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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-12-08 · 49 (8.12.1899) · p. Seite 782

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
49 (8.12.1899)
Date
1899-12-08
Page
Seite 782 (sequence 14)
Language
German
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Seite 782. Israelitische Wochenschrift. Nr. 49. liegende Gründe und Regalien*) geben. Ich sehe, daß Ihr in Wahrheit ein ehrlicher Mann seid. Nun, der Herr Herzog möchte 3000 Gulden auf ein Viertel Jahr von Euch geborgt nehmen. Geht in das Nebenzimmer, dort ist mein Hausverwalter, besprecht die Sache mit ihm und bringt sie in Ordnung, dann kehrt zu mir zurück." Als ich nach Erledigung der Angelegenheit mich von dem Ritter verabschiedete, entließ er mich mit den Worten: „Stenzel Meier! Wir sind sehr mit Euch zufrieden, und wenn Ihr einmal ein Anliegen habt, so kommt nur getrost zu mir, was ich für Euch thun kann, soll gern geschehen!" Bisher habe ich von dem Anerbieten dcs Ritters keinen Gebrauch gemacht. Falls Ihr, ehrwürdiger Rabbi, meiner Ansicht beipflichtet, will ich es morgen zum ersten Mal thun; ich werde mit dem Frühesten den Ritter aufsuchen und seine Fürsprache beim Herzog erbitten, daß dieser den Schutz des Kaisers für unfern Israel anrufe." Freudig erklärte sich der Rabbi einverstanden, und so trennte man sich mit der Verabredung, am darauf folgenden Abende bei Stenzel Meier zusammenzukommen und je nach dem Ergebnisse seines Besuches beim Ritter die ferneren Entschließungen zu treffen. Zweites Kapitel. Heller Lichterglanz strahlte aus den Fenstern des Ptasten- Schlosses und erleuchtete weithin die nach der Burg hinaufsührenden Straßen, in denen trotz der empfindlichen Kälte des Abends eine neugierig erregte Menge aus und nieder wogte. Droben im Schlosse gab der Herzog zu Ehren des Namenstages seiner Gattin ein Festmahl, das mit all' dem Pomp und Luxus gefeiert wurde, den der prachtliebende Fürst zu entfalten pflegte. Der hohe Klerus und die Ritterschaft der ganzen Umgebung, des Liegnitzer, Goldberger und Haynauer Kreises, die Patrizier und Stände der Stadt waren mit Einladungen bedacht worden, und keiner der hohen Herren war fern geblieben. Da gab es gar viel zu schauen, und noch lange vor Beginn des Festes drängten sich Kops an Kops die ehrsamen Bürger der guten Stadt Liegnitz in den Straßen, um die Auffahrt der Gäste, die Pracht der Karossen und die Toiletten ihrer Insassen zu bewundern. Da es noch nichts zu sehen gab, trieben die Wartenden allerlei Kurzweil: die Burschen hänselten die Mägdelein, die mit leisem Gekicher die Köpfe in einander steckten, Gevatter Schneider und Handschuhmacher hatten sich in die hohe Politika vertieft und besprachen mit gewichtiger Miene die Neuigkeiten des Tages, während ihre ehrsamen Ehehälften mit nicht minder großem Ernst den Stadlktalsch besorgten. Immer lebhafter wurde die Unterhaltung; man schwatzte und schrie und lachte durcheinander, als ob die liebe Sonne vom sommerlichen Himmel herniederschien und man sich draußen vor den Stadtmauern erging in lustiger Ausgelassenheit. Plötzlich verstummten die durcheinander schwirrenden Stimmen. Ein Jüngling war in den Kreis der Schaulustigen getreten, dessen Kleidung und Austreten sofort den *) Herrschaftliche Rechte, z. B. das Münzrecht, Bergwerke u.s w. Auch gehörte dazu der Besitz