Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 51 (22.12.1899)
- Date
- 1899-12-22
- Page
- Seite 813 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 61. Israelitische Wochenschrift. Seite 813. 9153 Rubel. Die große Synagoge ist mit elektrischer Beleuchtung versehen worden. Taschkent, im Dezember. (Ermordung eines jüdischen Advokaten.) Der hiesige Advokat Aaron Smorguner, Herausgeber des „Russkij Turkestan", hat vor einiger Zeit bei Gelegenheit einer gerichtlichen Verteidigung die Grausamkeiten beleuchtet, die eine Anzahl der in Taschkent garnisonierenden Kosaken-Osfiziere sich haben zu Schulden kommen lassen. Der Oberst des betreffenden Kosakenregiments, Staschewski, ließ den Rechtsanwalt zu sich rufen und drohte ihm, ihn zu erschießen, sobald er noch einmal von den Offizieren spreche. Trotz dieser Drohung erschien am nächsten Morgen ein ausführlicher Bericht über diese Angelegenheit im „Russkij Turkestan". Bevor die Zeitung an die Abonnenten verschickt werden konnte, inhibierte der Censor die Ausgabe, schickte aber ein Exemplar des Blattes an Oberst Staschewski. Dieser begab sich in das Gerichtsgebäude, wo er Smorguner traf, und tötete diesen durch einen Revolverschuß. Die Beerdigung des in allen Schichten der Bevölkerung beliebten Advokaten Smorguner gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung. Das Turkestaner Militärgericht verurteilte den verbrecherischen Obersten zu zehnjähriger Verbannung nach Nordsibierien, beschloß aber gleichzeitig ein Gesuch an die Regierung, die zehnjährige Verbannung in zweijährige Festungsstrafe umzuwandeln. Bukarest, 17. Dezember. (Bedrückung der Juden.) Vor Kurzem hat die rumänische Regierung ein neues Mittel gefunden, ihre jüdischen Unterthanen zu bedrücken. Sie hat die Schließung sämtlicher jüdischen Schulen unter dem Vorwand angeordnet, daß in staatlich zugelassenen Schulen an sechs Tagen der Woche unterrichtet werden muß, während die jüdischen Schulen nur an fünf Wochentagen geöffnet sind. Die Behörden wollten mit dieser Maßnahme nicht nur die religiösen Gefühle ihrer jüdischen Bürger verletzen, sondern auch ihre Bestrebungen zur tüchtigen Erziehung der jüdischen Jugend durchkreuzen. Die Rabbiner verschiedener Städte haben gemeinschaftliche Beratungen über die mögliche Abwehr der bösen Folgen dieser Anordnung gepflogen und sind zu dem Entschluß gelangt, die Schulen künftig auch am Samstag geöffnet zu halten und an diesem Tag die Schüler nur in religiösen Disziplinen zu unterrichten. Für den Augenblick hat die Regierung sich mit diesem Ausweg einverstanden erklärt, doch steht zu befürchten, daß sie demnächst verlangen wird, es sollte an den Samstagen in den jüdischen Schulen auch in weltlichen Wissenschaften unterrichtet werden. Konstantinopel, 15. Dezember. (Genehmigung.) Durch kaiserlichen Jrade hat die jüdische Gemeinde in Salonichi die Erlaubnis zur Annahme des ihr von der Baronin Hirsch vermachten Betrages von 200 000 Frs. erhalten. Die Summe soll zu einem nach modernen Erfahrungen einzurtchtenden Hospitalbau verwendet werden. Da der Bauplatz bereits erworben ist, wird alsbald mit dem Bau begonnen werden. Tunis, 10. Dezember. (Schuleröffnung.) Am 3. d. M. ist hier die von der Alliance Jsraelite begründete Handelsschule eröffnet worden. Der Einweihungsfeier wohnte der Generaldirektor für das staatliche Unterrichtswesen, Machuel, bei, der in einer Ansprache die Bestrebungen der Alliance herzlich anerkannte. Die Schulräume sind geräumig, luftig und gut ausgestattet. Die verschiedenen Alliance-Schulen in Tunis werden von insgesamt 2300 Schülern besucht. