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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-12-08 · 49 (8.12.1899) · p. Seite 780

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
49 (8.12.1899)
Date
1899-12-08
Page
Seite 780 (sequence 12)
Language
German
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Seite 780 Israelitische Wochenschrift. Nr. 49. Melbourne, 30. Oktober. (Tod des Parlamentsmitglieds E. L. Zox.) Am 23. d. M. ist Ephraim Lamen Zox nach kurzer Krankheit gestorben. Er war einer der ältesten Kolonisten unserer Stadt, in die er als dreizehnjähriger Knabe aus England eingewandert ist und wo er beinahe 50 Jahre gelebt hat. Er war erst Kaufmann, dann Bankier und hat seit vielen Jahren in fast allen Wohlthätigkeitsanstalten Melbournes die leitende Stelle eingenommen. Er ist wiederholt Vorsteher und Schatzmeister der jüdischen Gemeinde gewesen, war eine der besten Stützen der jüdischen philanthropischen Gesellschaft und seit 1880 Vorsitzender des Melbourner Zweigvereins der Anglo Jewish-Association. Im Jahre 1877 wurde Ephraim Zox als Abgeordneter für Ost-Melbourne in die gesetzgebende Körperschaft in Viktoria gewählt, wo er seinen Wahlkreis bis zu seinem Tod vertreten hat. Das große Ansehen und die persönliche Beliebtheit des Verstorbenen wird am besten durch die Thatsache charakterisiert, daß das Parlament in Viktoria nach Empfang der Trauernachricht aus Antrag des Präsidenten seine Sitzung aufhob und die Verhandlung auf den nächsten Tag vertagte. Vor der Abstimmung über diesen Antrag haben außer dem Präsidenten verschiedene Mitglieder des Hauses das Andenken des Verstorbenen durch anerkennende Reden geehrt. Es geschah zum ersten Mal, daß das Parlament wegen des Hinscheidens eines Abgeordneten seine Sitzung aushob. Mit den vielen persönlichen Freunden betrauertdiejüdische Gemeinde und alle Armen und Leidenden Melbournes den Tod von Ephraim Lamen Zox. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Herr Albert Philipp Meyer, Mitglied der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde Berlin, vormals Chef des Hauses Hermann Gerson, ist am Dienstag im Alter von 66 Jahren gestorben. An der Wohlthätigkeitspflege hat er hervorragend teilgenommen. — Dem Arzt Herrn Dr. AM a h m e r inB e u t h e n O .-Sch l, ein jüngerer Bruder des Rabbiners in Magdeburg, ist der Titel eines Königl. Sanitätsrats verliehen worden. — Am vergangenen Sonntag feierte Herr H. Jtzkowski in Berlin ein doppeltes Jubiläum: das fünfzigjährige als Buchdrucker, das fünfundzwanzigjährige seiner Offizin. — Zu Ehren des Andenkens >des verstorbenen Philanthropen Baron Hirsch soll im Zentral-Park von New-Pork ein Denkmal errichtet werden, das ein Kunstwerk ersten Ranges werden wird. Dem Komitee, zu dem der Ex- Generalpostmeister, der Ex-Gouverneur Morton, Professor Seligmann, Universitätspräsident Seth Low, Ex-Mayor Hewilt u. a. gehören, sind bereits bedeutende Summen in Aussicht gestellt worden. — Geheimrat Professor Dr. Lazarus hat anläßlich seines 60jährigen Doktorjubiläums den Kronenorden 3. Klasse erhalten. — Das Rentier Minden'sche Ehepaar in Berlin feierte am vergangenen Sonntag die Goldene Hochzeit. Vakanzen. Königsberg i Pr. (Adaß-Jsroel.) Sch. (verh.) Meld. an A/Aron, Weidendamm 14. — Eberback a. Neckar. Rel.-L.,^C., Sch. 7—800 Mk. Geh., 5-600 Mk. Nebeneink. Meld. an Synagogenrat. - Boppard. Rel.