schwierigkeit, warum im Buche Hiob nicht der Unsterblichkeitsglaube zur Lösung des Problems verwerthet wird, sucht Verfasser von einem zweifachen Gesichtspunkte aus zu beseitigen; erstlich ist die Lösung des Problems im Buche Hiob eine viel befriedigendere, als sie mit Hilfe des Unsterblichkeitsglaubens zu erzielen wäre; sodann vermag überhaupt der Unsterblichkeitsglaube keine Lösung des Problems der Theodicee zu bieten, der Hinweis auf das Jenseits als Mittel zur Lösung des Problems der Theodicee ist nur ein ,,regressus der faulen Vernunft“, weil sich sofort eine Fülle von neuen Fragen erheben. Hinsichtlich der letztem Ansicht des Verfassers v<*rweisen wir ihn auf Ps. 73., wo wohl die jenseitige Unsterblichkeit und die nach dem Tode eingetretene Gerechtigkeit zur Lösung des Problems verwerthet wird. Der Psalm ist spricht, er sei im Glauben an die Gerechtigkeit wankend gemacht worden, in dem er sah, wie die Uebermüthigen und Frevler in Frieden leben., während der Fromme geplagt ist und Züchtigung hat alle Morgen; aber er drang zu den Heiligthümern Gottes und betrachtete die Zukunft. Im Buche Koheleth, welches bekanntlich von jeher von den Gegnern des Unsterblichkeitsglaubens in der Bibel ins Treffen geführt wird, sucht Verfasser zunächst alle die verdächtigen Stellen, welche die Unsterblichkeit zu leugnen scheinen, auf geschickte, wenn auch gezwungene, Weise zu interpretiren, wobei Verfasser allerdings exegetisches Talent entfaltet. Allein, ob es ihm wirklich gelungen ist, die Schwierigkeiten dieser Stellen zu be seitigen, — dies zu bestätigen dürfte uns etwas schwer fallen. ImUebrigen verweisen wir den Verfasser aufPesikta p. t>8b und die dort citirten Parallelstellen.--Die Stelle im babylonischen Talmud, Sabbat p. 30, die Verfasser anführt, ist etwas verwischt -- wo es ausdrücklich heisst: ,,Die Weisen hätten Koheleth für apokryphisch erklären wollen, weil sie darin Aeusserungen gefunden haben, die sich zur Ketzerei neigen oder dem Pentateuch widersprechen, aber die Schlussbemerkung, dass Gott das Thun der Menscheu doch richte, oder däss Gott fürehr 'י und seine ..Gebote befolgen allein den Menschen angelle, hätte sie mit dem Buche ausgesöhnt.‘' Und in der That trägt nicht schon der mehrfach wiederholte Ausruf ,,Eitelkeit aller Eitelkeit“ — und wenn wir auch diesen Ausruf mit dem Verfasser nur auf die irdischen Güter einschränken - den direktem Widerspruch mit der Heiterkeit des israelitischen Bewusstseins an der Stirn, welches ,,alles, was Gott geschaffen hat, gut“ findet■1? Die Hauptschwierigkeit, warum in Koheleth nicht neben der Eitelkeit alles Irdischen der Unsterblichkeitsglaube als Ergänzung des irdischen Daseins hervorgehoben wird, sucht Verfasser allerdings in so weit abzuschwächen, als er das Grundproblem, resp. die Grundfrage des Buches anders auffasst. Das Grundprobiem soll kein Problem der Theodicee sein, sondern die Frage: giebt es auf Erden ein wahres Gut, das der Mensch sich unabhängig von Gott schaffen kann? Diese Frage wird nun in lose an einander gefügten Betrachtungen zu beantworten gesucht und wird verneint. — Diese Auffassung des Verfassers ist nicht neu; sie ist bereits von Ewald ausgesprochen. Nach Ewald soll der Grundgedanke des Buches darin sein: ,,Heiteres Gemessen der Lebensgüter in der Freude an Gott“. (Die Salomonischen Schriften 1867. S. 287.) Allein mit diesem Faden können wir uns am allerwenigsten in dem Labyrinth zurecht finden. Verfasser wendet sich nunmehr der bereits vielfach aufgeworfenen Frage zu, warum in den mosaischen Büchern Verheissung und Drohung ausschliesslich auf das Diesseits bezogen wird, warum in der Thora für die Befolgung der göttlichen Gebote nur irdischer Lohn, für die Uebertretung nur!irdische Strafe verkündet wird? Mit dieser Frage hängt die andere zusammen, weshalb im Pentateuch die Unsterblichkeitslehre nicht direkt verkündet wird. Verfasser führt nun eine ganze Fülle von / ׳ '! V. \ y -

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