Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 8 (22.2.1901)
- Date
- 1901-02-22
- Page
- Seite 125 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Israelitische Wochenschrift. Seite 125. zu errichten, soll demnächst verwirklicht werden. Durch die Bemühungen des stets für alle humanen Bestrebungen und wohlthätigen Anstalten begeistert wirkenden Herrn Predigers Dr. Leimdörser ist es gelungen, diese ganz Norddeutschrand zugute kommende humanitäre Veranstaltung ins Leben treten zu lassen. Auf seine Anregung hat sich ein durch Wohlthätigkeitssinn ausgezeichneter Mann, dessen Name auf seinen Wunsch nicht genannt werden soll, bewogen gefühlt, die Summe von 20 000 Mk. für diesen edlen Zweck herzugeben. Die Zinsen dieses Kapitals sollen einer Anzahl kränklicher Kinder alljährlich die Wohlthat des Hospitals gewähren. Coethen, 17. Februar. (Aus dem Literaturverein.) In unserem Verein für jüdische Geschichte und Literatur sind im Lauf dieses Winters bis jetzt folgende Vorträge gehalten worden: 1. Dr. Seligkowitz: Die Juden in China nach Missionarberichten. 2. Dr. G. Karpeles: Ueber den Anteil der Juden an der Kultur der Menschheit. 3. Rechtsanwalt Dr. Cohn aus Dessau: Das Recht der Frau. 4. Dr. Seligkowitz: Die Psychologie des Vorurteils. — Außerdem fanden noch besondere Diskussionsabende statt. Die Vorträge waren zahlreich besucht und erfreuten sich sehr reger Teilnahme. Wilna, 17. Februar. (Handelsschule.) Ein aus hiesigen Kaufleuten bestehendes Komitee hatte sich vor einiger Zeit an den Finanzminifter mit dem Ersuchen gewendet, für eine zu errichtende Handelsschule die beschränkende Vorschrift fallen zu lassen, nach der die Zahl der jüdischen Schüler nicht über 50 Prozent betragen darf. Dieses Gesuch ist vom Ministerium zurückgewiesen worden. Daraus hat das Komitee ein neues Statut ausgearbeitet, das die Bestimmung enthält, die Handelsschule würde 50 Prozent griechisch-katholischer Schüler ausnehmen, aber für den Fall, daß sich nicht die volle Anzahl solcher Schüler meldeten, die freien Plätze an Schüler anderer Konfessionen vergeben. Dieses Statut hat die ministerielle Genehmigung erhalten. Lodz, 17. Februar. (Arbeiterwohnungen.) Vor Kurzem ist hier ein Haus sertiggestellt worden, das dreißig Wohnungen für arme jüdische Familien enthält. Bau und Einrichtung sind ein Geschenk des hiesigen Bankiers Maximilian Goldfaden. Jede Wohnung besteht aus einer Stube, einer Küche und Zubehör, der jährliche Mietszins ist auf 40 bis 50 Rubel festgesetzt. Der jüdische Wohlfahrtsoeretn hat die Verwaltung des Hauses und die Vermietung der Wohnungen übernommen. Der Ertrag des Hauses soll zum Bau weiterer billiger Mietshäuser auf demselben Baugrund verwendet werden. Paris, 18. Februar. (Erbschaftssteuer.) Nach dem Tod des Baron von Hirsch hatte seinerzeit die Baronin von Hirsch an die französische Regierung eine Erbschaftssteuer von beinahe zwei Millionen Francs gezahlt, weil sie von der irrigen Annahme ausgegangen war, daß das Hauptdomizil ihres verstorbenen Gatten in Frankreich gewesen und deshalb an die Behörden dieses Landes die Steuer für die gesamte Hinterlassenschaft zu zahlen war. Späterhin hat sie — und nach ihrem Tode ihre Erben — einen Antrag auf Rückzahlung des größeren Teils der Erbschaftssteuer gestellt, weil Baron Hirsch österreichischer Unterthan gewesen und