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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 1. (1901) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 1. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 noch drei Sonette; ans dem zweiten ,,An die hebräische Sprache‘‘ sei eine Zeile hier angeführt; So hold, wie einst, dein Lied voll Kraft und Weiche. Möge die deutsche Sprache das Sonett an die hebräische, und der Verfasser des Originals der Uebersetzerin dieser fünf hebräischen Gedichte verzeihen. Die Uebersetzerin ist übrigens so bescheiden, . ihre Arbeit nur einfach ,,Uebertragungen“ zu nennen; im Inhaltsverzeichniss wird ohne ihr Verschulden daraus: ״Poetische Uebertragungen“. Die Leiter des Verbandes hätten —diese Ueberzeugung drängt sich jedem unparteiischen Sachkundigen auf — besser gethan, wenn sie in den jüdischen Fachblättern um litterarische Beiträge zum ,,Gedenkbuch“ aufgefordert hätten, anstatt die Mitarbeiter nach Gutdünken zu ״berufen“ Die Beiträge waren einzig und allein auf ihren wissenschaftlichen Werth (selbstverständlich ohne Rücksicht auf die religiöse Richtung der Ein sender)zu prüfen und danach anszuwählen. Dasselbe Verfahren wäre auch bei der Sammlung der Beiträge zum ״Jahrbuch für jüdische Geschichte und Litteratur“ einzuschlagen. Rechtzeitige öffentliche Ausschreibung mit Angabe des Termins zur Einlieferung der Manuskripte ist der gewiesene Weg, den auch die Leiter des ehemaligen ״Instituts zur Förderung der jüdischen Litteratur“ stets mit Erfolg beschritten hatten. Nach diesen wmhlgemeinten Rathschlägen lassen wir nunmehr die oben erwähnte Besprechung des Bloch’schen Beitrages — von Herrn Rabb. Dr. Seligkowitz in Cöthen — folgen: Unter den verschiedenen Beiträgen im Gedenkbuch zum hundertsten Geburtstage Luzzatto’s erweckt die Arbeit: ״Luzzatto als Religionsphilosoph“ von Dr. Philipp Bloch am meisten Interesse, und dies schon aus dem Grunde, weil man von jeher gewohnt ist, mit dem Namen Luzzatto lediglich den Exegeten, Grammatiker, Theologen und Dichter zu verbinden, während sehr wenige in ihm auch den Religionsphilosophen vermuthen. Indessen dürfte der Titel der Arbeit doch etwas befremden. Luzzatto ist kein Religionsphilosoph kat’ exochen, der das Gebiet der jüdischen Glaubenslehre, so z. B. den philosophischen Gottesbegriff, die Lehre von den Attributen Gottes, Auferstehungslehre u. s. w. ergriffen und philosophisch darzustellen versucht hätte. — Im Gegentheil, Luzzatto tritt als heftiger Gegner des maimonidischen Intellectualismus auf, und indem er mehr von zartem dichterischen Empfinden als von energischem Denken durchdrungen ist, ist er Feind jeder religionsphilosophischen Spekulation. Das Judenthum ist nach ihm kein theoretisches System, um von ihm aus über irgend ein Gebiet wissenschaftliche Belehrung zu verbreiten, oder spekulative Wahrheiten zu fördern, sondern es ist eine Lehre, eine Unterweisung, um den Menschen zu sittlicher Veredelung zu leiten. Indem Luzzatto an Mendelssohn anknüpft, und wie dieser das Wesen des Judenthums nicht 1m Glauben, sondern im Thun findet, sucht er vielmehr das Wesen des Judenthums nach der ethischen Seite hin zu eruiren. Der ethische Idealzustand der Menschen und der Welt ist nach ihm Ziel und Aufgabe der jüdischen Lehre. Luzzatto’s Erörterungen über die jüdische Religion sind demnach, nicht wie der Titel der Arbeit