Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 42 (20.10.1899)
- Date
- 1899-10-20
- Page
- Seite 667 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42. Israelitische Wochenschrift. Seite 667. legenheit haben, sich in dieser Zeit landwirtschaftlich zu betätigen. Die Eröffnung des Genesungsheims ist für März 1900 geplant. Für das Heim sind am Hochzeitstag des Stisterpaares bereits fast sämtliche Wirtschasts- und Einrichtungsgegenstände von Freunden und Bekannten gespendet worden. Berlin, 15. Oktober. (Pensionskasse des Lehrerverbandes.) Das Kuratorium der Pensions-Witwen- und Waisenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich hielt am 8. d. M. eine Sitzung im Bureau des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes. Anwesend waren außer der Mehrzahl der Berliner Mitglieder die Herren Rechtsanwalt Dr. Lippmann-Hamburg und Lehrer Steinhardt-Magdeburg. Nachdem der Vorsitzende Herr Rektor Dr. Adler die Versammlung begrüßt und namentlich den auswärtigen Mitgliedern für ihr Erscheinen gedankt, teilte er mit, daß zu seinem Bedauern die Eröffnung der Kaffe zum 1. Oktober sich nicht habe ermöglichen lassen, da die landesherrliche Genehmigung noch nicht eingetroffen sei. Er wies ferner aus den Uebelstand hin, daß Anträge von Einzelpersonen gestellt seien, die erst in den Lehrervereinen hätten beraten werden sollen, bevor sich das Kuratorium pflichtgemäß mit ihnen befasse. Herr Steinhardt machte darauf aufmerksam, daß bei Gründung der Kasse der Beschluß gefaßt worden sei, im ersten Jahr auch Anträge von Einzelpersonen zuzulassen. Darauf trat man in die Tagesordnung ein. Zunächst wurde über den Antrag des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands auf Abäuderung der §§ 7 und 15 der Statuten beraten. Herr Steinhardt, der diesen Antrag vertrat, führte aus, da^ von vielen Seiten lebhafte Bedenken, denen er sich anschloß, gegen die Höhe und die Art der Beiträge ausgesprochen seien. Einerseits glaube er, daß die Zahlung von 5—10°/o des nachgewiesenen Gesamteinkommens eine zu hohe Belastung für die Mitglieder und für die zum Teil an ihre Stelle tretenden Gemeinden sei, weil namentlich die Gemeinden chei einer Gehaltssteigerung doppelt belastet würden; andrerseits sei es überhaupt mißlich, an der prozentuale Besteuerung sestzuhalten, denn wenn man bei dieser Art der Besteuerung bleibe, könne bei den mangelhaften statistischen Unterlagen niemals eine feste Basis für die Kasse geschaffen werden; überdies sei die Belastung des Einzelnen im Verhältnis zu den Leistungen der Kasse zu hoch. Darum schließe er sich dem vorliegenden Anträge aus Festsetzung fixierter Beiträge an, die je nach dem Lebensalter von 60 auf 120 Mark steigen; ja er gehe noch weiter und wünsche, daß die Beiträge auf 50 bis 100 Mark festgesetzt würden. Was die Hilfskasse betreffe, so sei es unzweifelhaft, daß diese den Mitgliedern an Pensionen weit weniger bieten würde als die Pensionskasse; daher sei es ungerechtfertigt, hier die gleichen Beiträge wie bei der Pensionskasse zu erheben, vielmehr müßten die Beiträge wesentlich ermäßigt werden, wenn es überhaupt Mitglieder der Hilsskasse geben solle. — Der Korreferent Herr Hauff trat den Anschauungen des Referenten bei und wies noch daraus hin, daß der § 7 leicht zu Streitigkeiten führen könne, da aus ihm nicht ersichtlich sei, ob es sich um das Diensteinkommen oder um das Gesamteinkommen in steuerlichem Sinne handle, so