Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 1899 (1899)
- Issue
- Wissenschaftliche Beilage Nr. 10 (10.1899)
- Date
- 1899-10-01
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
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79 ״schajaamol thachath haschamesch“, würdig des Menschen Unter der Sonne, würdiger als der einseitige Sinnengenuß, der weder ״tob" noch ״jafeh“ genannt zu werden verdient; nicht gut, weil nicht bleibend, nicht schön, weil ihm Maaß und innere Harmonie fehlt. Du sagst, ich weise hin auf ״oschar schamur“, dem im Jenseits erwarteten Reichtum, das ist falsch: Ich will das Gute und Schöne für hier und dort offenbaren. Du sagst, um vollkommen zu sein, bedürfte es ״lekajem kol hatbora kulla“, der Erfüllung der ganzen Lehre Gottes, was nicht möglich ist; ich sage: Nein, ״kemisspar jeme chajow bechol jom jaasse poal maalah“. Alles Halten, ist dem Einzelnen nicht möglich, aber ״nach Zahl seiner Tage" jeden Tag zu thun, was Gott in seiner Lehre als edles, frommes Werk vorgeschrieben und sich von der Sünde zu entfernen, sodaß er bei der Beurteilung seiner Handlungen nach Maaßgabe seiner Zeit und Kräfte, die der Zahl — ״misspar“ hienieden unterworfen sind, sagen dürfte: Die Waagschale des Guten ״sachijoth", überwiege bei ihm die des Bösen: Das ist ״chelko“, des Menschen Anteil. Das kann und soll er erreichen. 2. Was Du vom Genuß redest, das liegt überhaupt nicht an des Menschen Mühen, sondern an Gottes Güte: Seiner Gnade hat der Mensch zu danken, wenn er irdischen Besitz sein nennt, und wenn er ״hischlit“, frei verfügen kann und ״herrscht" über das, was er genießt. Du Koheleth, meinst: Wer hier in Askese und Finsternis verweilt und sich Opfer um des Jenseits willen auferlegt, hat, sofern er die ganze Gotteslehre erfüllt, Seligkeit zu erwarten. Ich sage: Nein; auch wer hier gut ißt uud trinkt, aber das Gute und Schöne zugleich in Gott erblickt, empfängt die Seligkeit; ist doch auch das irdische Gut von Gottes Gnade abhängig. Du sagst, es ist ein krankhaftes Uebel, daß kein Kind^ etwas in seiner Hand trägt und behält von der Mühe dessen, der sich aus das Jenseits vorbereitet —; ich sage: Nein: ״welasseth chelko“, das Greisen, Fassen und Tragen des irdischen Anteils ist auch, ist ebenso eine ״matthath elohim“, Gnadengabe Gottes wie ״lismoah baamalo“, sich zu freuen an seiner Mühsal. — Aber nicht allein der hienieden besitzt und genießt, auch der Heimgesuchte, der bittere und durch Leid verkürzte Tage lebt, strebe nach geistiger Vollkommenheit dnrch das Erfüllen der Gotteslehre. Er klage nicht wie Koheleth, daß ״kol jamaw machobim", alle seine Tage schmerzvoll seien, und werfe auch nicht ein, daß die Leiden und Qualen rc. ihn abhalten von der Erreichung der Seligkeit. Nein. 3. ״Ki 10 harbeh“, ״ki im“: Wenn nicht viel sind seine Tage oder Güter oder Genüsse und Freuden hier, ״ji3kor eth jeme chajaw", so gedenke er nicht der beschränkten Zahl, ״misspar", sondern der Tage seines Lebens überhaupt, daß er ein ewiges Leben als sein Leben betrachte, oder er gedenke, daß mit seinem beschränkten diesseitigen Leben es Gott nicht daraus ankomme, ob er äußere Freuden genießen werde, sondern ״besimchath libbo“, daß sein Inneres Freude empfinde. Dieses ist aber der Fall, wenn die Gotteslehre nach Maßgabe seiner Zeit und Kräfte ihn zur Vollkommenheit führt. ״Häelohim maaneh“ heißt: Gott weist vorwiegend hin, etwa wie: ״hakessef jaaneh", Gold überwiegt; doch kann es auch die Bedeutung haben, Gott antwortet, das heißt weist den Frager hin oder bedeutet ihm auf seine Einsprache warum der guten Tage so wenig seien, ״ki 10 harbeh?", daß die Frommen in ihrem Unglück kein Unglück erblicken, weil der Genuß bei ihnen nicht abhängig ist vom Viel oder Wenig der Tage und Besitztümer, sondern von der ״Freude des Innern". Und gewährt auch die Beschäftigung mit der Gotteslehre nicht viel in die Augen fallende Wonnen: Bet Gott überwiegt, gilt mehr die ״simchath libbo", die Seligkeit des Herzens. Jbn Baruch fügt hier hinzu: ״Häelohim maaneh besimchath libbo schetistameach bedibre häelohim daj 10 basch linchol chaje olam habbah". Wenn das Herz sich freut mit den Worten Gottes, so genügt ihm in der Finsternis des Erdenlebens der Gedanke des einstigen Besitzes des ewigen Lebens. Kapitel XII. Selbstverautwortlichkeit. Wie kannn man den Menschen für etwas Böses verantmachen? Kann er doch die Vollkommenheit nie erreichen, weil Gott ihn und seinen Geist nur sehr mangelhaft in die Welt gesetzt. Text: Jesch raah ascher rai'thi thachath haschemesch werabah hial haadam. Isch ascher jithen lo häelohim oscher mechassim wechabod weenennu chasser lenafscho mikkol ascher jithaweh welo jaschlitenu häelohim leechol mimennu ki isch nachri jochlennu seh hcbel wechaliw ra hu. Im jolid isch meah weschanim rabboth jichjeh wer ab schejihju jeme schanaw wenafscho 10 sissba min hatobah wegam keburah lo hajethah lo amarthi tob mimenu hannafei. Ki bahebel ba ubachoschech schemo jechusseb. Garn schemesch lo raah welo jada nachath laseh miseh. Weilu hajah elef schamim paamajim wetobah lo raah halo el makom echad kakkol holech. Kol amal haadam lepihu wegam hanefesch lo simoleh. Ki mah josser lechacham min hakkesil mah leani jodea lahaloch neged hachajim. Tob mar eh enajim mehalach nafesch gam seh hebel ureuth mach. Uebersetzung: 1. Es ist ein Uebel, das ich sah unter der Sonne, und schwer liegt es (wie ein Geschoß) auf dem Menschen. 2. Einen Mann (sehe ich), dem Gott giebt Reichtum, Güter und Ehre, und da sollte es an seiner Seele nicht fehlen? Durch alles (Befriedigung), wonach er gelüstet? Und Gott läßt seine Seele nimmer Herrschen über die Genüsse, um von ihnen zu genießen (in Freiheit), weil der (der Seele) fremde Mannesteil (der Leib) es verzehrt. Das ist nichtig und ein krankhaft Uebel. 3. Und wenn der Mann hundert (Pläne) zeugte und viele Jahre lebte, und groß sich gestalteten die Tage seines Lebens, aber seine Seele ist nicht satt von all dem Guten, (weil sie dem Zwange nur folgt), o noch, bevor ihm ein Begräbnis geworden, sprach ich: Besser als ihm ergeht cs der Fehlgeburt.