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Israelitische Wochenschrift · 1899-12-01 · Wissenschaftliche Beilage Nr. 12 (12.1899) · p. Seite 93

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
1899 (1899)
Issue
Wissenschaftliche Beilage Nr. 12 (12.1899)
Date
1899-12-01
Page
Seite 93 (sequence 5)
Language
German
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)?> 12. Wenn sich füllen die Wolken, Regen werden sie auf die Erde ausgießen, und wenn ein Baum fällt gen Süden oder Norden, am Orte, wohin er fällt, bleibt er. (Alles Geschehen folgt der Vorbereitung, ohne diese wird auch keine Seligkeit möglich sein). 13. Wer Wind beobachtet wird nicht zum Säen kommen und wer in die Wolken schaut (ohne That) wird nicht ernten. 14. Wie Du nicht weißt, welchen Weg der Wind nimmt, oder welches der Gang des Werdens der Gebeine im Leibe der Mutter gewordenen: ebenso wirft Du (ohne Lhätige Vorbereitung) nicht wissen das Werk Gottes (und den Weg, der zur Gottseligkeit führt), der Alles vollbringt. 15. Am Morgen säe Deine Saat und am Abend lasse Deine Hand nicht sinken, denn Du weißt nicht, welches mehr taugt (zur Erreichung der Seligkeit, dafür muß immer, ob in der Jugend oder im Alter gearbeitet werden), ob dieses oder jenes, und ob beides gleicherweise gut ist. 16. O, süß ist das Licht (der Seligkeit) und gut für die Augen diese Sonne zu schauen. 17. Denn wenn der Mensch viele Jahre lebt, in allem wird er sich freuen (dieses Lichtzieles). Und nun sollte er noch gedenken der Tage der Finsternis, daß dieser mehr sein werden, und daß alles, was da kommen wird (nach diesen finsteren Tagen des Todes) sei eitel Nichtigkeit? — (Nimmermehr! Freude soll er stets haben an dem süßen Lichte der ewigen Glückseligkeit!) Erklärung: .1., 2. und 3. Was Koheleth über die Seligkeit sagt, ist nichts weiter als ein thörichtes Lippengeschwätz, ״sifthoth kesilu, womit er ״die Worte aus dem Munde des wirklich Weisen", daß es unbestritten eine Seligkeit im Jenseits gebe, ״verschlingen" oder zu Nichte machen möchte. Mit ״Thorheit", ״Sichluth“, hat er begonnen und mit ״Verwirrung und Bosheit" den Unglauben gewendet; ״holeluth raahu heißt: heillose Verwirrung hat er augerichtet. Er hat keine Gedanken, er häuft nur leere Worte, ״jarbeh debarim“, alle diese Worte wiederholen nur den einen Gedanken: Der Mensch kann nicht wissen, was ״meachraw“ nach seinem Tode sein wird. Also giebt es nichts nach ihm, nach dem Tode". Das ist seine ganze Weisheit. Wie ist aber diese entstanden? 4. Dadurch, daß er das Treiben und Mühen nur der Thoren verfolgt, ״amal haksilim“, diese Thätigkeit hat ihn aller weiteren Lebenskräfte beraubt, ihn schlaff und matt gemacht, ״tejagenu“, um höher zu schauen oder eine höhere Bahn zu beschreiten, nämlich die Bahn, die zur Stätte der Heiligen führt. ,,El iru 10 jada lalecheth el hamalach ki neelam mimenu, wejihje ir milaschon ir wckadisch. ,,El iru, (heißt nicht zur Stadt, das gäbe keinen Sinn), er weiß nicht den Weg zu dem Himmlischen zu gehen, denn ihm ist solcher verborgen. Ir oder Kaddishh, heißt ein himmlisches oder heiliges Wesen". (Siehe Daniel 4,20). 