Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 42 (20.10.1899)
- Date
- 1899-10-20
- Page
- Seite 668 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 668. Israelitische Wochenschrift. Nr. 42. daß die Provinzialversammlung am 22. November in Berlin stattsinden werde, und forderte zu zahlreicher Beteiligung aus. — Darauf referierte Herr Hirschseld über „Auerbach, Biblische Erzählungen, Band II". Er führte etwa Folgendes aus: Das biblische Geschichtsbuch soll nur das enthalten, was wirklich gelernt werden soll und was zum Verständnis des zu Lernenden notwendig ist. Gelernt bezw. gelehrt werden soll: Die Entwicklung der religiösen Idee im Volke Israel, sowie die Wirksamkeit solcher Personen und das Eingreifen solcher Ereignisse, die aus diese Entwicklung Einfluß gehabt haben. Die Träger der religiösen Idee sind die Propheten, darum muß die Prophetengeschichte in den Vordergrund treten und darf von der Kriegs¬ und Königsgeschichte nur soviel gelehrt werden, wie zum Verständnis der Propheten notwendig ist. Hieraus ergiebt sich, daß aus dem zweiten Bändchen von Auerbach sehr vieles wegsallen bezw. gekürzt und noch mehr umgearbeitet und ergänzt werden muß. Umgearbeitet werden muß beispielsweise besonders die Königsgeschichte, das Exil (Ezechiel, Jesaya II) und die nachexilische Zeit (Esra, Nehemia). Hinzukommen muß ein Auszug aus Hiob, etwas über die Geographie Palästinas, über Münzen, Maße und Gewichte, über Kalenderwesen und dergl., sowie einige Karten und Skizzen, die aber besser sein müssen als die im ersten Bändchen. — Zu loben ist die schöne Sprache des Buches, die zwar einzelne Unebenheiten 'aufweist, aber doch der wesentliche Grund ist, weshalb die Umarbeitung des Buches empfohlen wird. In der an dieses Referat sich anschließenden Debatte wurde ausgeführt, daß Auerbach sich bemüht habe, durch Anlehnung an die Sprache der Bibel diese selbst den Kindern nahezubringen, und daß darin der eigentümliche Vorzug des Buches liege. Dagegen fehle es an der nötigen Abrundung der Stücke, auch seien manche Partien zu ausführlich und könnten ohne Nachteil für das Werk zusammengezogen werden. Dadurch würde es sich auch ermöglchen lassen, aus den zwei Bändchen einen Band herzustellen. Wenn von einer Seite darauf hingewiesen wurde, daß auch das Wichtigste aus der Bibelkunde Ausnahme finden müsse, so wurde von der andern Seite diese Forderung zurückgewiesen, weil durch ihre Erfüllung ein Stoff hineingetragen werde, der für die Kinder der unteren Klassen ungeeignet sei. Es wird der Vorschlag gemacht, von seiten des Vereins Unterhandlungen mit der Verlagsbuchhandlung wegen Umarbeitung der Bücher anzuknüpfen. Da allgemein anerkannt wurde, daß die Umarbeitung des Buches eine dringende Notwendigkeit sei, so wurde der Referent ersucht, bis zur nächsten Sitzung Thesen auszustellen, in denen die Grundsätze angegeben werden, die für die Umarbeitung zu beobachten seien. Magdeburg, 18. Oktober. (Literaturverein.) Der unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Rahmer stehende hiesige Literaturverein, dessen Mitgliederzahl stetig zunimmt, hat gestern seinen winterlichen Vortragscyklus begonnen. Redakteur M. A. Klausner aus Berlin sprach über „jüdische Zeitfragen". Im November wird Herr Max Weinberg von hier eigene Dichtungen, im Dezember Herr Rabbiner Dr. Jacob-Göttingen über die gegenwärtige