Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 5 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 78 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 78. Israelitische Wochenschrift. Nr. 6. über 3 Monate ausgedehnt werden; Zuwiderhandlungen werden als Verbrechen bestraft. Ein Spezialregister wird für diese Reisenden geführt, Ankunfts- und Abreisetag müssen gebucht werden. Diese Chikanen sollen insofern noch rückwirkende Kraft haben, daß einige Verwaltungsbeamte in Jerusalem zur Verantwortung gezogen worden sind, weil sie vor der Bekanntgebung dieses Gesetzes verschiedenen Juden die Erlaubnis zur Niederlassung in Syrien gegeben und zu viele Ausenthaltsscheine ausgestellt haben. Die türkische, besonders die offizielle Presse, bringt jetzt bei jeder Gelegenheit unfreundliche Artikel über die Juden. Was sagen die Führer der Zionistenbewegung dazu? Sind sie nicht vor der zivilisierten Welt für alles Mißgeschick verantwortlich, das sie uns durch ihre Unbedachtsamkeit zugesügt haben und noch zusügen werden? Für uns Juden in der Türkei haben sie eine große Kalamität heraufbeschworen. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Die nächste Versammlung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" findet Samstag, den 2. Februar, abends 8V2 Uhr, im Vereinslokal, Königstraße 29, statt. Tagesordnung: Fortsetzung der Diskussion über den Vortrag des Herrn Golde: „Die Sozialpädagogik und ihre Anwendung auf den jüdischen Religionsunterricht." Gäste herzlich willkommen. — Im Architektenhaus in Berlin hat unter dem Vorsitz der Herren Abg. Rickert und Archivrat Dr. Winter eine Sitzung des erweiterten Vorstands des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus stattgesunden, zu der auch mehrere der Unterzeichner des Aufrufs zur Gründung des Vereins eingeladen waren, darunter die Herren Abgg. Geh. Sanitätsrat Dr. Endemann, Geheimrat Professor Dr. Wilh. Förster, Dr. Hammacher, Prediger Schmeidler und die Abgg. Dr. Barth, Broemel, Dr. Pachnicke, Rösicke-Dessau, Schräder rc. Außerdem waren auf besondere Einladung erschienen mehrere bekannte Theologen verschiedener kirchlicher Richtungen. Nach dem einleitenden Bericht und Vortrag des Vorsitzenden, der insbesondere auch die an den Konitzer Mord sich anknüpfende Agitation beleuchtete, sprach auf besonderes Ersuchen Professor I). Strack über den „Ritualmord". Demnächst beleuchtete Prediger Schmeidler vom Standpunkt des Christen die antisemitische Agitation und forderte die Versammlung aus, in dem Kampf gegen diese unchristliche Bewegung auszuharren. An der weiteren Diskussion, die eine Uebereinstimmung über die hauptsächlichsten Gesichtspunkte ergab, beteiligten sich Sanitätsrat Dr. Neumann, Abg Geh. Sanitätsrat Dr. Endemann, der u. A. über den Rückgang des Antisemitismus in seiner hessischen Heimat berichtete, Abg. Dr. Th. Barth, Geh. Baurat Benoit, Dr. Paul Nathan, Dr. Heinrich Meycr-Cohn, der frühere Abg. Louis Jordan, Archivrat Dr. Georg Winter - Stettin, Senator Fischer - Hannover, Heß - Hildesheim, S. Salinger - Berlin u. a. m. — Am Donnerstag (31. Januar) abends hat die ordentliche Generalversammlung des Berliner Vereins für Stellenvermittelung und Versicherung gegen Stellenlosigkeit Schomre Schabbos stattgefunden, in der der Jahresbericht erstattet wurde. Vorsitzender des Vorstands dieses verdienstlichen Vereins ist Herr Moritz Merzbach, Behrenstraße 33. — Die Jacob Israel-Stiftung, Pensionskasse für die Angestellten der Firma N. Israel in Berlin und für deren Witwen und Waisen, hielt am Dienstag ihre