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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 1. (1901) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 1. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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von Simon ben" Jochai aussagt, — Auch das Megillath Thaanith weiss eine Menge pharisäischer Gedenk- und Freudentage namhaft zu machen, die jedenfalls der Wirksamkeit Simon ben Schetach’s und Juda ben Tabbai’s ihre Entstehung verdankten. Selbst Josephus kann nicht umhin, uns (Ant. XIII, 16, 2) zu erzählen, Alexandra habe auf den Rath der Pharisäer alle sadducäisclien Einrichtungen, die sich noch aus den Tagen ihres Schwiegervaters Johann Hyrkan herschrieben, abgeschafft. Sicherlich meint Josephus, dass das pharisäische Princip damals absolut zur Geltung kam, und da er die Rabbilien geflissentlich ignorirt, sagt er in seiner Weise, Alexandra habe die pharisäischen Einrichtungen, welche Johann Hyrkan abgeschafft hatte, wieder eingeführt. Unter dem Einflüsse unserer beiden Synhedrialobersten entstand sicherlich gleich in der ersten Zeit ihrer gemeinsamen Wirksamkeit der pharisäische Gedenk- und Freuden tag, welchen unsere Quelle unter dem Datum des 14. Tarnmus anführt. An diesem Tage — heisst es — sei der sadducäische Strafcodex abgeschafft worden*). Das Scholion erklärt diesen Tag unbedingt richtig dahin, die Sadducäer hätten einen eigenen, geschriebenen Strafcodex gehabt, Am 14. Tarnmus sei es gelungen, diesen sadducäischen Codex, welcher doppelt gegen die pharisäische Anschauungsweise verstiess, abzuschaffen. Zunächst vertrug es sich schon nicht mit der Ansicht der Pharisäer, traditionelle Bestimmungen, welche nur mündlich fortgepflanzt werden sollten, schriftlich aufzuzeichnen. Sodann nahmen aber die Pharisäer auch an dem Inhalte dieses Codex Anstoss, weil die daselbst niedergelegten Traditionen durchaus nicht im pharisäischen Geiste ausgebildet waren, sie vielmehr durch buchstäbliche Auffassung vieler pentateuchischer Gebote eine rigorose Strenge bekundeten, welche mit der bekannten pharisäischen Milde keineswegs vereinbar war. — Höchst wahrscheinlieh verdanken auch die Gedenktage, welche unsere Quelle in die Tage vom ersten bis achten Nissan und vom achten Tage dieses Monats bis zum Ende des Pessachfestes verlegen, dieser Zeit ihre Entstehung. Diese Tage waren für die Pharisäer deshalb so Avichtig, weil an ihnen zwei Streitpunkte zwischen Sadducäern und Pharisäern zu Gunsten der Letzteren ihre Erledigung fanden. ,,Vom ersten bis zum achten Nissan — melden unsere Quellen**) — ist öffentliche Trauer verboten, weil in diesen Tagen das beständige Gemeindeopfer in pharisäischem Sinne wieder eingeführt wurde“. Nach der pharisäischen Ansicht hatten die Gemeindeopfer nämlich einen nationalen Charakter. Deshalb bestanden die Pharisäer darauf, von allen Israeliten behufs der Darbringung der Gemeindeopfer Beiträge zu erheben. Die Sadducäer dagegen läugneten den nationalen Charakter dieser Opfer. Deshalb genügte es nach ihrer Ansicht, wenn einzelne Opferwillige für die Gemeindeopfer Sorge trugen. Als hier das pharisäische Princip vermuthlich in den Tagen Juda ben Tabbai’s und Simon ben Schetach’s zur Geltung kam, wurden die Opferbeiträge in bestimmt fixirten ף Megüiath Thaanith c. 1Y בארבעה עשר בתמוז עדא ספר .