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Der in Petersburg lebende bekannte Philanthrop Jakob Poliakoff ist vom Kaiser Nikolaus IL mit dem Wladimir-Orden 2. Klasse ausgezeichnet worden. — In Paris starb am 10. d. M. der Chef Ingenieur der West-Eisenbahn Ernest Mayer. Der Verstorben war ein hervorragendes Mitglied der jüdischen Gemeinde und Offizier der Ehrenlegion. — Der junge jüdische Maler Hirschafsky, ein Russe, hat ein realistisches Gemälde „der ewige Jude" vollendet, das jetzt in den russischen Hauptstädten ausgestellt und dann auf die Pariser Ausstellung geschickt wird. Vakanzen. Berlin, Leiter einer Mädchenschule. Meldungen an Vorstand. - Hultschin, O.-Schl. Rel.-L., Vorb., Balk., Sch., 1300 M. Gehalt, 200 M. Nebeneink. Meld. an Moritz Mosler I. — Apolda i. Th. Sem. geb. Lehrer u. Sch. Meld. an Eugen Salinger. — Könitz, Westpr. Zweiter Rel.-L., C., Sch., Balk., Mohel, 2400 M. Geh., 500 M. Nebengabe. Meld. an Vorst. — Freisdorf. Rel.-L, Vorb., Sch., (ledig), 700-800 M. Gehalt. Meld. an Jsaac Benedic. — Groß- und Kleinboxenheim Rel.-L., Vorb., Sch., 600 M. Geh., fr. W. Meld. an Julius Kahn. — Bonn. Kantor der Elem.-Lehrer, der Ex. best., 2700 M. Anfangsgehalt. Meld. an Robert Goldschmidt. — Kattowitz. Hilfspred. und Rabb.-Ass., 2400 M. Geh. Meld. an Vorst. — Lab isch in. Zweiter Lehrer. 1000 M. Geh., fr. W. Meld. an kgl. Regierung in Bromberg, Abth. II. Feuilleton. Der Rabbi von Liegnih. Historische Erzählung aus der Hussitenzeit. Von Dr. A. Sammter. (Fortsetzung.) „Erlauchtester Herzog; Es gilt für mich die Einlösung eines Versprechen, das ich dem Juden Stenzel Meier gegeben, demselben, der sich, wie Ihr wißt, so treu und ehrlich gegen Euch erwiesen. Seit einigen Tagen weilt ein jüdischer Jüngling aus Enns in Oesterreich hier, der beim Rabbiner Zuflucht gefunden. Trotz des Verbotes, das fremden Juden den Aufenthalt in Liegnitz untersagt, hält er sich hier auf, ein schweres Familienleid hat ihn die große Gefahr übersehen lassen, in der er selbst sich innerhalb unsrer Mauern befindet. Unter einer, wie Stenzel Meier eidlich versichert, erlogenen Anklage haben die Dominikaner, Allen voran ein Pater Jgnatus, den Oheim und die Muhme des Jünglings gefangen nach Wien geschleppt, wo ein schlimmes Geschick ihrer wartet. Stenzel Meier bittet nun Eure fürstliche Gnaden durch meinen Mund, Euren Einfluß beim Herzog Albrecht von Oesterreich einzusetzen, daß er den unschuldig Gefangenen die Freiheit wiedergiebt. Euer Wort vermag gar viel beim Oesterreicher". Der Herzog sann eine Weile nach, dann sagte er: „Es soll geschehen, Ritter Heintz, morgen mit dem Frühesten wird mein Scribarius*) dem Herzog schreiben. Ihr wißt, ich ver- *) Hofschreiber. V