ordentliche General-Versammlung ab. Der Vorsitzende berichtete, daß das Stammkapital von 250 000 Mk. in den seit der Gründung verflossenen 5 Jahren um 238 725,54 Mk. gewachsen ist, also 488 725,54 Mk. beträgt. Die Mitgliederzahl hat sich seit dem Bestehen der Kasse verdoppelt und 1 bereits die Zahl 425 erreicht. In der letzten Zeit ist die Pensionskasse von versicherungstechnischer Seite auf ihre Lebensfähigkeit geprüft und als auf durchaus gesunder Grundlage arbeitend befunden worden. Bei dem regen Interesse, das die Chefs der Firma N. Israel für diese Stiftung haben, und der stetig zunehmenden Anzahl der Angestellten der Firma ist die begründete Hoffnung > vorhanden, daß die Pensionskasse sich in demselben Maße weiter entwickelt und einst den Angestellten die Segnungen zu teil werden lassen kann, wie sie von den Stiftern geplant waren. — In Breslau ist Justizrat Dr. Jacob Levy im Alter von 63 Jahren gestorben. — Der Geh. Sanitätsrat Dr. Wilhelm Fränkel in Neustadt O.-S., der durch ein halbes Jahrhundert sich dem Wohl der Gemeinde gewidmet, ist in vergangener Woche gestorben. — Herr Dr. Nobel hat nach kurzem Amtieren aufgegeben, Rabbiner des Adaß-Jisroel-Vereins in Königsberg i. Pr. zu sein. — Der russische Senat hat kürzlich die wichtige Entscheidung getroffen, daß jüdische Handwerker zur Errichtung einer Werkstatt keiner besonderen ortspolizeilichen Genehmigung bedürfen. — In der Kolonie Rischon le Zion ist infolge neuer durch den eben ernannten Direktor Pariente eingeführten Maßregelnein Strike der in den Weinkellern beschäftigten Arbeiter ausgebrochen. — Dr. Walter Myers, der Sohn einer der ersten jüdischen Familien in Birmingham, ist auf einer zur Erforschung der Ursachen des gelben Fiebers unternommenen Studienreise in Para (Brasilien) am gelben Fieber gestorben. — Rabbi Joseph Bensinior ist zum Oberrabbiner seiner Vaterstadt Smyrna gewählt worden, nachdem er bis vor zwei Jahren Obberrabbiner der sephardischen Gemeinde in Bukarest gewesen. Der neue Grandrabbin von Smyrna, ein großer Talmudgelehrter, ist Ritter mehrerer hoher türkischer und rumänischer Orden. Vakanzen. Osterode, Ostpr. K., Balk., Balt., Sch., 1200 M Geh., 100 M. gar. Nebeneink. Meld. an S. Jacoby. — Messingwerk bei Eberswalde, Poststation Heegermühle. Lehrer und Sch. (orthod., ledig), 1000 M. Eink. und fr. Station. Meld. an S. Rofenblüth. — Markelsheim bei Mergentheim, Württemberg. Sem. geb. Lehrer, K., Sch., 800 M. Geh., fr. W., 3—400 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Villmar a. Lahn. Rel.-L., K., Sch., 750 M. Geh., 250 M. Nebeneink. Meld. an H. Cron. — Kirrweiler, Rheinpfalz. Rel.-L., K., Sch., 600 M. Geh., fr. W., 150 M. Nebeneink. Meld. an Moses Rubel. — Osterode a. Harz. R.-L., K., Sch., 1200 M. Eink., fr. W. Meld. an Marcus Heilbrunn. — Eydtkuhnen, Ostpr. Sch., Hilfsk., Balk., 1600-1800 M. Eink. Meld. an Lewin Berlowitz. — Schwerfens. K. und Sch., 1600 M. Geh., fr. W. Meld. an Vorst. — Zoll a. Mosel. Lehrer, Vorb., Sch., 300 M. Geh. und fr. Station. Meld. an R. Bender. — Waldenburg, W.-Pr. Rel.-L., K., Sch., 1350 M. Geh. Meld. an Leop. Salinger. — Staßfurt. K. u. Sch., 1200 M. Geh. Meld. an Herm. Kraft. — Kirchberg, Hunsrück. Sem. geb. Rel.-L., K, Sch., 600 M. Geh., fr. W. und Heiz., 300-400 M. Nebeneink. Meld. an David Israel. Feuilleton. Dtt Stellvertreter. Nach einem amerikanischen Motiv frei bearbeitet von Rektor F. Saphra, Annaberg. (Fortsetzung.) Nachdruck verboten. Mit leiser, unsicherer Stimme erfolgte die Verlesung des Textes Sephanja Kap. 4, V. 6 „Und er antwortete mir und