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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-12-08 · 49 (8.12.1899) · p. Seite 773

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
49 (8.12.1899)
Date
1899-12-08
Page
Seite 773 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49. Israelitische Wochenschrift. Seite 773. achteten, und den Befehlen des Königs, wo ein solcher war, unbedingt Folge leisteten. Abraham giebt dem Priester Malki-Zedek den landesüblichen Zehnten; Isaak verläßt auf Abimelechs erste Aufforderung das Land, trotz des zwischen Abimelech und Abraham geschloffenen Bündnisses, das ihn hätte schützen müssen; er überläßt sogar die von ihm gegrabenen Brunnen den Pelischtim, weil diese behaupteten, die Brunnen befänden sich noch innerhalb der philistäischen Landesgrenzen. Joseph widmet sich nnt der größten Hingebung den Angelegenheiten des egyptischen Reichs, in dem er eine hohe Stellung einnahm. Nicht minder haben seine Brüder dem König wie dem neuen Vaterland, das sie ausgenommen, Liebe und Treue bewiesen. Die Schrift selbst sagt, sie hätten sich dort vollständig eingebürgert, was uns vollends den Beweis liefert, daß sie gleich den Landesbewohnern die Pflichten und Lasten trugen, die dieses Verhältnis ihnen auserlegte. Sie konnten dies unbeschadet ihres Festhaltens an der göttlichen Verheißung thun, die ihren Aufenthalt in Egypten als einen vorübergehenden bezeichnet hatte, und die gerade in den Edelsten des Volks die Hoffnung immer ausrecht erhielt, daß sie dereinst durch Gottes Beistand eines eigenen Vaterlandes teilhastig .^würden. Joseph hatte diese Hoffnung nimmer fahren lassen; er spricht es noch kurz vor seinem Tod deutlich aus, aber dieser Gedanke hat ihn nicht verhindert, dem Land und dem Volk, das ihm und seinem Stamm Schutz gewährt, wenn er auch nicht ganz zu ihnen gehörte, mit allen seinen Kräften zu dienen und ganz wie ein Landeskind für seine Interessen zu arbeiten. Es verschlug nichts dabei, daß er wie seine Brüder an Glauben und Sitten von den Egyptern sich unterschieden, daß sie sich nie dazu verstehen konnten, dem dort herrschenden Götzendienst sich anzuschließen. Was den Staatsdienst in dem Sinn betrifft, daß an des Staats gedeihlicher Entwicklung gearbeitet werden mußte, standen sie gewiß den Egyptern nicht nach. Wir haben den letzter« Punkt etwas eingehender besprochen, weil wir daraus eine wichtige Lehre für uns ziehen können. Was hatten nicht die Egypter dem Joseph zu verdanken, da sich eine ganze Reihe nützlicher Denkmäler Egyptens an seinen Namen knüpften! Denn sein ausgedehntes System beschränkte sich nicht blos daraus, Egypten gegen Hungersnot sicher zu stellen, sondern teilte überhaupt dem Handel und den Künsten einen neuen Antrieb mit. Die Einfuhr des Getreides vom Land nach den Städten während der Jahre des Ueberfluffes, die Ausfuhr des Getreides während der Teuerung und die Menge der Fremden, die von allen Seiten herbeikamen, um sich zu versorgen, machten große Landstraßen und Kanäle nötig und leiteten den Sinn aus Werke der Notwendigkeit. Egypten sollte nach seinem Plan als allgemeine Kornkammer für die andern drei Weltteile dienen und stets über eine Masse von Kapitalien verfügen können, die es möglich machten, verbunden mit den jedesmaligen Ergebnissen der Eroberungen, die erstaunlichen Werke auszusühren, mit denen der Boden dieses Reiches sich bedeckte. Unter seiner Herrschaft trat, wie in dem laufenden Wochenabschnitt berichtet wird, an Stelle wandelbarer Zugeständnisse und aller andern Verpflichtungen einer Kaste gegen die andere, eine so beständige und allgemeine Ordnung, als es möglich war; der Landmann wurde sicher gestellt, der freilich ein Fünftel seiner Einkünfte abgeben mußte, als Auslage für den König und die Verwaltung des Landes; sodann war es bestimmt, ihm in den Jahren der Not, die sehr oft eintraten, Nahrung und Saat zu liefern. Man wird daher begreifen, wie sich Joseph den Ruf einer hohen Weisheit erwerben konnte, wie die Egypter, statt sich darüber zu beklagen, daß er sie beraubt habe, und statt ihn zu verwünschen, es anerkannten, daß dieser Mann ihnen das Leben gerettet habe, wie sie an allen Schmerzen dieses Staatsdienstes teilnehmen und die ehrerbietigsten Erinnerungen an ihn bewahren konnten, bis zu der Zeit, wo neue Umwälzungen des Staats eintraten und neue Königshäuser zur Herrschaft kamen. Was Herodot über Sesostris berichtet, dient zum Beleg. Dieser König war, wie es nach den Hieroglyphen ausgemacht scheint, der Sohn des Fürsten, der im roten Meer den Untergang fand. Die Regierung seiner Vorgänger hatte große Stürme bestanden, und seit der Rückkehr des Königshauses, das Joseph nicht kannte, war die Form der Staatsverwaltung umgeändert worden. Sesostris aber stellte, um sich die Liebe der Egypter zu gewinnen, die Teilung der Ländereien wieder her, jedoch mit Vorbehalt großer Schenkungen für die Kriegerkaste und bestimmte von den Einkünften des Landes nach dem Beispiel des jüdischen Ministers eine Summe zur Entschädigung derer, deren Eigentum der Nil verwüsten würde. (Herodot lib. II.) Und doch verschlug es nichts dabei, daß Joseph, an dessen Namen die glänzendsten Denkmäler Egyptens sich knüpften, wie seine Brüder an Glauben und Sitten von den Egyptern sich unterschied. Wann Joseph bei seiner Erhebung durch Pharao die Prieftertochter „Osnath" heiratet, die selbst einen äthiopischen Namen hat (r^Ott-schön ) so führten seine unmittelbaren Söhne semitische Namen. Aus diesen Beispielen haben unsere Brüder stets Kraft und Ausdauer für ihre schwere Prüsungszeit geschöpft; nie haben sie zur Untreue oder zum Ungehorsam sich Hinreißen lassen, auch gegen den Staat, der die schwersten Bedrückungen auf sie häufte; sie arbeiteten vielmehr, so weit es ihnen gestattet war, überall an seinem Heil und Gedeihen, eingedenk der Lehre, die der Prophet Jeremia ihnen gegeben: Und sorget für das Wohl der Stadt, wohin ich euch vertrieben, und betet für sie zum Ewigen, denn in ihrem Wohl wird auch euer Wohl sein." Die 7. freie Kochten; der bayerischen Rabbiner nnd die Kehrer. Aus Bayern wird uns geschrieben: Die Nr.47 dieses Blattes brachte einen Bericht über die 7. freie Konferenz der bayerischen Rabbiner, die das Wohlwollen der Herren Rabbiner gegenüber den Lehrern in eigenartigem Licht zeigte. Es heißt in dem Referat nach kurzer Erwähnung der aktuellen und wichtigen Zeitsragen, die so nebenbei erwähnt sind: „Infolge bekanntgewordener Mißbräuche sprach die Konferenz auf gegebene Anregung den Wunsch aus, daß die Vertretung bei Trauungen nur solchen Persönlichkeiten übertragen würde, die im Besitze einer Hattorath-Haurooh sind. Als „geeignete Substitute" bei Beerdigungen (im

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