daß auch alle aus nichtamtlicher Thätigkeit herrührenden Einnahmen mit einbezogen werden müßten. Er plädierte namentlich für die Mitglieder der Hilfskasse, die schon an sich Berücksichtigung verdienten, weil sie durch unverschuldete Verhältnisse gezwungen würden, der Hilfskasse statt der Pensionskasse beizutreten. — Der Vorsitzende erklärte, daß die geäußerten Bedenken gewichtig genug seien, um eine Aenderung des § 7 wünschenswert erscheinen zu lassen, doch hielt er es für notwendig, an der prozentualen Besteuerung sestzuhalten; die Hilfskasse würde seiner Ansicht nach hauptsächlich auf die Beiträge ihrer Mitglieder angewiesen sein und würde bei geringen Einzahlungen nur Ungenügendes leisten können. Herr Professor Dr. Philippson wünschte, daß versicherungstechnisch noch einmal geprüft werde, ob der Prozentsatz des Beitrages sich nicht ermäßigen ließe; an den prozentualen Beiträgen solle unbedingt festgehalten werden, da gerade die der Unterstützung Bedürftigsten, nämlich die Lehrer in kleinen Gemeinden, nie die Aussicht haben würden, bis zu 100 bezw. 120 Mark zur Kasse beizusteuern. — Herr Direktor Haberland machte daraus aufmerksam, daß gegen die prozentuale Besteuerung das Schwanken des Diensteinkommens spreche; bei der Gewichtigkeit der geäußerten Bedenken halte er es für zweckmäßig, von einer Beschlußfassung zunächst abzusehen und den Antrag durch eine aus 3 Mitgliedern bestehende Kommission eingehend prüfen zu lassen. — Herr Rechtsanwalt Dr. Lippmann meinte, daß an der prozentualen Besteuerung unbedingt sestzuhalten sei, weil sie die einzige Art der gerechten Verteilung der Lasten sei; doch wünscht er, daß in § 7 statt „Diensteinkommen" „Erwerbseinkommen" gesetzt werde, damit auch das Nebeneinkommen ähnlich wie bei der staatlichen Steuereinschätzung getroffen werde. Dagegen ist er für Einführung fixierter Beiträge bei der Hilsskasse. — Nachdem noch Herr Handelsrichter Lustig den Antrag Haberland dahin modifiziert hatte, daß die zu wählende Kommission aus dem Vorsitzenden, den beiden Referenten und einigen von diesen zn kooptierenden Mitgliedern bestehe, wurde der Antrag Haberland mit dem Amendement Lustig angenommen. Der Antrag Peritz auf Aenderung einer ganzen Anzahl Paragraphen der Statuten, desgleichen der Antrag des Lehrervereins „Mendelssohn" zu Hamburg wurden, da sie zu spät eingegangen waren, als daß die bestellten Referenten sich eingehender über sie hätten äußern können, der gleichen Kommission überwiesen. — Am Schluß berichtete der Schatzmeister Herr Lustig über den Kassenbestand und erklärte sich bereit, mit der Bank, bei der die Gelder gegenwärtig deponiert sind, wegen einer besseren Verzinsung zu unterhandeln. Berlin, 17. Oktober. (Wissenschaftlicher Verein jüdischer Schulmänner.) In der am Sonntag voriger Woche stattgehabten ordentlichen Sitzung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" gab der Vorsitzende, Herr Rektor Dr. Adler, zunächst Kenntnis von dem Anerbieten des Herrn Professor Dr. Tachau, in den Weihnachtsserien einen Vortrag „über den jüdischen Religionsunterricht mit vorwiegender Berücksichtigung der höheren Schulen" zu halten, und von der Bitte des Herrn Müller-Müllheim (Baden) um Besprechung seiner Bücher. Das Anerbieten des Herrn Professor Dr. Tachau wurde mit Dank angenommen, für die Müllerschen Bücher wurden die Herren Falkenberg und Hirschfeld als Referenten bestellt. — Der Vorsitzende teilte ferner mit,