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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-10-20 · 42 (20.10.1899) · p. Seite 669

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
42 (20.10.1899)
Date
1899-10-20
Page
Seite 669 (sequence 22)
Language
German
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Nr. 42. Israelitische Wochenschrift. Seite 669. Der Vizegouverneur des Nordwestgebiets von Kanada hat den Lehrer Holdston zum Friedensrichter ernannt. Es ist hierzulande das erste Mal, daß dieser Posten von einem Juden bekleidet wird. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Der bisherige Direktor des Philantropin in Frankfurt am Main, Dr. Bärwald hat den Roten Adlerorden 3. Klasse erhalten. — Professor Graziadio Jesaia As coli, der berühmte Mailänder Philologe, hat kürzlich seinen 70. Geburtstag - gefeiert, zu dem ihn König Humbert auf das herzlichste beglückwünscht hat. Von seinen Mitbürgern sind dem Gelehrten die aufrichtigsten Ehrungen zu Teil geworden, die Stadtvertretung hat die Straße, in der Professor Ascoli in Mailand wohnt, nach ihm benannt. Der Name des greisen Philologen ist in ganz Europa bekannt. Professor Ascoli ist korrespondierendes Mitglied der Akademien von Berlin, Wien, Paris, Petersburg, Madrid, Rom und Pest. Im Jahre 1889 wurde er von König Humbert zum Senator ernannt. Professor Ascoli ist wiederholt Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Mailand gewesen und steht an der Spitze der meisten jüdischen Wohlfahrtsanstalten. — Die Schwester Heinrich Heine's, Frau Charlotte Embden in Hamburg, von deren Erkrankung wir in voriger Nummer gemeldet haben, ist am vergangenen Samstag, kurz vor ihrem 99sten Geburtstag, gestorben. Am Mittwoch fand die Beerdigung auf dem Friedhof zu Ottensen statt. Herr Rabbiner Dr. Leimdörfer hielt im Hause der Verblichenen die Gedächtnisrede. — Der als Orientreisender bekannte englische Oberst Goldsmid ist zum Generaladjutanten von Aldershot ernannt worden. Diese Stellung ist die höchste, die ein Oberst im Generalstab erreichen kann, und bei den augenblicklichen Mobilisirungsarbeiten besonders verantlich und anstrengend. Es giebt im ganzen englischen Heer nur drei solche Stellungen: in Aldershot, in Dublin und in Malta. — Der einzige Sohn des bekannten aschkenasischen Oberrabbiners Samuel Salant in Jerusalem, Rabbiner Benisch Salant, ist nach kurzer Krankheit im Alter von 63 Jahren gestorben. — Herr Louis Wolfs in Hamburg, Chef des bekannten gleichnamigen Bankhauses, bis vor kurzem Mitglied des Gemeindevorstandes und Vorsitzender des deursch-israelitischen Synagogenverbandes, langjähriger Leiter des Armen- und des Begräbniswesens, ist am Dienstag gestorben und am Donnerstag auf dem alten Hamburger Friedhof auf dem Grindel beigesetzt worden. Vakanzen. Myslowitz. Semin., mus. u. gesangl. geb. Rel.-L., C. 1800 M. Anfangsgeh. Meid, an Kuznitzky. — Kob y l in. C., Balk., Sch., 900 M. Geh., fr. W., 750—900 M. Nebeneink. Meld. an Siegfried Kallmann. — Vom st. Rel.-L., C., Sch., 750 M. Geh. Meld. an Max Halpert. — Schötmar i. Lippe. Rel.-L. u. Vorb., ledig, 900 M. Geh. Meld. an Theodor Hamlet. — Niederhagenthal, Ober-Elsaß. Relg.-L , Vorb , Sch., ledig, 1200 M. Eink. Meld. an Rabb. Dr. S. Schüler in Hegenheim, Ob.-Els. — Frankenau. Rel.-L. 900—1000 M. Eink., fr. W. Meld. an Prov.-Rabb. Dr. Munk. — Breidenbach. Rel.'L., ledig, 800-900 M. Geh. Meld. an Prov.-Rabb. Dr. Munk. — Großosth eim in Bayern Rel.-L., Vorb., Sch. Meld. an Emanuel Gärtner. — Jarotschin. Vorb., Balk., Sch., 1600 Mk. Geh., fr. W. Meld. an A. Adler. Feuilleton. Kettenglieder. Erzählung von Elise Orzeszko. Deutsch von S. H o r o w i tz. Kaum begann die frühe Winterdämmerung den die Dächer und die Straßen bedeckenden Schnee dunkelgrau abzutönen, als die Fenster eines großen Hauses mit reicher Fassade in einem Lichtmeer erstrahlten. Aus goldigem Hintergründe zeichneten sich schwere Fenstervorhänge, schlanke Lampenpostamente, Pflanzengruppen und die vorübergehenden Silhouetten menschlicher Gestalten ab. Als in der Straße das Wagengerassel verstummte, vernahm man durch die doppelten Fenster die leisen Töne eines Klaviers. Es war leicht zu erraten, daß sich dort Leute unterhielten; daß man sich nach der üppigen Tafelsreude die schnellfüßige Zeit mit Musik und Konversation vertrieb. Vor dem Portale hielten mehrere schön geschirrte Equipagen, deren livrierte Kutscher teils, den Kopf hängen lassend, schlummerten, teils ihre erstarrten Hände zu wärmen versuchten. Da erschien unter der Einfahrt ein befrackter Lakai und erteilte den Kutschern den Befehl, nach Hause zu fahren. Die Wagenräder knarrten im Schnee, die stampfenden Vollblutpferde griffen tüchtig aus und die Karossen trabten schnurgerade durch die Straße, in der eben zwischen dem noch bläulichen Himmel und dem in Zwielicht gehüllten Schnee zwei Laternenreihen angezündet wurden. Da wurde es in der Gaffe still, nur ab und zu sauste ein Einspänner-Schlitten mit schwachem Schellengeläut vorüber; auf die schneebedeckten Bürgersteige fluteten aus den Schaufenstern der Geschästsläden unbewegliche Lichtstreisen, die Profile der Paffanten beleuchtend. Aus dem Portal des erwähnten hell erleuchteten Hauses trat ein Mann, dessen wallender weißer Bart sich wie ein Brusttuch aus Schnee ausnahm. Ein Pelzmantel mit kostbarem Pelzkragen hüllte seine hohe, schon etwas nach vorn gebeugte Gestalt ein; der Rand seiner Pelzmütze berührte die. goldene Brilleneinsaffung. Seine Kleidung, die Bewegungen und die Art, wie er seine Handschuhe anzog, kennzeichneten ihn als zu den höchsten Gesellschaftskreisen gehörend. Der beschleunigte Schritt, mit dem der Herr übers Trottoir dahinschritt, stand mit den sonstigen Merkmalen seines Alters in Widerspruch. In diesem Schritte und in anderen Bewegungen drückte sich eine gewisse Ungeduld aus, etwas wie der Wille, das verlassene Haus so schnell wie möglich hinter sich zu haben. Denn so oft in den Salons seiner Tochter das leichte, nichtssagende Gesellschaftsgeplauder ertönte und in den Wohnräumen seines Schwiegersohnes die Spieltische gerichtet wurden, verspürte der alte Herr regelmäßig Unbehagen, Mißmut und Langweile, und wenn es irgend anging, verließ er dann ihr Haus, das auch das seine war. Hat er alternd den Sinn für dieses Treiben verloren oder hat sich die Welt von ihm abgewandt? Er kann die Lebensweise dieser jungen Generation nicht

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