verspricht, religio nsphilosophischer, sondern ethischer Natur. Ein kleiner Irrthum dürfte ferner dem Verf. unterlaufen sein, dass er nach Mendelssohn keinen anderen religionsphilosophischen Nachfolger der Neuzeit findet als Luzzatto, während es doch gerade der Dichterphilosoph Steinheim war, der den Kardinalpunkt des Judenthums darin getroffen hatte, indem er die Grundlehren des Judenthums über die Vernunft erhob und so dem flachen Rationalismus ein Ende machte. Steinheim will sich durchaus nicht damit beruhigen, dass die Grundlehren des Judenthum» vernünftig seien; dies wäre für die Religion ein sehr schlechtes Kompliment. Kant hatte ja die Ohnmacht der Vernunft deutlich bewiesen und in seinen Antinomien gezeigt, dass sie nicht im Stande ist, aus sich selbst unerschütterliche metaphysische Wahrheiten zu erzeugen. Das Wesen des Judenthums im Unterschiede von dem Heidenthum bestehe eben darin, dass seine Grundlehren, wie die Lehre von der Persönlichkeit Gottes, der nicht mit der Natur Zusammenfalle, die Lehre von der Schöpfung aus Nichts, die Lehre von der menschlichen Freiheit und Verantwortlichkeit, die Lehre von der Unsterblichkeit von Gott geoffenbart worden. Diese Wahrheiten seien, wenn auch ־־der Vernunft als ein Fremdes hinzugekommen, doch der Vernunft einleuchtend. Mit dein Verfasser stimmen wir vollkommen überein, dass Luzzatto, indem er alle religionsphilosophische Spekulation, alle intellektuellen Werthe aus seinen Erörterungen ansschaltet, damit in die Einseitigkeit verfällt, die Religion lediglich zu einer Hilfskonstruktion der Moral zu betrachten. Exegetische Notiz. In Nehemja 5,2 wird für רבים von vielen älteren und neueren Exegeten ערבים — wie in Vers 3 — gelesen. Aber dass jüdische Eltern in einer Hungersnoth ihre Kinder verpfändeten, erscheint doch ganz undenkbar; darum möchte ich vorschlagen, lieber רעבים zu lesen: ״Unsere Söhne und Töchter — wir hungern (allesanimt)“. S. F. iii Ch. ES Litterarische Anzeigen. Im Verlage von F. A. Lattmann in Goslar (auch Leipzig und Berlin) erschien soeben: Gesänge von Börries, Freiherr von Münchhausen mit Zeichnungen und Buchschmuck von E. M. Lilien. Preis 8 Mark. Ferner erschienen: Der iudentag. Von Dr. Kahn. 25 Pf .bei JeanTrap p in B o n n, Stiftsgasse 19. * UeberdieErlösung des Judenthums. Von Gustav Lichtenstein, Berlin, Kurfürstenstr. 50. No. 1 und 2 des Jüd. Litteraturblatts J ahrg. 1875 wird zu kaufen gesucht. Offerten werden an die Red. d. Bl. erbeten. Briefkasten der Redaktion. Hrn. L. C. in B. Ihre Datum-Berichtigung ist durch die Druckfehler-Berichtigung in vor. N1*. erledigt. — Herrn H. K. in S. Ihr ״Offener Brief“ eignet sich nicht zum Abdruck. In Nr. 12 S. 94a Z. 23 v. o. ist בעת und Z. 15 v. 11. 5612 16. Jänner 1852 (st. 5622) zu lesen. Inhalt der No. 1. Wissenschaftliche Aufsätze: Das Gewissen in der Bibel. Von Rabb. Dr. Seligkowitz. — Die Regieruugszeit der Königin Salome Alexandra etc. (Schluss). Von Rabb. Dr. I. Deutsch. — Kritik und Tradition IX. Von Kirchenrath Dr. Krön er. Litteratur-Bericht: Samuel David Luzzatto, Gedenkbuch. Besprochen von Dr. M. Rahmer und Dr. Seligkowitz. — Exegetische Notiz. Litterarische Anzeigen. Briefkasten der Redaktion. — Berichtigung. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Ralimer, Magdeburg- Druck von Leistner & Drewfs, Magdeburg. L

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