Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 50 (15.12.1899)
- Date
- 1899-12-15
- Page
- Seite 796 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 796. Israelitische Wochenschrift. Nr. 50. ihr ebenso bescheidenes wie aufgewecktes Betragen. In allen Zweigen der Gartenwirtschaft werden die Lehrlinge von tüchtigen Inspektoren und Gärtnern vollständig ausgebildet, so daß sie später befähigt sind, in dem erwählten Berufe vorwärts zu kommen. Die stramme Zucht in der Anstalt im Verein mit der allen Zöglingen zu teil werdenden freundlichen Fürsorge hat hier bereits gute Früchte getragen; eine ganze Anzahl von in der Ahlemer Anstalt ausgebildeten Gärtnern rc., zweiunddreißig, hat in den letzten Jahren ihrer Befähigung entsprechende Anstellung gefunden. Uebrigens beschränkt sich die praktische und theoretische Ausbildung der Lehrlinge durchaus nicht auf das rein Gärtnerische, sie werden vielmehr auch in den wichtigsten landwirtschaftlichen Arbeiten von erfahrenen Kräften unterwiesen und praktisch geschult. Für die kleineren Knaben unter vierzehn Jahren, welche unter der Leitung sorgfältig ausgewählter Lehrer als Schüler vollständigen Unterricht in der Anstalt empfangen, ist die stete Verbindung mit der freien Natur, der fortdauernde Einfluß der ländlichen Umgebung, in welcher sie aufwachsen, ebenfalls von der größten Bedeutung; die angestrebten günstigen Wirkungen aus die Denkweise und die Neigungen der Knaben zeigen sich in den meisten Fällen schon bald nach ihrem Eintritt in die Anstalt. Einstweilen dient, soweit Neigungen für die einzelnen Zweige des Handwerks bei diesen Knaben hervortreten, besonders der Handfertigkeitsunterricht für die Schüler dazu, diesen Sinn zu mehren. Entscheiden sich die Knaben nach Beendigung der Schulzeit für den landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Beruf, so verbleiben sie auch ferner in der Anstalt als Lehrlinge, wollen sie sich einem Handwerke zuwenden, so werden sie von der Leitung bei einem guten Meister in die Lehre gegeben. Vorwiegend ziehen die Schüler allerdings den gärtnerischen Beruf jedem anderen vor. Es handelt sich hier um ein überaus wichtiges, der regsten Förderung wertes Unternehmen, in welchem die Bestrebungen seines Begründers und anderer Förderer dieser guten Sache aufs Beste verwirklicht werden. Soll die Ausführung dieser edlen Absichten jedoch für die Dauer gesichert sein, so bedarf es in weit größerem Umfange, wie bisher, der thatkräftigen, nachdrücklichen Förderung dieses hervorragenden Werkes nicht allein durch wohlhabende Glaubensgenossen des Stifters, sondern aus den weitesten Kreisen, ohne Unterschied der Konfession, denn das hier Erstrebte dient, mag es sich auch in erster Linie um eine der wichtigsten Aufgaben der „inneren Mission" unter den Israeliten handeln, zugleich auch der Allgemeinheit. Von dieser Anschauung ist auch ein Schreiben erfüllt, das der hochverdiente Leiter einer christlichen Erziehungsanstalt in Hannover an den Vorstand der Anstalt Ahlem richtete und in welchem es heißt: „Ich möchte zuerst im allgemeinen sagen, daß der Grundgedanke des Ganzen: die für Ackerbau und Gärtnerei bestimmten Zöglinge so früh wie möglich in die Anstaltserziehung aufzunehmen, ein sehr glücklicher und gesunder Gedanke ist. Der ganze Betrieb hat dabei etwas so Wohlgeordnetes und Wohlgefälliges, daß er wohl geeignet ist, nicht bloß Verständnis, ssondern