Stellung der Juden im geistigen Leben Deutschlands", im Januar Herr Oberstabsarzt a. D. Dr. Rosenthal über „Luther und die Juden", im Februar Herr Rabbiner Dr. Rahmer über „Kaiser und Rabbiner", im März Herr Weinberg über „Nietzsche und das Judentum" vortragen. Frankfurt a. Main, 17. Oktober. (Verein Montefiore.) Der Verein Montefiore zur Pflege der idealen Interessen jüdischer junger Leute hat sein Programm für die Monate Oktober, November, Dezember bekannt gegeben. Herr Dr. I. Heinemann spricht morgen über „die Geschichte der Juden in Spanien", acht Tage später Herr Bernhard Rosenthal über „Flavins Josephus als Feldherr, Staatsmann und Historiker", am 1. November Herr Adolf Braun über „moderne Geschästsreklame", sodann Herr Rabbiner Dr. Una-Mannheim über ein noch zu bestimmendes Thema, am 15. und 22. November Herr Dr. A. Stern über „erste Hilfeleistung bei Unglücksfällen", am 6. Dezember Herr Rabbiner Dr. Horovitz über „Göthes Faust und die heilige Schrift", am 13. Dezember Herr Ludwig Katz über „Heinrich Heine", am 20. Dezember Herr Dr. S. Neuwirth. London, 15. Oktober. (Edelmütige Stiftung.) Ein vor kurzer Zeit in Schottland verstorbener wohlhabender Christ, Namens Moufia, hat in seinem Testament die Summe von 5000 L. St. zur Unterstützung solcher armen Juden bestimmt, die um ihres Glaubens willen aus anderen Ländern haben fliehen müssen und in England eingewandert sind. Die Testamentsvollstrecker haben es für angemessen erachtet, diese Summe der Wohlthätigkeitskommission der jüdischen Gemeinde — Board of Guardians — zur zweckmäßigen Verteilung zur Verfügung zu stellen, nachdem die verschiedenstenWohlfahrtsanstalten, unter Anderen das jüdisch-russische Komitee, die Gemeinden von Liverpool, Glasgow, Leeds und Hüll — sich zur Annahme der Stiftung bereit erklärt hatten. Es ist nun von dem Board of Guardians im Einverständnis mit den Testamentsvollstreckern beschlossen worden, der jüdischen Armenkommission in Glasgow 500 L. St., dem jüdischen Darlehnsverein in Edinburg 300 L. St., den jüdischen Armenkommissionen in Hüll, Liverpool und Leeds je 400 L. St. zu überlassen und die restierenden 3000 L. St. in Gemeinschaft mit dem russisch-jüdischen Komitee zu verwalten. Paris, 15. Oktober. (Neue Oper.) Auf der Bühne der Komischen Oper wird in diesem Winter eine neue Oper aufgesührt werden, die „le juif polonais“ betitelt ist. Der Komponist ist Camille Erlanger, Chordirektor der Synagoge in der me des toumeUes, der vor einiger Zeit den ersten grand prix de Rome im Konservatorium erhalten hat. Assiniboia in Kanada, 21. September. (Aus Gemeinde und Staat.) Die unter der Leitung des Lehrers S. A. Holdston stehenden Schulen der Hirschstistung sind im August hier eröffnet worden. Die Jewish Kolonisation Assoziation hatte die Absicht, keinerlei Schulgeld zu erheben, hat sich aber der Anordnung der Schulaufsichtsbehörde gefügt, die den Standpunkt vertritt, die vollständige Befreiung vom Schulgeld würde die Eltern der Schüler ärmlicher erscheinen lassen, als es thatsächlich der Fall ist. Demgemäß wird für jedes Schulkind ein Jahresbeitrag von 2 Dollars erhoben, aber nur von sestangesiedelten Kolonisten; man hofft auf diese Weise auch das Interesse der Ansiedler an den Schulen zu heben. Am Neujahrs- und Versöhnungsfest ist in den Schulen feierlicher Gottesdienst abgehalten worden, der zahlreich besucht war.