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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-12-15 · 50 (15.12.1899) · p. Seite 797

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
50 (15.12.1899)
Date
1899-12-15
Page
Seite 797 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 50 Israelitische Wochenschrift. Seite 797. gar nicht giebt), sondern der deutsch-israelitischen Gemeinde als Vorsteher angehört, daß er nicht das Altenhaus, sondern ein Stift für Freiwohnungen, das sogenannte Nordheimstist errichtet hat. Der israelitischen Mädchenschule hatte er auf seine Kosten das liege Gebäude in der Karolinenstraße errichten lassen. Hamburg, 12. Dezember. (Chanuka-Bescheerung in der Henry Jones-Loge.) Am letzten Sonnabend Abend fand — in diesem Jahr etwas verspätet — das Kinderfest nebst Chanuka-Bescheerung in der Henry Jones-Loge statt. Wenn scholl in früheren Jahren das Beschenkungs-Komitee dieser Loge (Präses: Herr D. Brasch) mit seinen Veranstaltungen große Ehre einzulegen pflegte, so waren diesmal besonders umfassende und sorgfältige Vorbereitungen getroffen. Außer der üblichen Bewirtung und Bescheerung wurde den Kindern diesmal auch eine Theateraufführung geboten, bei der Herren und Damen der Gesellschaft mitwirkten. Das Märchen vom Rothkäppchen, das von einem Mitglied der Loge sehr geschickt dramatisiert war, fand in sehr abgerundeter Darstellung nicht bloß bei den Kleinen, sondern auch bei den sehr zahlreich erschienenen Großen lebhaften Beifall. Dazu trugen auch die eingelegten hübschen Kindertänze, die von Frl. Aron einstudiert waren, nicht wenig bei. Der eigentlichen Bescheerung ging eine recht herzliche und humorvolle Ansprache des Herrn Sal. Goldschmidt voraus, die ihren Eindruck auf die Kinder nicht verfehlte. Nach der Entlassung der glückstrahlenden Kleinen blieben die Mitglieder und die zahlreichen Gäste der Loge bis tief in die Nacht hinein zu froher Geselligkeit und zum Tanz vereinigt. Würzburg, 10. Dezember. (Lehrerb.ldungsanstalt). Herr Distriktsrabbiner Nathan Bamberger hat den 35. Jahresbericht der hiesigen israelitischen Lehrerbildungsanstalt, deren Vorstand er ist, herausgegeben. Die Anstalt hatte im abgelaufenen Schuljahr 27 Zöglinge, die sich gleichmäßig auf drei Seminarkurse verteilten. Von diesen erhielten 3 Unterricht, Wohnung, Beköstigung u. s. w. in der Anstalt unentgeltlich, 3 bezahlten die Beköstigung ganz, 21 teilweise. Die eingegangenen Spenden waren befriedigend. Die Kapitalzinsen beliefen sich aus Mk. 3247.85, die Beiträge auf Mk. 19 077.86, der Kassarest vom Vorjahr belief sich auf Mk. 560.27, zusammen Mk. 22885.98. Die Ausgaben betrugen, einschließlich Mk. 1626.85 für den Ankauf von Staatspapieren, Mk. 21205.95, so daß ein Kaffarest von Mk. 680.03 verblieb. Das Gesamtvermögen bezifferte sich, abgesehen von 9 Loosen auf Mk. 93 355.03. Lausanne, 11. Dezember. (Juden in China.) Ueber eine jüdische Gemeinde in China macht die „Gazette de Lausanne" interessante, allerdings unkontrolierte Mitteilungen. Als Titus, der Sohn des Vespasian, Jerusalem zerstörte, herrschte in China Kaiser Ming-Ti aus der ruhmreichen Han-Dynastie. Damals scheinen jüdische Familien von Jerusalem nach China gekommen zu sein. Im 7. Jahrhundert waren die jüdischen Gemeinden in China schon so groß, daß ihre Angelegenheiten von einem besonderen Beamten behandelt werden mußten. Im 10. Jahrhundert