Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 1899 (1899)
- Issue
- Wissenschaftliche Beilage Nr. 12 (12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- Seite 94 (sequence 6)
- Language
- German
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94 Wein, denn die Lügenhaften haben keine Sehnsucht (kesses (Geld) — kossef (Sehnen ein Wortspiel) und keinen Heiß- Hunger darnach, nur nach dem zum Leben notwendigen Bedarf; jaams heißt: stimmt zu (maskim, wie ״jaaneh" Jes. 58,9). Damit widerlegt Ben David die Absicht Koheleths oben, daß wenn es eine Seligkeit gäbe, dies nur die Sinneslust und irdischer Vergnügungsrausch im Neberfluß und Uebermaß sein könnte. Das Letztere böte keine Freude, weil das Bewußtsein darin betäubt, alsbald verloren ginge ״scheena dabek benefesch hamaskeleth“. Unmäßige Eß-, Trink- und Geldgier wohnt nicht der vernünftig denkenden Seele inne und hängt mit ihrem Wollen nicht zusammen. 9. Nachdem die Tugendregeln für das Haus gegeben sind, folgt ״hanhagath azmo“, die individuelle Führung zum Zweck der Glückseligkeit: ״Garn bemaddaecha — wehu bemachschaba“, auch in Deinem Wissen, das heißt Gedanken, fluche den Vorgesetzten und Vor nehmen nicht". Er rät hier zur Erziehung und Angewöhnung einer wohlwollenden Gesinnung oder der Nächstenliebe nicht nur seinesgleichen gegenüber, sondern auch denen gegenüber, die man von Natur deshalb nicht liebt, weil sie eine soziale Scheidewand trennt, ״gam ki jeraeh beenecha schahamelech it efschar lach lihjoth athabah immo scheen ahabah ela bedomim“, ״auch wenn es Dir scheint, daß es nicht möglich sei, daß Du Liebe entgegenbringen könntest dem, der sehr weit und hoch von Dir absteht wie König und Vornehmer, und man doch nur lieben kann den Ebenbürtigen und Gleichen, mit dem man verkehrt": ich sage Dir selbst in der Gesinnung, ״machschaba", oder in der Idee, ״madda“, die Dich in der Einsamkeit außer dem Verkehre ״im Schlafgemache" gegen die Oberen einnimmt, lasse keinen Hassesausbruch oder Fluch aufkommen, im Gegenteil nähre den Gedanken des Wohlwollens und der Liebe, nicht nur weil es Verrat wäre, der Dir schädlich werden kann, indem Spione Deine Stimme wie die schnellfliegenden Vögel des Himmels zu den Ohren der Obrigkeit bringen könnten, ״mizzad haskana“, sondern auch weil Dir die guten Geister, ״baal kenafajim" hasichlim hanifradim illu hamalachim“, die Geflügelten, das heißt die abstrakten Ideen, welche Engeln oder schwebenden Götterboten gleichen, es sagen müssen, daß es unwürdig sei. Denn der König und seine Abgesondertheit verdient Dein Wohlwollen, ״schejischtaddel bekijium hamedina“, weil er sich bemüht, das Land zu erhalten, also mit dem Lande Dich auch, sollst Du denn diesem Deinen Wohlthäter fluchen und ihn nicht vielmehr lieben? ״Die Reichen und Vornehmen unterstützen mit ihrer Geldmacht und dem Gewichte des Ansehens das Land". Also spricht zu Dir der ״baal kenafajim“, der geflügelte Gottesbote, der gute Geist, der nach Oben hin seine Fittige lenkt. (Hier weist Jbn Baruch auf Aristoteles hin, der einmal ausspricht: der König hat eine Liebe zu seinem Lande, die der der Liebe eines Vaters zu seinem Sohne gleicht). Von der Liebe zu dem Höheren gelangt Ben David zu der werkthätigen Nächstenliebe. 