Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 50 (15.12.1899)
- Date
- 1899-12-15
- Page
- Seite 793 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 50. Israelitische Wochenschrift. Seite 793. und Vertrauen, Sicherheit der wahrhaft gerechten und billigen > Vergeltung, er erwartet sie sicher im ewigen, kol hachajim, ganzen Leben. Der Tiermensch aber spottet des „toten Löwen", was hat der Löwe davon, wenn er tot ist, da ist doch wahrlich ein Hund besser daran, nur wenn er lebt? (Oder aber er will sagen: Das Leben und Thun eines Tieres ist kein Leben und Thun durch freien Willen und wie Aristoteles sagt: Nicht jeder Wollende ist frei, aber jeder Freie will. Der lebende Hund steht weitab vom lebenden Menschen; aber wer seine Auserwähltheit als Mensch und den Besitz einer inneren Freiheit leugnet, ist ärger auch als der lebende Hund. Dies wird in Kehilath Jakob ausgeführt. Das Kethib, „jebuchar", des massoretisch.en Textes wird bei Jbn Baruch mehrfach gedeutet, weniger Beachtung schenkt er dem Keri „jechubbar"). 6. und 7. Wer zu den Lebenden zählt, die Vertrauen haben auf Gott und seine Gerechtigkeit, „jodim schajamuthu", haben ein Wissen, daß sie sterben und benutzen dies ihr Wissen, um die Unsterblichkeit zu erlangen, „kol hatobioth niknoth achar hamawethu, Alles beseligend Gute folgt für sie nach dem Tode. Aber die Toten, die das Leben des Hundes glücklicher preisen, weil sie an eine „hascharath nefesch", Fortdauer der Seele nicht glauben, die also zu den absolut Toten zu zählen sind, sie haben kein Wissen von dem, was da folgt; natürlich ist für sie kein „sachar", Lohn vorhanden. Nicht nur das: „Gam ahabathamu, „auch ihre Liebe, ihr Haß und ihr Thateneifer sind umsonst gewesen und schon längst im Leben der Vergangenheit, „kebar abadah", völlig in Verlust geraten. Gilt ihnen doch nur das Leben des Hundes, der irdische Genuß, alles, was aber die Seelenthätigkeit ausmacht, worauf es bei dem Menschen am meisten ankommt, das ist für sie verloren. „Wechelek en lahem od leolam", wie sollten sie noch ein Teil haben an dem zukünftigen Leben, wenn schon beim Leben — in der Vergangenheit — das Beste an ihnen leer ausging? Ich aber, Ben David, der Vertrauen „bitachonu, auf die Zukunft lehrt: ich halte fest an der Billigkeit der göltlicheu Vergeltung. Kapitel XVI. Trieb und Willen. Es wird hier bewahrheitet, daß die freie Wahl des Bösen deshalb möglich und zulässig ist, weil der Mensch ein Vernunftwesen ist. K o h e l e t h: Text: Lech echol besimcha lachmecha uschetheh beleb tob jenecha ki kebar razah haelohim eth maassecha. Bechol eth jihju begadecha lebanim weschemen al roschecha al jechssar. Reeh chajim im ischa ascher ahabtha kol jeme chaje heblecha ascher nathan lecha thachath heschemesch kol jeme heblecha ki hu chelkecha bachajim ubaamalcha ascher athah amel thachtha haschamesch. Kol ascher thimza jadecha laassoth bechochacha asseh ki en masseh wecheschbon we daath wechochmah bischeol ascher atha holech schammah. Uebersetzung: 1. Gehe, iß mit Freude Dein Brod und trinke mit vergnügtem Herzeri Deinen Wein. Denn schon in der Vergangenheit hat Gott gewollt (diese) Deine Thaten. (Er bestimmte Deine Welttriebe). 2. Zu jeder Zeit seien Deine Kleider weiß (rein) und Oel auf Deinem Kopfe fehle nicht! 3. Siehe und genieße das Leben mit dem Weibe, das Du liebst, alle Tage Deines nichtigen Lebens, das er Dir gab unter der Sonne — ja alle Tage Deiner Nichtigkeit — denn das ist Dein Anteil am Leben und an Deiner Mühe, mit der Du Dich abmühst unter der Sonne. 4. Alles was Deine Hand erreichen kann mit Deiner Kraft, es zu vollbringen, thue. Denn keine That und kein Ergebnis und Wissen und Weisheit ist in der Unterwelt, wohin Du gehst. Erklärung: 1. Koheleth will hier einen Protest erheben gegen die so oft von Ben David geltend gemachte Lchre des aus Vernunft und freie Herzenswahl sich gründenden menschlichen Thuns. Er sagt, der Mensch folgt in allem seinen Trieben. Diese Triebe sind ihm von Gott in das Herz g pflanzt, und keine Selbstbestimmung kann etwas dagegen unternehmen. Welche sind diese Triebe? 1. Die Lust, zu essen, zu trinken. 2. Den Körper mit einer schönen Hülle zu bekleiden und ihn zu schmücken und frisch zu erhalten durch Salben un> Baden. 3. Den Genuß der Ehe. Alles dies hängt nicht von des Menschen Willen ab, sondern von den ihm angeborenen Trieben. Sie mahnen an stete Befriedigung durch des Menschen irdische Thätigkeit, die sonst völlig nutzlos wäre. Nicht mit Thränen, sondern „besimcha", mit Freude sollst Du Dein Brod essen und immer lustig, „beleb tob", mit gutem vergnügten Sinn Deinen Wein trinken. Denn dieses Dein Thun hat Gott schon, „kebar", in der Vergangenheit also gewollt, „razah". Denn dies gehört, „lekijum hamin", zur Erhaltung der Gattung, „ween hadabar taluj bibchiratecha" und das hängt nie von Deinem Willen ab: Ben David meint, daß der Genuß der Erde etwas Schlechtes oder Tierisches ist, wäre das der Fall: „ech efschar schejibchar haadam bedabar hara", wie wäre es^ möglich, daß ich durch Gott dazu angehalten bin, seit meiner ' Geburt solche Genüsse zu erwählen? Nein, Gott wolltet, ich lebe darum diesen Trieben und ihrer Befriedigung, weil ich also muß. 2. Daher soll auch das, was mich schön und würdig erscheinen läßt nach Außen hin, berücksichtigt werden. Weiße Gewänder und feine Oelsalbung, das kennt das Tier nicht, aber das ist der Vorzug des Menschen, ebenso wie sein Vorzug nicht das Essen und Trinken an sich ist, sondern ^>as Essen und Trinken „mit Freude" und mit „vergnügtem Sinn". Aber nicht ein selbstgewählter Vorzug, sondern^„hu muchrach bemaassaw wegasur mipeath hael jitbarach", das ist eine Notwendigkeit, vorherbestimmt von Gott, ein Naturzwang. 3. Ebenso ist die Verbindung mit dem Weibe nicht immer -abhängig von meiner Wahl. Die eheliche Liebe geht »fmr-