sein Landgut Eichhorn in Ungarn als sein eigentlicher Wohnsitz anzusehen war. Dieser Prozeß ist nunmehr zu Gunsten der Kläger entschieden worden. Der hiesige Cioilgerichtshos hat die französische Regierung angewiesen, nur die Steuer für die in Frankreich liegenden Besitztümer des Barons zu behalten und die darüber hinaus erhaltenen Summen an die Kläger zurückzuerstatten, außerdem auch die Kosten des Rechtsstreits zu tragen. In der Begründung des Urteils wird ausgesührt, daß die in nichtfranzöfischen Ländern liegenden toten Besitztümer resp. die in fremden Banken deponierten Werte der Hinterlassenschaft bedeutend größere Summen umfassen, als die in Frankreich liegenden. Die Höhe der bei Lebzeiten des Baron von ihm in Paris bezahlte jährliche Steuer (ca. 12 000 Frcs.) ist Beweis, daß von den betreffenden Behörden Paris nicht als das Hauptdomizil des Barons angesehen worden ist. Bukarest, 18. Februar. (Unterstützung der Notleidenden.) Seit ungefähr anderthalb Jahren sind von der Alliance Jsraelite 350,000 Francs und aus verschiedenen anderen Ländern 100,000 Francs zur Unterstützung der armen rumänischen Juden beigetragen worden. Diese Summen sind zu Dnrlehnen bis zu 100 Francs, zum Ankauf von Brennmaterial und Kleidern, zur Zahlung von Schulgeld und Anschaffung von Schulbüchern verwendet worden. Außerdem wurden 20 neue Volksküchen eingerichtet; die im vorigen Jahr eröffnete erste Volksküche, für die ein Frankfurter Komitee 6000 Mark gespendet hatte, hat täglich 600 bis 700 Personen unentgeltlich gespeist. Die Volksküche im jüdischen Altenheim giebt, seitdem sie von der Alliance unterstützt wird, täglich gegen 500 Personen freies Mittagsessen, während sie bei ihrer Begründung vor fünf Jahren nur für 20 Personen eingerichtet war. Das Frankfurter Komitee hat große Kisten mit alten Kleidern nach Jassy und Galatz geschickt, die dort mit großer Freude angenommen wurden. Trotz dieser reichen Gaben haben kaum 20 Prozent der dringendsten augenblicklichen Bedürfnisse befriedigt werden können. Die Neigung zur Auswanderung hält immer noch an, und 150 bis 200 Juden verlassen jeden Monat Rumänien. Ein Teil von ihnen erhält in Wien, in Cöln, in Frankfurt und Hamburg Unterstützung zur Weiterreise. Man hofft allgemein, daß im Frühjahr eine ausgiebigere Auswanderung in ernster Weise mit Hilfe auswärtiger Komitees organisiert werden kann. Die nach Amerika ausgewanderten Rumänien schicken befriedigende Nachrichten, auch anderwärts haben die Auswanderer sich gut eingelebt. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Frau Dr. Moritz Levin, Gemahlin des Predigers des Berliner Reformvereins, eine vortreffliche Frau, ist in vergangener Woche gestorben. — An den großherzoglichen Landrabbiner Dr. Loevy in Birkenfeld ist für Uebersendung seiner Denkschrift „Zwei Jahrhunderte unter dem schwarzen Adler" aus dem kaiserlichen Civilkabinet ein anerkennendes Dankschreiben gelangt. — Dr. Simon Unger ist zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Ofen gewählt worden. — Der russische Bildhauer Leopold S. Bernstein ist zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt worden. — Die Hauptral/biner der deutschen und der portugiesischen jüdischen Gemeinde im H aa^ haben zur Vermählung der Königin Wilhelmina offizielle Einladungen erhalten. — In Sydney in Australien ist der frühere