Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 51 (22.12.1899)
- Date
- 1899-12-22
- Page
- Seite 810 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 810. Israelitische Wochenschrift. Nr. 51. halb stellte ich, Ben David, diese Kohelethansichten, deren Resultat an sich gleich Null, „hebel", gilt, neben die meinigen. — Und nun zur Widerlegung des letzten Kapitels: Koheleth suchte das Gute und fand es einzig und allein in dem Willen, „en lidbarim meziuth mizad azmom salath kfi bachefez ascher lerozeh“, nichts hat Wesenhaftigkeit an sich, nur nach dem Willen des Wollenden, „scheim jach poz 4>o jihje tob, nur wenn er will und es begehrt, ist es gut. Also ist das Begehren der Weltgenüsse, auf welches sich die Jugend und Mannbarkeit richtet, das Gute in dieser Zeit, und das Gottesgedenken wird der Wille nur wählen kurz vor dem Tode, denn nur dann ist dieser gut. Hierfür trug Koheleth soviel Maschalsprüche über das scheidende Leben zuletzt vor: „bikkesch koheleth limzo dibre chefez“, also Koheleth suchte das Gute und fand dies an Dingen der Chefez des Willens. Ich aber sage Euch, er irrt, nicht die freie Willenswahl ist das Gute, man kann wohl auch Böses erwählen, damit aber der Mensch das Böse nicht erwähle und sich zügle und beherrsche, was noch einen stärkeren und besseren Willen involvierte, darum gab Gott seine Gotteslehre, „wechatub joscher". Geschrieben steht es das Wort, das zur Gradheit anspornt, „dibre emeth!“ Das sind die Worte der religiösen Wahrheit. Denn wenn der Wille allein für das Gute maßgebend wäre, so frageich, wozu sind ausgeschrieben die Worte Gottes, wozu seine Befehle: handle so und so!? „Im en joscher beteba al mah jizawu hadathoth", wenn er sonst keine Redlichkeit geben soll, wenn nur die Begierde der Maßstab für das Gute sein soll, wozu wurden Gesetze vorgeschrieben?" Nein, das Gute liegt nicht an der blinden Vergnügungssucht, sondern an der Ausübung des göttlichen Willens. 4. Dem göttlichen Willen aber dienen außer der geschriebenen Thora uns die Worte der „Ohachamim", denn sie sind wie Treibstachel zum Guten, sie behüten vor Zertretung der göttlichen Pflanzungen, also vor dem bösen Willen, der sich heranwagt, was Gott gepflanzt, „netuim", zu zertreten. Diese Worte der Männer, die öffentliche Versammlungen in Andachts- und Lehrhäusern zur Erhaltung der Religinn auftraten, sie alle wurden von Gott, dem einen Hirten gegeben. „Wem kerazon jibju hatobioth im ken lama nitnu meroeh echad“. „Wäre es aber, wie Du sagst: alles Gute hängt von den jeweiligen Begierden ab, wozu wären alle Worte der Weisen und der Schrift, früher von dem einen Hirten seiner Heerde zur Ausübung gegeben worden? Es fiele ja dann der Gedanke irgend eines Verhältnisses Gottes zum Menschen fort? — 5. Aber forsche nicht nur in diesen Worten der Schrift und der Chachamim, sondern arbeite selber an Dir weiter, „hisaher", „wejother mehema mehabale asufoth scheasku wekabzu wechibru attah beni tihje jother sah sahiv wesaris mehem welo thomar schehem lerik hachibburim lehadrich el haemeth kiwan scheen joscher ela kfi harazon", mehr noch als diese Worte der Männer der Verwarnungen, die so viele Schriftwerke abgefaßt haben, sei Du mein Sohn gewarnt, daß Du nicht diese Werke als eitel Nichts betrachtest, wenn Du wie Koheleth meintest, sie führten doch nicht zum