Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 8 (22.2.1901)
- Date
- 1901-02-22
- Page
- Seite 126 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 126. Israelitische Wochenschrift. Nr. 8. Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde Henry Solomon im Alter von 60 Jahren gestorben. Er war im Vorstand fast aller jüdischen Wohlfahrtsvereine und hat auch persönlich viel für das Vorwärtskommen seiner Glaubensbrüder gethan. — Dr. Theodor Herzl hat sich kürzlich in Begleitung von Herrn Wolfsohn aus Köln eine Woche lang in London aufgehalten, um in Angelegenheiten der Kolonialbank thätig zu sein. Der nächste Kongreß soll wieder in London stattfinden. Der genaue Zeitpunkt ist noch nicht festgesetzt. — In Petersburg starb kürzlich der als Augenarzt und als medizinischer Schriftsteller bekannte Dr. Maxim Berenstein. Er war erst 36 Jahre alt. — Der jüdische Geschichtsverein in Petersburg hat vor einigen Tagen den Geburtstag seines ältesten Mitgliedes des Herrn Emanuel Lew in festlich begangen. Der Jubilar hat schon in jungen Jahren das Studium der jüdischen Geschichte begonnen und sich besonders für die Judengesetzgebung interessiert. In den vierziger Jahren schon hat Emanuel Lewin eine russische Grammatik für Juden herausgegeben. Vakanzen. Lobsens. K-, Balk., Sch-, 1800 M. Geh., fr. W. Meld. an Sam. Pinkus. — H otten ba ch, Kr. Berncastela.Mosel. Rel.-L., K., Sch-, 600 M. Geh. u. fr. W. Meld. an M. Burg. — Wonfurt i. B. Rel.-L., K., Sch. (ledig), 950 M. Eink. u. fr. W. Meld. an Michael Mahler. — Kirrweiler, Rheinpfalz. Rel.-L., K., Sch., 600 M. Geh., fr. W., 150 M. Nebeneink. Meld. an Moses Rubel. — Ob er wesel. Rel.-L., K., Sch., 1200 M. Geh., fr. W. Meld. an Alex Mayer. — Kattowitz. Oberk., 4200 M. Geh. Meld. an Stadtrat Salomon Wiener. — Tirschtigel. K. und Sch., 1000 M. Geh. und fr. W. Meld. an Vorst. — Landsberg a. W. K. u. Sch., 1500 M. Geh., fr. W., 300 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. Feuilleton. Undkluseu! Ein Märchen für unsere Frauen und Mütter. Von C. Berg. (Schluß.) O das schöne, stattliche Haus, das Jubal einst sich so freundlich und wohnlich hergerichtet hatte! Jetzt lohte es in hellen Flammen. Ueberdies, den braven Kriegern kam das Plündern schon recht, und stehlen thaten sie wie die Kosacken. Jeder schleppte dreimal so viel davon, als er eigentlich konnte. Am andern Tage sahen die neugierig herbeiströmenden Damasziten nur noch die Ruinen des Jubal'schen Prachtbaus, niemand ahnte, daß dieser Schutthaufen noch menschliche Wesen verborgen halte. Ach, cs hätte auch keiner in diesem mit Asche bedeckten, abgehärmten, todesblassen Weib und dem verunstalteten Kind, das in ihren Armen hing, die stolze Abigail und ihre reizende Kleo erkannt. Sie wagte sich nicht an das Tageslicht, so schämte sie sich, die arme Frau. Aber ihr Hauptkummer bei alledem blieb doch, daß sie die Flasche mit dem Gegenzaubertrank zerbrochen, der dazu bestimmt gewesen, dem Angesicht der kleinen Kleo die ehemalige Weiße \tni> Zartheit wiederzugeben. Unter den Trümmern ihres Hauses hatte Abigail, freilich nach langem mühseligen Suchen und Wühlen, ein Trühlein mit Edelsteinen wiedergesunden, das zum Glück den Klauen der syrischen Spitzbuben entgangen war. Sie dachte gar nicht daran, daß sie und ihr Kind eine zeitlang von dem Erlös der Juwelen bequem leben konnten, nein, sie wollte sich ausmachen zu der zauberkundigen Egypterin und ihr selbst diese letzten Habseligkeiten dafür bieten, daß sie ihren kleinen Abgott wieder von der schwarzen Maske erlöse. In der nächsten Nacht weckte sie die Kleine, barg die Edelsteine in ihrem Gürtel und wanderte vor die Hütte der Zigeunerin. Von weiter Ferne schon hatte sie das unheimliche Krächzen des Raben vernommen, jetzt flatterte er ihnen mit wildem Kreischen entgegen und schlug die ohnehin sich halb zu Tode fürchtende junge Frau mit seinen großen schwarzen Flügeln heftig an die Ohren. Auch die Katze kam heran, machte einen Buckel und schoß Blitze aus ihren grünlich leuchtenden Augen. Am liebsten wäre die geängstete Frau wieder umgekehrt, aber sie besann sich, galt.es doch für ihr Kind, sie preßte die Kleine an ihre Brust und trat tapfer in die Höhle. Arme Abigail! Da man ihren Mann und ihre Söhne als Gefangene sortgeschleppt und den Brand in ihr Haus gelegt, hatte sie nicht so bitterschweres Leid gefühlt als hier in dem schmutzig-dumpfen Schlupfwinkel der Zigeunerin. Um das ganze, schwere Unglück mit einem Wort zu kennzeichnen, die Egypterin war tot, mausetot lag sie aus dem Boden. Wahrscheinlich hatte dem Teufel das Warten auf die alte Hexe zu lange gedauert, er hatte sie einfach über Nacht geholt, damit basta! Nun war freilich keine Aussicht, den Alabafterteint Kleos wieder durch die schwarze Hülle hervorbrechen zu sehen; in Thränen zerfließend wankten Mutter und Tochter nach Damaskus zurück. Drei lange Jahre vergingen, drei schwere böse Jahre, während deren sich Abigail mit ihrem Kinde in tiefster Zurückgezogenheit bei ihren Eltern verborgen hielt. Denn sie grämte und schämte sich fürchterlich vor aller Welt, und die Beileidsbezeugungen ihrer Freunde dünkten ihr womöglich noch fataler, als ihrer Feinde Spott und Hohngelächter. * * „Onkel Berg?" „Herr Neffe?" „Erzählst du noch lange?" „Warum denn?" „Eh bien, ich habe noch meinen lateinischen Aussatz zu machen, andererseits aber bin ich ungeheuer begierig, das Ende deiner Geschichte zu vernehmen". „Nun sieh mal einer dieses Megatherium. Jetzt am Abend muß er arbeiten! Hast dir wohl tagsüber Licht geschnorrt, he? Uebrigens, was geht dich denn meine Geschichte an, gehörst du zu unfern Frauen und Müttern?" „Keineswegs, jedoch, da ich gedenke, einstmals eine der Töchter unsres Landes zu dieser Würde zu erheben, so möchte ich gern deine Nutzanwendung —" „Wahrhaftig, es giebt keine Kinder mehr, wirklich nicht, nicht einmal unter den Tertianern. Aber ich sehe schon, ich muß der allzu epischen Breite meines Redeflusses einen gehörigen Damm aufführen, will ich nicht der Mitschuldige Dieses Nichtsnutzen Faullenzers heißen. Also Achtung, rückt zusammen. Schluß folgt".