11. und 12. ״Sende Dein Brod aus's Wasser", das heißt: sei wohlthätig, ,,bell tikwath sachar kelal“, ohne Hosfnung aus einen Lohn für Deine Menschenliebe, wolle keinen Dank von dem, dem Dein Brod den Hunger stillt, daher sende es auf's ״Wasser", daß es Jedem zufließe wie das Wasser. ״Dein Brod", das heißt je nachdem Du hast, ״kefi halechem schenikne lach“, der Reiche nach seinem Vermögen, der Arme nach seiner Kraft, sollen sich steten Wohlthuns befleißigen (״schallach", schicke ״ behergel, so daß Du darin Uebung erlangst), denn je mehr Du nach dieser Richtung hin thust, desto mehr sindest Du ״ki berob hajamim ascher targil bo timzaenu leolam muchan“, denn je Mehr Tage Deines gewohnten Wohlthuns dahin gehen, desto mehr wirst Du es immer vorbereitet finden, wenn Du es brauchen solltest. Damit hängt die Aufforderung zusammen: Gieb einen Teil an Sieben, Acht, es ist eine Vielheit (vergleiche Micha 5,11) von Menschen, für welche die Habe sorglich zu teilen ist. Es muß eben viel Elend zu lindern unternommen werden (vielleicht ist hier das Folgende: ״Du weißt nicht, wie groß das Elend auf der Erde ist", die Motivierung für den Sondersatz: ״Then chelek leschibea“, oder) Du kannst auch nicht wissen, wie schlecht es Dir einmal ergehen kann auf Erden. A n m e r k u n g: Jbn Baruch begnügt sich nicht mit dem Gesagten, sondern streut hier׳ einige homiletische Glossen ein, die die Worte Aristoteles in Beziehung auf wahre Glückseligkeit rechtfertigen sollen, er meint: ״then chelek lschibea wlischmona schklal haoscher keüdiebre Aristo besefer hamiddot b’schiba toarim nichbadim: 1. schalem, 2. schalem babur azmo, 3. kajem, 4. tob, 5. naim, 6. tanug, 7. meschubbach, ulischiba tenaim lisehlemuth haeljon jabo haschmini, 8. hu mach elohim elohenu seh Aristo 10 oru enaw beor habahir welo chibbro im haacherim ki hu schakul kneged kullamu. ״Gieb ein Teil dem Siebenten und auch dem Achten, das möchte ich sagen wie Aristoteles, bedeuten sieben Eigenschaften, die der höchsten Seligkeit als schmückendes Kenn- Zeichen zueigen sind: 1. Vollkommenheit, 2. diese um ihrer selbst willen, 3. Beständigkeit, 4. Güte, 5. Schönheit und Anmut, 6. Vergnügen der Seele, 7. Ruhm, aber zu diesen Sieben gesondert tritt das dem Aristoteles nicht aufgegangene Licht unseres religiösen Gottesgeistes ״Ruacli Elohenu“, als das Achte, das alles aufwiegt. Damit soll gesagt sein: Erwirb den Anteil an diesen acht Erfordernissen zur Seligkeit". Diese Homilie setzt Jbn Baruch in etwas gezwungener Weise fort, indem er die folgenden Bilder von ״Wolke und Regen" re. auf das Ausgießen, des göttlichen Geistes über die Menschheit deutet. 18. und 14. Zur Angewöhnung der Wohlthätigkeit, von der die Rede gewesen, gehört eben die Vorbereitung nicht nur in der Lehre, sondern auch im Leben. Wie der ״Regen sich über die Erde, ergießt, nachdem sich die Wolken gefüllt haben und wie der Baum, wenn er nach irgend einer Richtung hin gefallen ist, (nachdem man ihn gefällt hatte), dortselbst liegen blieb: so ist auch eine wirkende Ursache nötig zum Zwecke der Erreichung der Seligkeit, eine wirkende lebensvolle KcaftentsaltUNg, ״hanefesch jitharewel injane hachomer ki 10 jorido 10 lechem min haschamjin im 10 jischtaddel bisriah ubakzirah", die Seele muß sich einmengen in die Bedürfnisse des Leiblichen, denn Gott wird nicht das Brod von! Himmel fallen lassen, wenn der Mensch sich nicht der Aussaat und Ernte zu widmen bestrebt". ״Schomer mach״, wer da wartet auf Wind, (Jbn Baruch meint auch, wer da wartet auf den ״Geist" allein ohne auch auf die Leibesthätigkeit), das heißt, nichts thätig unternimmt, säet nicht und wer. in die Wolken schaut, ohne sich zu rühren, wird umkommen. ״Ki belo