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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1901-01-25 · 4 (25.1.1901) · p. Seite 59

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
Seite 59 (sequence 24)
Language
German
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Nr. 4. Israelitische Wochenschrift. Seite 69. gethanen Aeußerungen nicht einging, legte dar, was eigentlich der „Judentag" sein solle, klärte die Mißverstädnisse auf, die durch den Namen des Judentags veranlaßt waren, betonte die Unmöglichkeit der Resolutionssorderung und empfahl deren Abänderung in nachstehende Fassung: „Die heute in Dräsels Festsaal tagende, von mehr als 600 Juden besuchte Versammlung erklärt die Einrichtung eines allgemeinen Deutschen Judentags für dringend wünschenswert. Des Deutschen Judentags Aufgabe soll es sein, unsere bedrohten staatsbürgerlichen Rechte zu wahren, zur Neubelebung des Zusammengehörigkeitsgefühls und zur Hebung des berechtigten Selbstbewußtseins der Juden beizutragen. Die Versammlung erwartet, daß die Berufung der Delegierten in einer Weise erfolgt, die den Deutschen Judentag zu einer wirklichen Vertretung der deutschen Judenheit macht." Der Vorstand der Zionistischen Vereinigung erklärte sich mit diesem Vorschlag einverstanden, und die Versammlung pflichtete dem mit allen gegen 12 Stimmen bei. Tie „Vereine Jüdischer Studenten" an deutschen Universitäten, die sich auf ihrem ersten Bundestag am 14. bis 17. Januar d. I. zum „Bund Jüdischer Korporationen" zusammengeschlossen, haben in der Frage des Judentags folgende Resolution gefaßt: „Wir begrüßen den Gedanken eines deutschen Judentags freudig; wir erblicken in ihm einen Akt der Selbsthilfe, den Anfang einer Organisation, die der Zersplitterung innerhalb der deutschen Judenheit ein Ende macht und beist, die Wahrung unserer Rechte in die Hand zu nehmen. An diesem Werk mitzuarbeiten, halten wir für die Ehrenpflicht eines jeden deutschen Juden". Berlin, 22. Januar. (Jüdisches Heimathaus.) Die Tageszeitungen schreiben: „Die Errichtung eines jüdischen Heimathauses in Berlin soll demnächst vorgenommen werden. Das neue Unternehmen stellt sich als eine ähnliche Einrichtung tdar, wie sie von landsmannschaftlichen Verbänden zum Schutz ^mrelloser Angehöriger geschaffen worden ist. Das jüdische Meimathaus, dessen Förderung sich die Zionisten besonders Ungelegen sein lassen, soll in erster Linie für die notleidenden LRaubensgenossen offen stehen. Man will den hier durchreisenden »cei^nden Israeliten Wohnung, Nahrung und, soweit möglich, nucch Arbeitsgelegenheit gewähren. Ein Bedürfnis dazu, sich km Fremden anzunehmen, wird allgemein anerkannt." — Die Ranze Erzählung ist erfunden. M Graudenz, 22. Januar. (Rabbinerwahl.) Der Vor- Wrnd und die Repräsentanten haben Herrn Landrabbiner B. Loevy aus Birkenfeld in Oldenburg einstimmig zum Bbbiner gewählt. Dr. Loevy ist 1860 zu Ortelsburg (Oftpr.) ^Roren, besuchte das Gymnasium zu Lyck und widmete sich ^Mder Berliner Universität und in der dortigen Lehranstalt ^^MWiffenschast des Judentums philosophischen, theologischen ^^Mieytalischen Studien. Nachdem er 1884 das Rabbinatshatte, wurde er einstimmig zum Rabbiner ^^^W^lgogen-GemeintWGöttingen gewählt, wo er bis 1890 Seitdem wirkt er als Landrabbiner in Birkenseld. Loevy ist auch literarisch thätig gewesen; er ist zum ^^^^Rder Verfasser (Pseudonym Fritz Werner), der poe- „Zweihundert Jahre unterm schwarzen Adler", die am 18. Januar in mehr als 200 Schulen Preußens (auch in der Graudenzer Oberrealschule) ausgeführt worden ist. Beuthen, O.