Guten, weil der Wille maßgebender hierfür wäre" — dazu rate ich, „schethe saris laasoth (nicht milaasoth) sei geübt und suche noch mehr „zu fertigen Bücher ohne Ende" (Jbn Baruch unterscheidet hier wesentlich von der Auffassung der übrigen Erklärer, indem er gerade anrät, Bücher ohne Ende zu fertigen, auch wenn die Forschung oder gerade, weil sie Mühen macht, „nisaher", mochte ihm wie oben (lehisaher), in der Bedeutung „werde erleuchtet" vorschweben). Daher die Bemerkung: asoth sfarim en kez kol mah schethukhal ki sehuh derech jischkon or lach", mache so viel Bücher als Du nur kannst, denn solches ist der Weg, der Dich zum Lichte führt. Nicht wie Koheleth, der da lehrt: Freue Dich und lasse Dir Wohlergehen und folge dem Augenscheine, (ehe ich, sondern forsche auch, wenn dieses mit vieler Abmühung des Leibes und Verlust der Leibesgenüffe verbunden ist: „welah aj harheh jegiath bassar" — aflbu schejihje beezeb gadol lo timna azmoch misch ukmn schetirgem hathargum ulemesak bepithgame oraitha ulistkakla belauth bissra". Viel Forschen ist Abmühung des Leibes", das heißt: Selbst wenn mit großem Wehe die Forschung verbunden ist, entziehe Dich ihr nicht, damit stimmt das aramäische Thoragum überein: Beschäftige Dich mit den Lehren der Gotteslehre, auch wenn diese Forschung mit Abnutzung des Körpers verknüpft ist, „schlo kana hakiniam ad schepoel behitazwuth", denn man erwirkt diesen geistigen Besitz nicht als durch viele Mühe, wie es heißt: also ist der Weg der Thora: Brod mit Salz esse und Wasser mit Maß trinke und aus der Erde schlafe und ein Leben der Pein lebe, thust Du also, ist Dir „tob", das wahre Gut und die wahre Seligkeit hier und im Jenseits gesichert. (Aboth). 6. Das Ziel, das ich Dich lehre, ist dem Ziele des Lebensgenusses bei Koheleth gerade entgegengesetzt, ich sage, das Endziel liegt nicht an der Beachtung des Weltwillens sondern an der des Gotteswillens und das ist das Gute: „Sof dabar hakkol mischma". Der Schluß oder das Ziel, zu welchem meine Rede gelangt ist, ein Schluß, der wie alle, die wir hier versammelt waren, um pro und contra zu sein, hören, sollen ist: Fürchte Gott nicht: sei lustig! ist: Halte Gottes Gebote! nicht: Folge Deinem Willen! „Kih seh kol haadam", denn dieses ist für jeden Menschen, für Alt und Jung, nicht wie Koheleth sagte: Lasse Dir Gott auch zuletzt, wenn schon die Nachtschatten des Daseins sich neigen! „Kol mine anaschim saken ubachur iithua liibbam el Eleohim bechol eth urim". Alle Gattungen und Art von Menschen, Greise und Jünglinge sollen ihr Herz auf Gott richten zu jeder Zeit, ob die Kräfte kommen, wachsen, erstarken oder zu Ende gehen. 7. Denn alle Thaten, „migadol wead kethem umisma habachruth wesiknoth", Groß bis Klein, von der Jugend und dem Alter bringt Gott ins Gericht, und nicht wie Koheleth sagte: Nur über das, was Deinen Willen erwählte, nur über die Freude der Jugend führt Dich Gott zu Greisen (siehe oben), „al kol neelam — al kol mah schepaalta besether been roeh im hu tob mizad azmo im ra ukfi hapentla ’ithen lach thagmul". „Samt allem Verborgenen, ob es gut ist oder böse", das heißt, nicht nur die That, auch die Gesinnung wird gerichtet, und alles was Du gesehen hast im Gebeimen und ohne zu sehen, ob es gut ist an sich oder böse, nach der Tbat, die geschehen, wird Gott Vergeltung geben". Gottes