Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 1899 (1899)
- Issue
- Wissenschaftliche Beilage Nr. 10 (10.1899)
- Date
- 1899-10-01
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
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74 chabero wßilo haechad schejippol ween scheni habekimo. Garn im jischkebu schenajim wecham lahem ulechad ech jecham. Weim jitkefo haechad haschnajim jaamdu negdo wehachut kamschulosch 10 bimherah jinathek. Tob jeled misken wechacham mimelech saken ukesil ascher 10 jada lehisaher od. Ki mibeth hassurim jaza limloch ki gam bemalchutho nolad rasch. Uebersetzung: 1. Gut sind die Zwei, die aus dem Einen hervorgingen, denen beiden ein guter Lohn zu Teil wird an ihrer Mühe. 2. Denn wenn sie fielen, könnte der eine (Teil) den andern ausrichten, wäre es aber nur Einer, der da fiele, so gäbe es keinen Zweiten, um ihn aufzurichten. Ebenso wenn zwei neben einanderliegen, wird Beiden warm; dem Einen allein aber, wie sollte es ihm warm werden? 3. Und wenn (den Einen) Einer überwältigte, wie wäre es? Zwei aber können ausstehen gegen ihn, und (gar erst) ein dreifacher Faden, nicht so schnell kann er zerrissen werden. 4. O gut, ja besser ist das (in seiner Zweiheit geborene) Kind, wenn auch manches entbehrend aber weise, als ein König alt und thöricht, welcher nicht weiß noch erleuchtet zu werden (oder) sich mehr warnen zu lassen. 5. Denn jenes aus dem Hause der Gefangenen zog es aus, um zu regieren (durch seine Weisheit), während dieser (alte, thörichte König) auch in seiner Regierung arm würde. Erklärung: 1. Du irrst, Koheleth: Der Mensch, der aus zwei Teilen, aus Materie und Geist, zusammengesetzt ist, ging doch vom ״Echard“, dem ״Einen", hervor. Denn wohl folgt notwendig aus dem Einfachen nur Einfaches; aber bei einem willensfreien, selbstbestimmenden Wesen kann auch aus dem Einen eine Vielheit hervorgehen. ״Die Sonne, die ihrer Natur nach warm und trocken ist", fördert Wärme und Trockenheit; aber der eine Geist, ist er nicht im Stande, durch seinen Witten auch viele Thätigkeiten hervorzubringen, die ganz und gar verschieden von einander sind nach Stoff, Form und Zweck? Und der eine göttliche Urgeist sollte durch seinen freien Willen nicht auch Verschiedenes oder Vieles Hervorbringen, wovon jedes seinen eignen Zweck hat? ״Tobim haschnajim schejimoschu min haached", gut sind die beiden, die sich herleiten von dem Ureinen, deshalb gut, weil Gott sie beide so geschaffen, daß sie ״ein lohnendes Ziel" erreichen können von ihrer Mühe, nämlich wenn sie zum Guten sich verbinden. 2. Allein würde weder der Körper noch die Seele sich sichtbarlich erhalten oder würde der zum Irdischen hineigende Teil den Fall des Menschen herbetführen, so kann der geistige Teil ihn wieder ausrichten, und könnte der seelische Teil seine Pflichten hienieden versäumen, der irdische kann ihn daran erinnern. 3. Ein Teil spornt den Andern an, erwärmt ihn wie zwei, die nebeneinander liegen. Einer allein bliebe kalt. 4. Und gebe es einen Herrscher und Vergewaltiger (״takkif“), der sich gen diesen erhöbe, er fiele; aber die beiden Triebe, der zur Erde und der zum Himmel weisende, würden einen Kampf siegreich bestehen. Wäre dhser Gewaltige das Schicksal in seiner Härte, die Willenskraft des Menschen erwiese sich als stärker und zwänge den Gewaltigen, Dritten zum Bunde und zum Frieden, so daß ein dreifacher Einheitsfaden sich um sie schlänge, der nie zerrissen würde. Das vermag das wollende und vernünftige Geschöpf, weil es aus dem Urwillen des Einen also hervorging. 5. ״Tob jeled", besser ist ein Weibgeborener, ״jelud ischa", wie er mit Leib und Seele zur Welt kam, hätte er auch mit Armut (״misken") und Entbehrung und Gefahren zu kämpfen, und wäre er selbst ״jeled", ein Kind, jung an Jahren, aber ״chacham", weise, erleuchtet und, zugleich bereit zum Kampfe gegen das Böse im Leben und im Geschicke: Besser als ein König (״melech"), der Alles besitzt an äußeren Gütern und auch an Tagen und an Erfahrung reich (״saken") und thöricht, das ist zum bösen Triebe dem irdischen Genüsse allein zustrebend (״kesil"), dem es an Licht fehlt — ״lehisaher — milaschon sohar", der viel erfahren hat und doch nicht versteht, mehr erleuchtet zu werden. ״Gehisaher" kann aber auch wie gewöhnlich genommen werden, in der Bedeutung: sich warnen lassen. Wer an innere Freiheit glaubt, dem wird die göttliche Warnung zu Gute kommen, der Thor aber wird ewig in seiner Willkür verharren. 6 ״Ei mibbeth hassurim". Denn das Kind in seiner Dürftigkeit, wenn es weise ist, kann es selbst ״aus dem Dunkel zur Regierung" gelangen; es zieht aus aus dem Kerker, ״jaza limloch", um als König hervorzugehen über den bösen Trieb, der am Körperlichen hastet. (Hier citiert Jbn Baruch Platos Idee von der Praeexijtenz der Seele, und wie die Seele im Körper wie im Gefängnis haust.) Die höchste Herrschaff ist die der Vernunft über den sinnlichen Trieb. ״Ei gam bemalchutho nolad rösch", denn wohl flieht es eine Regierung in der der reiche König arm ist und es wird durch seine Thorheit, ״bihjoth meschubad el hataawoth chumrijoth“, wenn er geknechtet ist und unterthan den leiblichen Lüsten; danach kann sich der letzte Halbvers auch aus das ״jeled״ beziehen und also heißen: Denn aus der Haft zog er aus, um die Herrschaft (über sich) zu erlangen, obgleich er aber auch wieder in seinem Regieren arm werden kann (.,nolad״ in der Mischnasprache ---- werden.) Doch dünkt mir der zweite Halbvers besser im Sinne Jbn Baruchs übersetzt zu werden, wenn wir ihn auf den ״König" beziehen als auf den Armen, der keine Herrschaft über sich selbst je erringen kann, und darum, so schließt er wie Koheleth oben: mit dem Streben nach Genuß. Kapitel IX. Vollkommenheit. Eine Forschung über die Stufe, die die Menschenseele erreichen kann, ob zu ihrer Vollkommenheit die Ewigkeit gehört, und ob es im Wesen des Geistes liegt, das Wie des Abstrakten zu erlangen.