5. und 6. Jetzt offenbart er den Weg zum Himmlischen, dieser führt durch das Leben im Staate, im Hause, wie durch die Arbeit an sich selbst. Denn Koheleth sagt oben: Die Seelenthätigkeit kann nicht zur Seligkeit führen; ich sage Dir: ,,Ei poal hanefesch hü hakazin hanibchar“, gerade diese übernimmt die Führerrolle in dieser Sache, denn.sie lenkt auf Weisheitsregeln zur Angewöhnnng, ״hergeV hamaalothu, edler Eigenschaften hin. Glückseligkeit ist nicht Lust, sondern Tugend, stete Pflichterfüllung und Thätigkeit, die nicht anshört. Du hast Recht, daß alles Irdische wechselt und daß es kein Bleibens giebt auf Erden, Weisheit, Reichtum rc. das aber trifft nur das Jrdirsche. Du gehst aber auch bei diesem nur einseitig vor, indem Du Erdenlust als Maßstab für die enge Seligkeit annimmst. Das ist falsch: ״Hathach“ lith ena jediah ela maasseh“, der Zweck ist nicht ein Wissen, ein menschliches Wissen und Empfinden, sondern ein Lügend- Haftes Thun und Wirken, das der frommen Seele stetig innewohnt. Daher gebe ich hier die Weisheitsregeln, die den Inhalt der tugendhaften Lebensthätigkeit beleuchten, in der menschlichen Gesellschaft im Großen wie im Kleinen. (Wer denkt hier nicht an den Ausspruch Ciceros (Tusml. V). ״Die^. Tugend besitzt genug Kraft, um durch sie glückselig zu werden". Unglücklich ist ein Staat, wo ״naaru — ,,bilti kobeseh werodef achre hataawothu, ein Knabe der sich selbst nicht regieren kann, regiert und nach Wolllust geht, und die Fürsten nur ״leben, um zu essen" und sehen den ״Morgen" für den Genuß frei zu halten. Wie können diese den Staat erhalten, wenn 10״ jekablu tochachath hamedinnith“, wenn sie nicht Unter- Weisung in den staatlichen Führungspflichten kennen und aufnehmen?" Kann es da gute Bürger geben? Darum: ״asehreeh erez schelma kech ben chorim ״scheeno meschubad el hachomer“. Heil dem Lande, dessen König ein freier Mann, der nicht unterthan dem Leibe und den weltlichen Lüsten, dessen Obersten essen ״baeth1׳• zur Zeit, das heißt ״lehechrach kijum hagufu nur aus Notwendigkeit zur Erhaltung des Leibes, in Geburah, in Kraft, aber ״sehthi״, das ״Zechen" meiden, das die Kraft verfallen läßt, sie verweichlichen und zur Unsittlichkeit und damit zum Ruin führen wird. Ebenso ist es mit jedem Hause. 7. ,,Baazalthajim jimach“, durch Faulheit wird arm das Haus, der Regen dringt durchs Dach, das nicht ausgebessert worden, wenn es schadhaft und so wird das Gebälk aufgeweicht (maeh — mak) und es trieft immer durch ״jidlol", bis alles zu Nichte geht. So ist's, wenn der Genußsucht gestöhnt wird. Ich rate daher zur Mäßigkeit, zur Erquickung an der Arbeit, die Brod giebt, und wobei dieses Brod als ״Lust" gilt. 8. ,,Eisehok ossim lechemu. Zur ״Lust" gehört die Arbeit um das tägliche Brod, 10״ hamotheroth ki im hachechrachi“, nicht das überflüssige Prassen, sondern die unerläßliche Nahrung. ״Wejajin jessamach chajim“ — ״Wein solle erfreuen das Leben" heißt: die Tugendhaften trinken nicht, um sich das Bewußtsein zu rauben im Uebermaße des Zechens, sondern so mäßig, daß der Wein eine Freude wird für das Dasein. Wehakessef jaaneh eth hakkol und ״das Geld stimmt ein mit allem diesem" — ״jaane klomer one lahem umaskim imabem baseh ki 10 jihje lahem kossef wetawah ela el hahechrachi“, das heißt die Sucht nach Geld ist nicht übermäßig, sie stimmt überein mit der Suche nach Brod und

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