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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 2. (1901) · p. Seite 14

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 2. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 14 (sequence 6)
Language
German
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14 Begriff, den der Infinitiv ausdrückt, oft gleich nnd verwandt dem des neutralen Particip passivi? Ist nicht das Drucken gleich dem Drucke, das Schlagen gleich dem Schlage, also das Thun gleich der Wirkung der Tliat? Das Schlagen und das Geschlagene sind ebenso zusammenfallende Vorstellungen wie das Schlagen und das Schlagende. Die Infinitivform konnte ebenso aktivisch wie passivisch betrachtet werden, je nachdem man an den Urheber der That oder an die Folge derselben dachte. Wir haben also gar keinen Grund die massoretische Lesung und traditionelle Auffassung zu bemängeln. Das Wort יתום nimmt uns alle grammatische Besch werniss, und die Symmetrie des Satzes zwingt uns sogar zur logischen Anerkennung der Tradition. Hingegen ist die Auffassung Cheyne’s wie die seiner Vorgänger hinfällig. Den Räuber zu einem sruten Menschen zu machen, wird wohl keinem Gerichte als Aufgabe gefallen, und die Räuber nur zu fesseln, ist noch keine Rettung für den Beraubten. Damit mag sich manche Rechtsgewohnheit der modernen Staaten wohl genügen lassen; dem Propheten lag nicht so sehr an der Bestrafung der Verbrecher, als an der Rechtfertigung, Auf hilf e, Förderung des Wehrlosen. Hier zeigt sich wieder, dass die Kritik selbst die herrliebsten Gedanken des Propheten, man möchte sagen, verkümmern lässt, weil sie grundsätzlich ihrem willkürlieh aufgestellte nSpracligesetze entsprechend die noch so zweifellose Tradition nicht zu Worte kommen lassen will. Litten! tu!•bericht. Recensionen. —c_. Wohlgeanutll ](H. J. Die Unsterblichkeit in der Bibel. (Aus dem Jahresbericht‘des Rabbiner- Seminars zu Berlin von 1899). Besprochen von Dr. B. Seligkowitz. Dem Judenthum den Glauben an die Fortdauer des Geistes absprechen, hiesse die ideellen Tragpfeiler der ganzen jüdischen Lehre verkennen. Denn wie wäre es überhaupt möglich, dass die Israeliten, dieses so tief religiöse Volk, welches von uralten Zeiten her im Besitze der Erkenntniss einer einzigen, von der Natur wesentlich verschiedenen Gottheit war, eine so lange Reihe von Jahrhunderten hätte durchleben können, ohne sich über die Erwartung eines dumpfen Schattenlebens in dem ,,Scheol“ zu erheben? Wie wäre es möglich gewesen, dass unter den vielen erhabenen Geistern, die in seiner Mitte auftraten, welche doch seine religiösen Vorstellungen in so vielfacher Beziehung fortbildeten, kein einziger war, welcher bis zu dem Gedanken einer lebensvollen Unsterblichkeit und einer jenseits des Grabes sich erst vollendenden Vergeltung hindurchdrang? Wenn auch die mosaischen Bücher nicht ausdrücklich die Unsterblichkeit der menschlichen Seele lehren, so ist sie doch enthalten in dem Dualismus, welcher ausdrücklich in der Schöpfungsgeschichte hervorgehoben wird. Der Leib des Menschen entstammte der Erde, wurde aus Staub gebildet; seine Seele wurde ihm von Gott eingehaucht, entsprang unmittelbar von Gott und ist daher gottebenbildlich, unsterblich. Dass die mosaischen Bücher sich nicht in Schilderungen über das Wesen der Seele und die Art der Unsterblichkeit einlassen, das liegt in der Natur der jüdischen Religion überhaupt. Dem Judenthum ist eine jede metaphysische Spekulation fremd, und so wie es eine jede Lehre über Theogonie und Kosmogonie von sich abweist, ebenso muss es in seiner ungetrübten Reinheit alles Philosophiren über das Wesen und