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Israelitische Wochenschrift · 1899-10-01 · Wissenschaftliche Beilage Nr. 10 (10.1899) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
1899 (1899)
Issue
Wissenschaftliche Beilage Nr. 10 (10.1899)
Date
1899-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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j$racli1i$cbc Hlocbcnscbrift. Wjllrnlchsktlichr Srilage Ar. \0. Berlin, Oktober. 1899 Inhalt. Die Lösung des Kohelethrätsels durch den Philosophen Baruch Jbn Baruch im 16. Jahrhundert. Von Dr. D. Leimdörfer, Prediger zu Hamburg. (Fortsetzung.) Die ölniiq des Kshelethrätsels durch den Philosophen Barnch Jbn Baruch im 16. Jahrhundert. Von Dr. D. Leimdörfer, Prediger zu Hamburg. _ (Fortsetzung.) Kapitel VIII. Geist und Materie. Hier wird erörtert, wie die Vorstellung widerlegt wird, daß aus dem Einen und Einfachen nicht die Vielheit der sublunarischen Welt folgen könne, also daß Gott, der Eine, nicht notwendig aus die Körperlichen einwirken könne. K o h e l e t h. Text: Weschabthi ani waereh hebel thachath haschamesch. Jesch echad ween scheni gam ben weach en lo ween kez lechol amalo gam enaw lo thisba oscher ulmi ani amel um echasser eth nafschi mitoleah gam seh hebel weinjan ra hu. Uebersetzung: 1. Ich kehrte wieder zurück (zum Thema von einer Vorsehung) und wieder sah ich die Nichtigkeit unter der Sonne. 2. Gtebt es Einen (in geistiger Einheit), dann ist kein zweites Wesen (mit ihm zu verbinden), auch zeugt Er (der Eine) keinen Sohn, auch einen Bruder hat er nicht (kein Erschaffenes und kein Mitschaffendes), und kein Ende ist gesetzt all seinem Schaffen, wie auch des Reichen Augen sich am Reichtum nicht sättigen. Für wen also soll ich mich mühen und meine Seele ermangeln lassen des (für mich) Guten? Wahrlich auch dieses ist Nichtigkeit und ein schlimmer Gedanke (oder Lebensinhalt). Erklärung: 1. und 2. Koheleth will die Lehre Ben Davids von der besonderen Vorsehung jetzt damit angreifen, daß er den aristotelischen Schluß geltend macht: Aus dem Einfachen kann notwendig nur das Einfache, nicht aber die Vielheit, aus dem Geiste unmöglich das aus Geist und Materie zusammengesetzte menschliche Wesen hervorgehen. Gott ist ״echad", eins in seinem Wesen, Geist und 8״chem"; das ״zweite", dem die Zweiheit Körper und Seele, Stoff und Form anhaftet, kann nie eine Verbindung oder Annäherung mit ihm und an ihn versuchen, wie es bei Gott seinem Wesen nach ausgeschlossen ist, daß er Sohn oder Bruder, das heißt Erzeugtes und Mitschaffendes neben sich duldete. Kann uns, die ״Zweiheit", der Eine nicht gezeugt haben, wie kann von seiner besonderen Vorsehung und Einwirkung aus die Individuen die Rede sein? Das ist es, was mich zurückkommen ließ — ״weschabthi“ — aus das obige Thema und mich sehen ließ, daß unter der Sonne, in dem Körper der Menschenwelt Nichtigkeit und keinerlei Beziehung ist zum Einen und Ewigen. ״Ween kez lechol amalo"; seinem göttlichen Schaffen an sich ist kein Ende gesetzt, wohl aber erreicht menschliches Mühen ein Ende im Tode. Der Satz: ״Auch seine Augen sättigen sich nicht am Reichtum", ist ein ״maschal״, Gleichnis.*) So endlos und ziellos ist Gottes Schaffen, wie dem Reichen die Unersättlichkeit am Reichtume. Mir aber und meinem Mühen ist bald ein Ende gesetzt: Für wen sollte ich mich also mühen? Mir bleibt nichts als der irdische Genuß, der für mich allein als ״tobah", das Gute, gilt. Daher erkläre ich, daß jedes Streben, Gott, das Eine unter den Zwitterwesen der Irdischen, je zu erreichen oder Ihn mit dieser in Verbindung zu setzen Nichtigkeit und kein guter Gedanke, ״injan ra“, ist und einen betrübenden Lebensinhalt ergäbe. Ben David. Text: Tobim haschnajim min haechad ascher jesch lahem sachar tob baamalam. Ki im jippolo haechad jakim eth *) Jbn Baruch spricht hier einen Gedanken aus, welchem Goethe eine klassische Gewandung giebt, indem er in seinem ״Faust" (II) folgende Worte spricht: ״Alles Vergängliche Ist nur ein Gleichnis. Das Unzulängliche, Hier wird's Ereignis". Zu dieser Stelle bemerkt Heinrich Düntzer in seiner vollständigen Erläuterung des Goetheschen Faust. (Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Leipzig. Dyk'sche Buchhandlung. 1857): ״Das irdische Leben ist nur ein Abbild dessen, was unser im anderen Leben wartet, wo die sich schon hier in uns regenden Gedanken und Gefühle zur höchsten Wirksamkeit gelangen werden. Alles Vergängliche Ist nur ein Gleichnis. Das Streben nach wahrer Befriedigung, nach höchstem Wissen und reinsten Genüsse, wird erst im Jenseits seine Erfüllung finden: Das Unzugängliche Hier wird's Ereignis. Die höchste Seligkeit wird uns erst in der Erfassung des Göttlichen zu Teil, das wir von Angesicht zu Angesicht schauen werden, in jenem Glücke, das keine Auge gesehen, kein Ohr vernommen hat, das in keines Menschen Herz gedrungen ist". ... (S. 789.)

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