Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 1899 (1899)
- Issue
- Wissenschaftliche Beilage Nr. 10 (10.1899)
- Date
- 1899-10-01
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
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Koheleth. %*lt: Ra'ithi eth kol hachajim hamhalchim thachath haschemesch im hajeled hascheni ascber jaamod thachtaw. En kez lechol haam lechol ascher haja lifnehem gam haachronim lo jismechu bo ki gam seh hebel werajin ruach. Scbemor raglecha kaascber thelech el betb haelohim wekarob liscbmoa mitheth hakesilim sabach ki enom jodim laassoth ra. Al tebahel al picha welibcha al jimaher lehozi dabar lifne haelohim ki haelohim baschamajim weatha al baarez al ken debarecha meattim. Uebersetzung: 1. Ich überschaute alle Lebenden, die da abwärts wandeln (immer tiefer hinabsteigen) unter der Sonne, (sinken) mit dem folgenden Geschaffenen, welches unter ihm steht (stufenweise niedriger zu kommen). 2. Kein Endziel (für die Stufen) der Gesamtheit des Menschenvolkes in Anbetracht aller (Stufen), die vor ihnen waren. Auch die nachfolgenden Letzten werden sich an einem (höheren) Endziele nicht erfreuen. Denn auch dieses (Vollkommenheitsstreben) ist eitel und windiger Gedanke. 3. Hüte (darum) Deinen Fuß, wenn Du gehst in Gottes Haus (Du erreichst mit Deiner Frömmigkeit keine höhere Stufe), nahe liegt es da anzuhören von den Opfergaben der Thoren, obgleich sie nicht wissen, Böses zu thun. (Wozu also bei solcher Unwissenheit Opfer?) 4. Uebereile Dich nicht, über Deinen Mund (Gebete) zu bringen, und Dein Herz eile nicht, auszusprechen ein Wort vor Gott; denn Gott ist im Himmel, und Du stehst aus der Erde (aus niedriger Stufe)! Daher sollen Deine Worte (vor Gott) nur wenige sein Erklärung: 1. Koheleth meint: Die Stufe des Menschen ist eine umso niedrigere, je mehr sie sich dem Tode nähert; bei der Geburt steht die Seele Gott viel näher. Denn alles Lebende ist von der Geburt an immer zu tieferen Abstieg — ״bolcbim wenifsadim“ — bestimmt. Diese ״abwärts Wandelnden" können sich nie zu höheren Stufen ausschwingen, sondern ״im jeled hascheni: ascher jaamod tachtaw — hamadrega ascher thachtheha“, sie gehen mit dem folgenden Geschöpfe, das unter ihnen steht. 2. ״En kez lemadregoth ascher jesch mehatchala« — endlos seien die Stufen seit dem Anfänge, also ist die Seele des gewöhnlichen Volkes in der Gesamtheit ״lechol haam״ gar sehr niedrig in Anbetracht, dgß vor ihnen so sehr viel höhere Stufen gewesen. Wie könnte diese Volksseele also ein höheres Ende erreichen und an Vollkommenheit denken? ״En kez«; nein, es giebt kein solches höheres Endziel und noch weniger dürften sich die ״Späteren", weil sie noch weiter von der Gottheit sich entfernen, dieses Endes freuen. Vollkommenheit der Seele ist ״hebel«, nichtig und eitler Kindergedanke. 3. Daraus folgt, daß der Gang ins Gotteshaus sehr bedächtig sei, daß es Thorheit wäre, was ja sehr nahe liegt und leichtverständlich, ״wekarob liscbmoa«, sich hiervon ein Höhersteigen zu Gottes Nähe zu versprechen, wie es die Thoren thun, indem sie sich von ״Opsergaben" solches versprechen. Thorheit, die nicht verstehen Böses von Gutem zu unterscheiden, also nicht das ״Wissen des Bösen" haben; was sollte das Opfer ihnen bieten? Wer ein Opfer bringt, weil er das Böse erkannt hat und bereut, dem frommt es, aber die ״enom jodim laassoth ra״, die Thoren, denen jede Erkenntnis abgeht und die Menschen alls der oben geschilderten niedrigsten Stufe, sind alle ״kesilim«; was soll's mit den frommen Opfern? 4. Was soll's auch mit dem Beten, das des Opfers Stelle vertritt, oder auch mit Worten, Verträgen und Forschungen von Dingen über Gott, von denen so Viele ihre Vollkommenheit erwarten? Nicht um einen Schritt kommt der Menschengeist durch sie weiter, höher oder gar zu Gott! Zu weit ist der Himmel von der Erde entfernt: ״Denn Gott ist oben und Du stehst tief unten!" Daher ״al taharos laaloth ki en bechekcha lehassig«, dränge Dich nicht vor, ״eile" nicht, um zu Gott zu gelangen; Du vermagst es doch nicht. Deine Worte seien wenige, weil sie ״meattim« — meathe haerech“, geringen Wertes sein werden. Weil keine Vollkommenheit möglich, darum ist alles religöse Uebung, irrelevant. Also Koheleth. Ben David. Text: Ei ba hachalom berob inj an wekol kesil berob debarim. Kaascher tiddor neder lelohim al teachar leschalmo ki en chefez bakesilim eth ascher tiddor schalem. Tob ascher 10 tiddor mischetiddor welo teschallenu. Al thitten eth picha lachti eth besarcha weal thomar lifne hamalach ki schegagar li lama jikzof haelohim al kolecha wechibbel eth maasseh jadecha. Ki berob chalomoth wahabalim udebarim harbeh ki eth haelohim jera. Im oschek rasch wegesel mischpat wezedek tireh bamdine al tithma al hachefez kigaboha meal gaboha schomer ugebohim alehem. Wejithron erez bakkol hi melech lesade neebad. Oheb kesef lo jisba kesef umioheb behamon lo tebua gam seh hebel. Birboth hatoba rabbu ochleha uma kischron libalcha ki im reoth enavv. Methuka schenath haobed im meat im harbeh jochal wehassaba leaschir enennu meniach lo lischon. Uebersetzung: 1. So wie da kommt der Traum durch die Uebersülle der Denkthätigkeit, also kommt die Stimme des Thoren durch die Uebersülle (leerer) Worte. (Das geht auf Koheleth; dem gegenüber ich Dir sage:) 2. Wenn Du ein Gelübde thust für Gott, so säume nicht, es zu erfüllen, denn er hat kein Wohlgefallen an den Thoren, was Du gelobt, bezahle! 3. Besser, daß Du nicht gelobst, als daß Du gelobst und nicht bezahlst. 4. Gieb nicht Deinen Mund her, zu versündigen Dein Fleisch und sprich nicht, daß ich die Seele vor den Engel stelle, daß dieses ein Irrtum sei. Warum soll Gott zürnen über Deine Stimme und verderben das Werk Deiner Hände. (Letzteres aber erfolgt,)