das Endschicksal der menschlichen Seele von sich entfernen. Nur das Heidenthum, welches wagt, seinen Gott zu schildern, darf es auch wagen, einen Theil desselben, die menschliche Seele, zu beschreiben; (Cfr. Platon, Phaedr. de legib. X. p. 621). Das Judenthum dagegen, welches immer seinen Gott als unerforschliches Wesen lehrt, kann sich nicht anmassen, einen Theil desselben, welcher, wie er, sinnlich unwahrnehmbar ist, erfassen zu können. (Sifre z. Deuter, c. 856). Von diesem Gesichtspunkt hiesse eigentlich jeder Versuch, um die Unsterblichkeit in der Bibel nachzuweisen,. Eulen nach Athen tragen, dass trotzdem in christlichen Kreisen vielfach die Meinung herrschte und noch jetzt herrscht, dass dieser Glaube bei Moses sich nicht finde, überhaupt das Judenthum ihn nicht kenne, ist lediglich auf eine Polemik des Christenthums zurückzuführen, welches die Unsterblichkeitslehre für sich in Anspruch nehmen möchte, um sie an die Auferstehung Jesu zu knüpfen. Die aussermosaischen Bücher, die kanonischen wie die apokryphischen, sprechen entschieden und mit Deutlichkeit von der Unsterblichkeit, und wenn sich in denselben manche Stellen finden, welche als eine Ableugnung der Unsterblichkeit aufgefasst werden könnten, so ist dieses noch lange kein Zeugniss für die allgemeine Ableugnung des Uusterblichkeitsgiaubens, vielmehr umgekehrt für die• allgemeine Annahme desselben. Warum aber weist Moses nicht direkt auf ein jenseitiges Leben, auf eine Hoffnung im Jenseits hin? Darauf haben wir — wir lassen zunächst die Ansichten der jüdischen Religionsphilosophen hierüber bei Seite — zwei Antworten, Moses konnte sich umsoweniger bewogen fühlen, von der Unsterblichkeit und der künftigen Vergeltung Gebrauch zu machen, da diese Hoffnungen bei den Aegyptern mit den Mythen ihrer Religion unzertrennlich verwachsen und die Quelle vieler abergläubischen Gebräuche waren. Musste nicht Moses mit vollem Rechte befürchten, dass die Einftihrung dieser Hoffnungen bei seinem Volke zugleich den ganzen Wust der mit ihnen verknüpften heidnischen Elemente Einzug verschaffen würde? Was würde beispielsweise aus der Fortdauer der Seele, deren Lohn und Strafe nach der Trennung von dem Leibe, in den Händen der Priester und Vertreter der Tochterreligion, welche behauptet, die künftige Welt nach allen Richtungen hin zu kennen und deren verschiedene Abtheilungen in menschlicher Weise darstellen? Wie haben sie die Phantasie der Gläubigen geängstigt, die Herzen gequält und die Geister erschreckt durch die Schauer und Schrecknisse, welche sie von der jenseitigen Welt verbreiteten!• Sodann hatte Moses gar keinen Raum für eine dogmatische Lehre. Er spricht nicht einmal die Grundlehren für seine Gesetze aus, sondern er stellt Gesetze für das praktische Leben auf, deren Principien und Grundsätze erst aus diesen Gesetzen zu abstrahiren sind. So viel sei vorausgeschickt zur Orientirung über die Frage der Unsterblichkeit in der Bibel von dem kulturhistorischen Standpunkt. In der eingangs bezeichneten Arbeit hat der Verfasser die ganze hergehörige exegetische Litteratur mit gründlichem Fleiss durchgearbeitet und sorgfältig geprüft und die Frage der Unsterblichkeit in der Bibel exegetisch zu erörtern gesucht. Verfasser behandelt diese Frage nach einem dreifachen Gesichtspunkte. 1) Wird die Unsterblichkeit in der Bibel strikte geleugnet? 2) Ist auf Grund eines argumentum e silentio der Beweis zu erbringen, dass die Bibel: den Unsterblichkeitsglauben nicht gekannt hat? 3) Ist der positive Beweis zu erbringen, dass die Bibel den Unsterblichkeitsglauben enthält oder voraussetzt?

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