-S.,22.Januar. (Verband der Rabbiner Oberschlesiens.) Am 13. d. M. fand hier im „Deutschen Haus" eine Versammlung des Verbandes der Rabbiner Oberschlesiens statt. Der Vorsitzende, Dr. Cohn-Kattowitz, teilte unter Anderem mit, daß in einer oberschlesischen Gemeinde in einer zwischen dem Vorstand und einem Kultusbeamten entstandenen Streitsache die Vermittlung des oberschlesischen Gemeindebunds und des oberschlesischen Rabbinerverbands angerufen und auch ein Vergleich erzielt worden sei. Die Generalversammlung des oberschlesischen Gemeindebunds habe für die seitens des Rabbinerverbands beantragte rituelle Verköstigung der jüdischen Sträflinge am Pessachsest in Gr. Strehlitz und Ratibor die Summe von 200 Mark bewilligt. Nach Verlesung des Kassenberichts und Erteilung der Decharge erfolgte eine eingehende Behandlung der bereits in früheren Versammlungen besprochenen Revision des Religionsunterrichts in den rabbinerlosen Gemeinden. Dr. Cohn giebt an Hand der eingelausenen Schriftstücke eine eingehende Darlegung der Sachlage. Die Verhandlungen zwischen dem oberschlesischen Rabbinerverband und Gemeindebund sind soweit gediehen, daß an die betreffenden Gemeinden ein von Rabbiner Dr. Cohn- Kattowitz und Amtsgerichtsrat Glogauer-Tarnowitz entworfener Fragebogen versandt wurde. Eine große Anzahl von bejahenden Antworten ist bereits eingelaufen. Dementsprechend beschließt die Versamnilung dem oberschlesischen Gemeindebund Mitteilung zu machen, daß die Verbandsrabbiner die Revision und Inspektion in den rabbinerlosen Gemeinden in der nächsten Zeit in Angriff nehmen würden. In dem Schema der Zuteilung der einzelnen Gemeinden an die betreffenden Rabbiner wurden auf Wunsch mehrerer Kollegen noch einige Aenderungen vorgenommen. Die schon längst angestrebte und gewünschte Inspektion des Religionsunterrichts und der religiösen Institutionen, sowie die Abhaltung von Wanderpredigten in den rabbinerlosen Gemeinden ist hiernach ihrem Ziel nahegerückt. Wegen vorgeschrittener Zeit mußten einige Punkte von der Tagesordnung abgesetzt werden. Es wurde der Antrag angenommen, die künftigen Sitzungen in möglichst leicht zu erreichenden Städten abzuhalten, und in möglichst frühe Morgenstunden anzusetzen, damit thunlichst alle Punkte der Tagesordnung zur Erledigung gelangen können. ' Jnowrazlaw, 20. Januar. (Der Synagogenbau.) Vorstand und Repräsentanz haben schon seit langer Zeit — getrennt und gemeinsam — Beratungen über den Bau einer neuen Synagoge gepflogen, auch 500 Mark für Vorarbeiten bewilligt; doch will die Angelegenheit nicht von der Stelle kommen. Die Wünsche gehen eben nicht alle in einer Richtung, und die Besorgnis, es möchten tiefergehende Meinungsverschiedenheiten hervortreten, ist der Anlaß zu einer hinzögernden Behandlung der Angelegenheit. Daß die vorhandene Synagoge sich in unerfreulichem Zustand befindet, ist offenbar. Die dünnen Wände geben vor Wind und Wetter kaum Schutz, die kleinen bleigefaßten Scheiben wehren den Frost nicht ab, bei kalter Witterung decken Eis und Reis die inneren Flächen, bei eintretendem Thauwetter rinnt das Wasser an den Wänden herunter, die Lust ist dumpf und stockig. Der Aus-

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