von Brot- und Fleischbänken. Fremden erkennen ließen. Neugierig musterten ihn die Alten, mißtrauisch die Jünglinge und mit wohlgefälligen Blicken die Junglrauen. Aber der Gegenstand dieser Aufmerksamkeit achtete des Geflüsters und der Musterung nicht; düsterer Ernst lagerte auf den abgehärmten Zügen und verbannte die neugierigen Frager, die sich an ihn herandrängen wollten. Michel Israel, denn er war es, hatte von Stenzel Meier gehört, daß der Ritter Heintz von Zedlitz heute beim Festmahle dem Herzog die Bitte vortragen wollte. Es litt ihn nicht im Hause; von maßloser Ungeduld gepeinigt, war er durch die Straßen geirrt und hatte sich dann unter die harrende Menge gemischt, um den Mann zu sehen, dessen Fürsprache, wie Michel mit jugendlicher Vertrauensseligkeit hoffte, über das Wohl und Wehe der teueren Angehörigen entscheiden sollte. Je häufiger seine Gedanken bet den fernen Lieben weilten, je trostloser der Ausblick in die Zukunft schien, desto hoffnungsfreudiger klammerte sich sein qualvoll zerrissenes Herz an das Versprechen des Hauptmanns von Zedlitz. Hatte dieser Günstling des Herzogs doch, wie Stenzel Meier erzählte, seine Hilfe bereitwilligst zugesagt und die frohe Aussicht aus Erfolg eröffnet. In sein tiefes Sinnen verloren, bemerkte es Michel nicht," daß eine Bewegung durch die Menge ging und aller Blicke sich nach der Richtung wandte, wo die Straße einen weiten Bogen machte. Erst das Rasseln eines Wagens schreckte de^ Träumer auf, und nun sah er ein Viergespann, einen Fackelreiter voran, mit rasender Eile heranjagen. „Das ist der Ritter von Zedlitz," hörte er seinen Nachbar flüstern, und mit verdoppelter Aufmerksamkeit spähte Michel in den Wagen, in dem er einen hochgewachsenen, langbärtigen Mann erkannte. Schon war das Gefährt vorüber, Michel folgte ihm mit seinen Blicken, bis er in dem von Fackeln und Pechpsannen taghell erleuchteten Schloßhofe verschwand. Michel hatte genug gesehen, aber in das Gedränge eingekeilt, mühte er sich vergebens, das Freie zu gewinnen, und so mußte er das Ende der Auffahrt abwarten. Bald jagte eine Karosse die andere. Es kamen der Abt von Leubus, die Ritter von Kaltwasser und Lübbenau, Rothktrch von Panthenau, Kurt von Koischkau, Schweinitz zu Seisersdorf, die Herren von Kuchelberg, von Langen-Waldau. von Dirschkewitz, Rothktrch, Metttcht, Koitz, Manserwitz, Krötenpfuhl, Blumenrode und noch viele andere Erbangeseffene aus dem Kreise Liegnitz. Ihnen folgte der dem Goldberger Weichbilde angehörende Adel, die Herren zu Geiersdors, Schafgotsch von Hermsdorf und Flschbach, Albrecht von Bock, Max zu Leisersdorf, Zedlitz von Hockeuau, Hans von Adelsdorf und Georg Zedlitz zu Raschenhos; den Abschluß bildete die Ritterschaft aus dem Hainauer Kreise, Christoph Zedlitz zu Sebnitz, die Brüder Schellendors zu Göllschau, Geister zu Bilau, Busewoi zu Borsdorf, Hauschtld zu Blumenau, Mohrwald zu Lobendau, Reder zu Scharfendorf, Georg zu Schellendorf, Tunkel zu Baudmannsdorf, Geisler zu Steinsdorf, Stiebitz zu Rädichen, Wiese zu Kaiserswalde, Lebran zu Lohm, Nickol Schellendors zu Reißicht, Lucke zu ^schorbsdorf, George Schellendors zu Petersdors, Christoph Schellendors zu Buchenwalde. Nachdem der Adel feierlich seine Auffahrt gehalten, erschien der Rat der Stadt Liegnitz: Hironymus Poplau, Johann Kochenschreiber, Peter $

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