war das Zentrum dieser Gemeinden die Stadt Kai-Füng am Hoang-Ho. Die Zahl der Israeliten war infolge einer Einwanderung, die mit Baumwoll-Karawanen aus dem Westen gekommen war, bedeutend gewachsen So hatten sich in Kai-Füng auf einmal 70 Familien niedergelassen. Im 14. Jahrhundert besaßen die Juden in China sogar einen gewissen politischen Einfluß. Im Jahre 1423 erhielt ein Jude eine hohe militärische Befehlshaberstelle. Die Synagoge, die mehrere Male durch Wasser und durch Feuer zerstört worden war, wurde in prächtiger Weise wieder aufgebaut. Der Kaiser schenkte ihr eine Votivtafel, vor welcher an gewissen Tagen ein hoher Beamter Weihrauch anzündete. Damals stand die jüdische Gemeinde von Kai-Füng im Höhepunkt ihres Ruhms. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war sie bereits im Verfall. Eine neue Ueberschwemmung des Flusses und die Mandschu-Dynastie beschleunigten ihren Untergang. Im Lause des 18. Jahrhunderts wurde die Synagoge von mehreren Europäern besucht, die sie geschildert haben. Sie war 100 m lang und 50 m breit und umfaßte vier Gebäude, die durch Höfe von einander getrennt waren. Im Hintergründe des letzten Hofes befand sich die eigentliche Synagoge, die 20 m lang und von zwei Säulenreihen umgeben war. In der Mitte des Betsaales erhob sich der „Thron des Gesetzgebers Moses", ein hoher geschnitzter Sessel, den ein Baldachin überragte. Dort sah man auch die von dem Kaiser geschenkte Votivtafel und einen Tisch, auf welchem sechs Leuchter eine Weihrauchpfanne umgaben. An den Wänden befanden sich die Gesetztafeln. Die Juden von Kai-Füng feierten alle jüdischen Feste und verheirateten sich nicht mit Andersgläubigen. Im Jahre 1850 war die Gemeinde in einem traurigen Zustande. Sie hatte schon seit einem halben Jahrhundert keinen Rabbiner mehr; kein Mensch konnte Hebräisch lesen oder beten. Ein Wiener, Herr Liebermann, und der Franzose Dr. Martin, die damals Kai-Füng besuchten, fanden von der Synagoge nur noch eine im Jahre 1162 errichtete Steintafel vor. Die Mitglieder der Gemeinde, deren Zahl nur noch 300 bis 400 betrug, verkauften alte Kleider, Backwaaren und Obst. Einige waren Geldwechsler, andere Schneider oder Schuhmacher. Sie versammelten sich nicht mehr zu gottesdienstlichen Handlungen. Sie trugen die chinesische Tracht und den Zopf. Mehrere hatten Chinesinnen geheiratet. Sie erinnerten sich nur noch dunkel an einige Feste, die die früheren Generationen gefeiert hatten. Aber man erkannte sie leicht an ihrem Typus. Paris, 10. Dezember. (Prämiirung). Auf der Gartenbau- Ausstellung sind die von dem jüdischen Heim in Plessis- Piquet ausgestellten Gemüse mit der großen Medaille und die ausgestellten Früchte mit der silbernen Medaille prämiirt worden. Präsident Loubet hat die Ausstellung des jüdischen Heims besonders eingehend besichtigt. London, 12. Dezember. (Chanukafeier der jüdischen Soldaten). Die „Parade-Beteiligung" des jüdischen Militärs an der Chanukafeier in der großen Synagoge hatte diesmal aus Ursache des Kriegs in Süd-Afrika eine besondere Bedeutung und machte auf alle den tiefsten Eindruck. Die Soldaten, die im vorigen Jahr dieser Feier beiwohnten, stehen jetzt dem Feind gegenüber; die vorige Woche unter Führung des Obersten de Laza Cohen — alle Waffengattungen waren vertreten — ins Gotteshaus treten, werden und wollen bald

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