auch Lust zum Fach zu erwecken. Die Lebenshaltung der. Zöglinge ist, soweit wir das bei einem flüchtigen Besuche ^5en konnten, so einfach, schlicht und stramm, daß sie durch dieselbe für den zukünftigen Beruf gestählt werden, und dabet - machte die ganze Jungenschaar einen gesunden und harmlos fröhlichen Eindruck. Kurz, ich bin der Ueberzeugung, daß Sie mit dieser Anstalt ein hochnötiges und wertvolles Werk unternommen haben." — Hoffentlich wird diese Bedeutung der Anstalt Ahlem in Zukunft in immer weiteren Kreisen erkannt und gewürdigt. Eine Bethätigung solchen Interesses — möge es sich nun durch thatkräftige Förderung dieser Anstalt oder auch dadurch zu erkennen geben, daß noch an anderen geeigneten Orten gleiche Anstalten zur Erziehung und Heranbildung israelitischer Knaben für die landwirtschaftlichen Berufe, für das Handwerk rc. ins Leben gerufen werden — würde von segensreichen Folgen begleitet sein." Frankfurt a. M., 9. Dezember. (Legat). Der im August d. Js. hier verstorbene Sanitätsrat Dr. Salomon Herxheimer hat ein Legat mit der Bestimmung hinterlaffen, daß es für ein Jnstitnt zur freien ärztlichen Behandlung von an Hautkrankheiten Leidenden verwendet werden sollte. Da die hierfür ausgesetzte Summe nicht ausreichend war, hat jetzt die Witwe des Verstorbenen, Frau Fanny Herxheimer, aus eigenen Mitteln so viel zugesugt, daß jetzt der Gesamtbetrag von 100 000 Mark -für den genannten Zweck zur Verfügung steht. Außerdem hat Frau Dr. Herxheimer der Stadt alle in dem früheren ärztlichen Institut ihres verstorbenen Gatten gebrauchten Instrumente und Utensilien angeboten, soweit sie für das neue Etablissement gebraucht werden können. Das Institut wird den Namen „Sanitätsrat Dr. Salomon Herxheimersche Stiftung" tragen. Hamburg, 10. Dezember. (Stiftungen). In dem am 2. Dezember hier gestorbenen Herrn Marcus Nordheim ist ein großer Wohlthäter dahingegangen. Er vermachte außer den Familienlegaten folgende Legate an Wohlthätigkeits- Stiftungen: Deutsch-Israelitische Gemeinde 60 000 Mk., Pensionsfonds der Lehrerinnen der israelitischen Töchterschule 10 000 Mk., Paulinen-Stift 5000 Mk., Talmud-Thora-Schule 5000 Mk., Israelitisches Waisenhaus 5000 Mk., Miethe- Hilfsverein 5000 Mk., Verein zur Verteilung von Feuerung 5000 Mk., Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen der israelitischen Gemeinde 5000 Mk., Krankenhaus der israelitischen Gemeinde 5000 Mk., Altenhaus 5000 Mk., Pestalozzi- Stiftung 5000 Mk., Poliklinik des Krankenhauses der israelitischen Gemeinde 5000 Mk., Vaterländischer Frauen-Hilfsverein 5000 Mk., Wohlthätiger Schulverein 5000 Mk., See manns-Krankenhaus 5000Mk., Kunsthalle 10000 Mk.,Memmelsdorfer Gemeinde (Geburtsort des Testators) 10000 Mk., das dortige Kinderheim 5000 Mk., die dortige israelitische Gemeinde 5000 Mk., das hiesige Pflegeheim und Siechenhaus 15 000 Mk. Die Gemäldesammlung wurde der Kunsthalle vermacht. Außerdem sind das Kontor-Personal sowie die übrigen von dem Testator beschäftigt gewesenen Personen mit Legaten bedacht. Der ganze übrige Teil des auf etwa 10 Millionen geschätzten Vermögens soll nach dem Ermessen des Testamentsvollstrecker zu Wohlthätigkeitszwecken verwandt werden. Zu Testamentsvollstreckern sind Herr Jacob Nordheim, Bruder des Verstorbenen, sowie Herr Dr. Albert Wolffson ernannt worden. Berichtigend sei erwähnt, daß der Verstorbene nicht der orthodoxen, (die es unter diesem Namen