-L. u. C. (ledig) 800 Mk. Geh., ffr. W, Heiz., Bel. Meld. an S. Haas. — DiedenHofen (Lothringen). Kultusb., der dtsch. u. franz. Ansprachen halten und Rel.-Unterr.'ert. kann. 3000-3600 Mk. Geh. Meld. Julius Lewy- — Schwanfeld, Bayern. Sem. geb. Rel.-L, C., Sch. 800 Mk- Geh, fr. W-, 400 Mk. Nebeneink. Meld. an David Blättner. — Schönebeck a. d. E. Gepr. L., Borb., Sch. 1200 Mk. Geh., fr. W. Meld. an M. Marcuse. Feuilleton. Der Rabbi von firpili. Historische Erzählung aus der Hussitenzeit Von Dr. A. Sammler. (Fortsetzung.) Wir folgen ihr dann und nehmen den Gerichtsdiener und den Büttel* **)) mit, um sie Alle in flaggt':*) zu treffen. Das Uebrige wird sich dann schon finden". Dieser Plan fand allgemeinen Beifall, und Einer der Patres übernahm die Ausführung des trefflichen Planes. „Was nun in der Dämmerungsftunde bei Eurem Ohm vorgesallen ist", fuhr mein Freund fort, „weiß ich nicht; nur so viel ist leider bekannt, daß sich gegen Abend ein großer Menschenhausen, der sich aus dem niedrigsten Pöbel zusammensetzte, vor der Thüre Eures Hauses versammelte. Bald fuhr ein Wage vor, in welchem Euer Ohm und Eure Muhme gefesselt weggesührt wurden; in einem zweiten Wagen saß die Meßnerin, gleichfalls in Fesseln. Die Gefangenen wurden von Stadtknechten und von einer höheren Gerichtsperson begleitet. So lange die gerichtliche Prozedur im Hause Eures Ohms dauerte, konnte man draußen unter der Menge nur ein unterdrücktes Murmeln vernehmen; kaum waren aber die Wagen fort, da begann ein Lärmen, Schreien und Johlen, das immer heftiger wurde und bald in Thätlickkeiten ausartete. Ein Stein flog nach dem Fenster, die Scheiben klirrten, und nun drang der ungezügelte Hause unter gräßlichem Geschrei und Toben in das Haus, Niemand leistete Widerstand. Unter den Plündernden bemerkte man Ignatius und seine Freunde, die vergebens versucht hatten, sich unkenntlich zu machen. Diese eilten in das Innere des Geschäftslokals, erbrachen die Schränke und Kisten, rafften mit gieriger Hast Gold, Silber und Juwelen, die sich dort fanden, zusammen, steckten Alles in einen Sack und entfernten sich schnell. Unterdessen hatte die Zerstörung im Innern ihren Fortgang genommen; kein Stück blieb unversehrt, was von den Hausgeräthen sich nicht fortschleppen ließ, wurde zertrümmert. Aber auch damit begnügte sich die Wuth des beutelustigen Gesindels nicht, das Haus selbst sollte dem Erdboden gleich gemacht werden. Ihr habt es gesehen, mit welch' grausigem Vandalismus die Unmenschen ihre Absicht zur That gemacht haben; nur wüste Trümmer und ödes Gemäuer zeugten noch von dem schönen Bau, der dort gestanden. Schon hieß es, daß noch andere Judenhäuser der Zerstörungswut des Pöbels zum Opfer fallen sollten, aber der gütige Gott hat uns vor diesem Schicksal bewahrt. Bürgermeister und Rat wollten die Verantwortung dafür nicht übernahmen und ließen noch in der Nacht ausrusen, daß Jeder ruhig nach seiner Behausung gehen solle, denn wer irgendwo von den Stadtknechten betroffen würde, werde gefänglich eingezogen und streng bestraft werden. Da mm die Stadtknechte in großer Anzahl bewaffnet erschienen, hörte der Tumult auf, und wir waren gerettet. Von meinem Peter erfuhr ich noch, daß Eure Verwandten und die Meßnertn nach Wien gebracht worden sind, wo sie *) Den Stadtknccht, Magistratsdiener, Polizei. **) Auf frischer That.

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