גדרתא ד• Megüiath Thaanith c. 1,1 מן ריש ירחא דניסן ועד תמניא ביה איתוקם תמידא דלא למספד Babii Thaanith m>, Menaehoth 05 a. Terminen eingetrieben. Diese Beiträge flössen so reichlieh zusammen, dass sie nicht nur zur Deckung der Kosten für die Gemeindeopfer, sondern auch zur Besoldung der die jungen Priester im Opferritual unterrichtenden Lehrer, der die Opferthiere untersuchenden Thierärzte, der kundigen Verfertiger der Schaubrote, des Obertribunals zur Entscheidung ausserordentlicher Rechtsfälle ausreichten. Gleichwohl konnte noch ausserdem ein Tempelschatz angelegt werden, welcher bald zu einer solchen Höhe anwuchs, dass er mehr als einmal die Habgier römischer Procuratoren reizte. — Den zweiten, gleichfalls in den Monat Nissan fallenden Gedenktag auch auf die Regierungszeit der Salome Alexandra zu übertragen, ist man eigentlich weniger berechtigt. Wenigstens verlegen unsere Quellen ihn erst in die Zeit des Johanan ben Sakkai. ,,Vom achten Nissan bis zum Ende des Pessachfestes — schreiben unsere Quellen*) vor — ist öffentliche Trauer untersagt, weil in dieser Zeit das Wochenfest nach pharisäischer Ansicht wieder festgestellt wurde. Die Sadducäer, sich ängstlich an den Buchstaben der Schrift haltend, meinten nämlich, das Wochenfest müsse stets auf einen Sonntag fallen. Die Pharisäer dagegen vertraten die offenbar richtige Ansicht, das Wochenfest könne auf jeden beliebigen Tag fallen und es sei, wie die Schrift es ausdrücklich verlangt, 50 Tage nach dem ersten Tage des Pessachfestes zu feiern. — Auch der Gedenktag, den wir nun zu registriren gedenken, Avird von unserer Quelle erst in die Tage Johanan ben Sakkai’s verlegt. Jedoch berechtigt die ganze Constellation der Verhältnisse unter der Regierung der Königin Salome Alexandra uns mit einem hohen Grade von Wahrscheinlichkeit, auch diesen Gedenktag schon unter Simon ben Sclietacli und Juda ben Tabbai ein treten zu lassen. ״Am 27. Marcheschwan — berichtet unsere Quelle**)—fing man wieder an, das Mehlopfer auf dem Altäre darzubringen.“ Es betrifft dies Avieder eine Differenz zwischen Sadducäern und Pharisäern. Die Sadducäer waren nämlich der Ansicht, dass die den blutigen Opfern beigegebenen Mehlopfer, als den Priestern angehörig, von denselben zu verzehren seien, während die Pharisäer die Mehlopfer, als dem Altäre gehörig erachteten, und demgemäss diese Opfer nicht von den Priestern verzehren Hessen, sondern dieselben auf dem Altäre verbrannt Avissen wollten. — Wir wollen schliesslich nicht uneiuvähnt lassen, dass in jener Zeit auch der siebzehnte Adar zum freudigen Gedenktage erhoben wurde, weil der Rest der Sopherim, welche wegen der Pharisäerhetzen unter Alexander Jannai hatten flüchten müssen, an jenem Tage den ihnen von den Heiden bereiteten Gefahren entronnen Avaren***). So wurde denn in der Regierungszeit der Königin Salome Alexandra unter der Aegide der beiden Männer Simon ben Schetascli und Juda ben Tabbai dem pharisäischen Principe nach den verschiedensten Richtungen hin zum endgültigen Siege verholten. Und wenn selbst *). Megiiiath Thaanith c. 1,2. מתמגא ביה וצד סור מועדא איה והב הנא דשבועיא דלא למספד babii Thaanith 17 b. Menaclioth 66a. *ד Megiiiath Thaanith c. viii, 3. בעשרים ושבעה ביה תבת סולתא למיסק על מדבחא. ף** Megiiiath Thaanith c. XII, 6.

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