Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 42 (20.10.1899)
- Date
- 1899-10-20
- Page
- Seite 666 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Israelitische Wochenschrift. Nr. 42. Seite 666. Nummer mitgeteilten Resolution, betreffend den jüdischen Religionsunterricht. Die Resolution hat im Ausschuß eine etwas veränderte Fassung erhalten. Die Mitglieder des Ausschusses seien, so führt der Referent Professor Blaschke aus, darin einig gewesen, daß das, was in der Resolution als erstrebenswert hingestellt worden sei, auch erreichbar sei, ferner darin, daß die in der Resolution ausgestellten Gesichtspunkte für die weiteren Verhandlungen und die Maßnahmen, die seitens des Vorstandes getroffen werden sollen, zweckentsprechend seien. Nicht einig sei der Ausschuß darin gewesen, ob die Resolution als solche angenommen werden, oder ob sie nicht die bestimmtere Form eines Antrages erhalten solle. Der Vorschlag einiger Mitglieder, in die Einleitung der Resolution noch einen Dank „für die seitens des Gemeindevorstandes bethätigte Fürsorge" anzunehmen, sei sowohl in dieser Form wie in einer ähnlichen eines zweiten Antrages abgelehnt worden. In überwiegender Mehrheit sei man der Ansicht gewesen, daß eine Resolution zwar fromme Wünsche enthalte, aber nicht die Garantie, daß die Angelegenheit beschleunigt werden solle. Deshalb habe man sich dahin geeinigt, ei.'en Antrag Lewin anzunehmen. Darnach lautet die Einleitung der Resolution: „Die Repräientanten-Versammlung nimmt von dem Bericht des Königlichen Provinzial- Schulkollegiums und dem darin zum Ausdruck gebrachten Interesse für den jüdischen Religionsunterricht Kenntnis und beschließt, eine Kommission aus sieben Mitgliedern des Schul- und Talmud'Thoravorstandes m.t dem Recht der Kooptation zu ernennen. Der Ausschuß bitte, den Eingangspassus in der vorgeschlagenen Form, die nunmehr einen bestimmten Antrag enthalte, anzunehmen. Kommerzienrat Friedländer beantragt, die seit langer Zeit bestehende Kommission für den jüdischen Religionsunterricht mit der Ausgabe zu betrauen, die Punkte der Resolution einer Beratung zu unterziehen und der Repräsentanten-Versammlung spätestens nach drei Monaten Bericht zu erstatten. Vom Vorstandstisch aus hält Dr. Lachmann den Antrag Friedländer für zweckentsprechend. Er giebt einige Daten über die Arbeiten der genannten Kommission. Der Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht in den Volksschulen sei nach angestrengter anderthalbjähriger Thätigkeit der Kommission nunmehr fertig gestellt und so gut entworfen, daß man eigentlich ein Hilssbuch vollständig entbehren könne. Bezüglich eines Lehrplanes für höhere Schulen wolle man nicht eher in Beratungen eintreten, als bis der Plan für die Volksschulen von der Gemeindeverwaltung genehmigt worden sei. Betreffs des Planes für höhere Mädchenschulen gingen die Ansichten noch auseinander, da einige Mitglieder der Kommission, zu der alle Rabbiner, die Direktoren der Gemeindeschulen wie auch der Religionsschulen hinzugezogen worden seien, den Lehrplan für die Volksschulen hier Platz greisen lassen wollten. Professor Lewin beantragt nach diesen Mitteilungen, die Resolution, die nur ganz elementare Sätze enthalte, zu vertagen, bis die genannte Kommission über ihre Thätigkeit Bericht erstattet habe. Herr Dr. Lachmann bittet, die Resolution dieser Kommission als Material zu überweisen, womit Professor Lewin sich einverstanden erklärt. Prosessor Blaschke ist der Ansicht, daß, so lange elementare Dinge nicht durchgesührt wären, sie immer von neuem wiederholt werden müßten. Deshalb hätten Landgerichtsrat Löwe und er es nicht für überflüssig gehalten, diese ganz elementaren Dinge genau zu fixieren und zur Grundlage einer Beratung zu machen. Er sei bereit, aus den Vorschlag einzugehen, die Resolution der bereits bestehenden Kommission als Material zu überweisen. Bei der Abstimmung wird der Antrag des Ausschusses und der Antrag Lewin mit Stimmengleichheit abgelehnt, der Antrag Friedländer wird angenommen. — Die übrigen Vorlagen der Tagesordnung fanden schnelle Erledigung. In die gemischte Kommission zur Vorberatung der Frage, betreffend Aenderung des Krankenhausstatuts, wurden durch Stimmzettelwahl die Herren Professor Blaschke, Prosessor Baginsky, Justizrat Apolant und Stadtrat Weigert delegiert. Für die Einrichtung der Religionsschule in der Lützowstraße wird der Betrag von 409,30 Mk. nachbewilligt. An Subventionen werden nach dem Referat des Herrn Leonhard Sachs genehmigt: an den Religionsverein der Oranienburger Vorstadt 1000 Mark zur Beihülse zu den durch den Synagogenneubau entstandenen Kosten; 150 Mark an den israelitischen Kinderverein in Rixdors und endlich 300 Mark für das jüdische Kinderheim. Der Ausschuß hatte diese Subvention abgelehnt, der Gemeindevorstand aber die Bewilligung wieder beantragt. Auf Wunsch des Dezernenten des Gemeindevorstandes wird alsdann Punkt 6, der nur Rechnungsabschlüsse für 1898/99 betrifft, von der Tagesordnung abgesetzt und die öffentliche Sitzung geschlossen. Berlin, 18. Oktober. (Berufung des Dr. Adler.) An Stelle des Herrn Bärwald ist Herr Rektor Dr. Adler zum Direktor des Philanthrop in in Frankfurt am Main einstimmig gewählt worden. 8. Berlin, 16. Oktober. (Genesungsheim), lieber das in unserer vorigen Nummer bereits erwähnte, von dem Louis Sächsischen Ehepaar aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit gestiftete Genesungsheim ist noch Folgendes zu berichten: Das Heim ist zur Aufnahme von Rekonvaleszenten, zunächst Frauen, bestimmt, die bisher in kleiner Zahl in Briefen bei Birkenwerder in gemieteten Räumen untergebracht waren. Das stattliche Gebäude wird sich, in gefälligem Schweizerstil errichtet, inmitten eines 7 Morgen großen, von dichtem Tannenwald umstandenen, etwa 15 Minuten von der Bahnstation Lehnitz unweit Oranienburg belegenen Terrains erheben. Es ist für 50—70 Rekonvaleszenten bestimmt. Im Souterrain werden sich die Wirtschastsräume, die Küche und sehr ausgedehnte Baderäume befinden, im ersten Stockwerk die Wohnräume für die Oberin und Schwestern, der große Speisesaal, Unterhaltungs- und Lesezimmer, während in der zweiten Etage und dem Dachgestoß die Schlassäle sein werden. In jeder Etage sind geräumige offene Hallen vorgesehen, die den Insassen bei schlechtem Wetter zum Aufenthalt dienen können. Aus der Rückseite befindet sich eine große gedeckte Terrasse, die waldwärts gerichtet ist, die vordere Ansicht gewährt einen Blick aus den malerisch schön gelegenen Lehnitzsee. Das Heim wird riügs von einem Ziergarten mit Springbrunnen umschlossen sein. Dicht neben dem Gebäude wird ein großer Obst- und Gemüsegarten angelegt, so daß die Rekonvaleszenten, deren Aufenthalt meist auf 4—6 Wochen bemessen wird, Ge-