Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 1. (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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- Malbim 1× ep/1002711
- Rashi 1× ep/1002670
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6 in späterer Zeit, als die Sadducäer wieder das Staatsrnder in Händen hatten, das pharisäische Princip — wie Josephns versichert*) — dennoch zur Geltung kam, wenn auch wider den Willen der Macht habenden Sadducäer, so war dies in erster Instanz sicherlich der energischen Wirksamkeit der beiden Synhedrialhäupter Simon ben Schetach und Juda ben Tabbai zu danken. Das jüdische Yolk hatte es eigentlich am schmerzlichsten zu beklagen, dass die Regierungs- ה רז יה zeit seiner edlen Königin nicht länger als neun Jahre, andauerte. Salome Alexandra erkrankte schwer, um von dieser Krankheit nicht mehr zu genesen. Aber sie hatte die Augen noch nicht geschlossen, als ihr entarteter Sohn Aristobul bereits in voller Waffenrüstung da stand, weil er befürchtete, sein älterer Bruder Hyrkan, schon seit Jahren im Besitze der Hohenpriesterwürde, werde sich am Ende auch die Königskrone auf’s Haupt setzen. Alexandra starb und mit ihrem Tode erblich auch der glanzvolle Glückesstern des jüdischen Volkes, um ihm nie wieder aufzugehen. Herrschsüchtige Briidei; signalisiren blutige, nicht enden wollende Bürgerkriege. Heillose Verwirrungen im Inneren des Reiches zehren die Kraft des Landes auf und bringen den Staat unaufhaltsam mit jedem Tage dem Rande des jähen Verderbens näher. Unberechtigte und fremde Eindringlinge mischen sich in die judäischen Angelegenheiten und beuten dieselben mit raffinirter Schlauheit und egoistischer Engherzigkeit zu ihrem unsauberen Vortheile aus. Zwar wahrt sich das judäische Land noch eine Zeit lang eine ephemere, politische Scheinselbständigkeit. Will man aber der Wahrheit die Ehre geben, so muss man bekennen, dass eigentlich zugleich mit dem Leich- רז רז י name der judäischen Königin Salome Alexandra auch die politische Unabhängigkeit ihres Reiches zu Grabe getragen wurde. Seit Pompejus mit den römischen Legionen den judäischen Boden betreten, lastet der Fluch grenzenloser Sclimacli auf dem unglücklichen jüdischen Reiche. Der Feuerstoff, welcher später das jüdische Land, die jüdische Stadt, den jüdischen Tempel in Schutt und Asche legen sollte, sammelte sich schon unmittelbar nach dem Tode der judäischen Königin Alexandra an und nahm von da ab mit jedem Tage nur grössere Dimensionen an. Unter den verrätlierischen Umarmungen der Idumäer und unter den raubgierigen Krallen des eroberungs- und geldsüchtigen römischen Adlers wurde das judäische Land eine langsame, aber um so gewissere Beute des Auslandes. Kritik und Tradition. Von Kirchenratli I) r. Th. Krön er in Stuttgart. IX. Jesajah, Kapitel 1. Vers 13, לא אוכל. Zweifellos ist hier שאת gedanklich zu suplieren; dass aber deshalb im Texte eine Lücke anzunehmen sei, wie Cheyne will, ist nicht nöthig. Schon Malbim hat in seinem Commentar zu Jesajah auf die ganz ähnliche Stelle in Ps. 101,5 hingewiesen. — Vorher schon S. D. Luzzatto**־). •) Ant. XVIII, 1.. 4. **) Ebenso Genes. 37,4 ״ ולא יכלו (שאת) דברו לשלוםsie konnten sein Ke den zum Frieden nicht ertragen“ (cfr. Luzzatto z. St.) — Kd. און ועצרה. Das ist eigentlich die grösste Schmerzensstelle der Kritik. Nach massoretischer Lesung ist hier zweifellos der Gedankengang des Propheten von dem verwerflichen Widerspruch zwischen ,,unsittlicher Gewalttliat“ und ,,gottesdienstlicher Gemeindefeier“ am kürzesten und knappsten ausgedrückt. Das aber anzuerkennen wäre ja eine volle Beschämung für die Ansicht, dass der Prophet eben Gegner jedes Gottesdienstes, jedes Cultus, selbst des feierlichsten und ergreifendsten ist. Dazu kommt, dass die Septuaginta vyjaxetav liest, das nicht für און stehen kann, wohl aber auf צום passt. Dass צום und עצרה parallel gebraucht werden, bezeugt Joel 1,14 und 2,15. So hatte man eine Handhabe statt der massoretisclien Lesart die griechische der Septuaginta zu setzen und damit war viel gewonnen. Denn so gelesen konnte der Text ganz gut' so verstanden werden: ,,Ich mag selbst euren Jom Kippur, euren Festtag nicht, obwohl ihr an demselben צום ein Fasten, und עצרה ein grosses Versammeln oder auch »ein Entsagen« als Festesfeier habt“. Selbst Grätz hielt die Septuaginta• Lesart für die bessere. Und doch liegt gar kein Grund vor, liier diese Lesart der massoretisclien vorzuziehen. Denn die letztere hat ja einen ganz verständlichen und sehr bedeutsamen Sinn. Ein Opfer, das ohne aufrichtige Gottergebenheit gebracht wird,׳ ist ein לשוא sein קטרת eine תועבה. Und selbst die in dem Zusammenkommen einer grossen Volksmenge dargebrachte Huldigung Gottes, sowohl an den Neumondsfesten wie an den Sabbathen? selbst in Verbindung mit Wort, Vortrag, Gesang, selbst diese ist Gott widerlich, wenn sie unter Thaten und Zuständen erfolgt, welche ein און, eine Vergewaltigung, eine schwere Verschuldung in sich tragen. So hat es das Targum auch deutlich erklärt, so haben es von Raschi an alle jüdischen Erklärer verstanden, die frei von der Tendenz waren, die jüdischen Festtage mit ihrem Cultus und ihrer Liturgie werthlos zu machen. Aber die Kritik hat ein און an .der jüdischen עצרה verübt und mit Absicht, um damit einen so Vertrauenswürdigen Zeugen wie Jesajah für die häretische und traditionsfeindliche Lehre von der Werthlosigkeit der in der Thora angeordneten Feste zu gewinnen. Aber als wenn der Prophet das Missverstehen wollen seiner Worte geahnt hätte, fügte er (Vers 14) gleich hinzu: ,,Eure Neumonde und eure Feste hasst meine Seele“, also wohl verstanden, nicht meine, wie Drechsler hervorhebt, nicht die von mir in der Thora angeordneten, nicht schlechthin jeden Neumond, jedes Fest, sondern eben nur die, welche von so sittlich verderbten Dienern gefeiert werden, die Blut an ihren Händen haben. Es ist merkwürdig, dass nicht ein Kritiker die Richtigkeit dieser Lesart des Verses 14 bezweifelt, so folgerichtig auch ein solcher Zweifel gewesen wäre. Vers 15. Hinter ובפרשכם בפיכם will Grätz אלי ein schalten; doch weder Rythmus noch Logik noch Sprachgebrauch fordern dies. Denn 2. Chron. 6,12 heisst es auch ויעמד לפני מזבח ה׳ נגד כל קהל ישראל ויפרש כפיו, ohne dass wie in Vers 13 השמימה, oder wie 1. Könige 8,22 השמים, oder wie an anderen Stellen. אל ה׳ darauf folgt. (Fortsetzung folgt.)