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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-10-06 · 40 (6.10.1899) · p. Seite 630

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
40 (6.10.1899)
Date
1899-10-06
Page
Seite 630 (sequence 6)
Language
German
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Seite 630 Israelitische Wochenschrift. Nr. 40. Wesamtzahl der jüdischen Schüler war 5833 (gegen 5738), Mn denen 347 (gegen 402) oder 5,95 % (gegen 7%) keinen Religionsunterricht genossen. Die Gesamtzahl der jüdischen Schülerinnen war 5897 (gegen 5930), von denen 644 (gegen ^43) oder 10,92 o/g (gegen 14,21°/,,) ohne Religionsunterricht [blieben. ' Auffallend und der Aufklärung bedürftig ist in beiden Tabellen ein Punkt: Es ist in beiden übereinstimmend vermerkt, daß eine gewisse Anzahl jüdischer Kinder „weder jüdischen noch anderen Religionsunterricht erhalten." Es muß also jüdische Kinder in den Berliner Schulen geben, die „anderen" Religionsunterricht erhalten. Es wäre von besonderem Interesse sestzustellen, in welchem Umfang und unter welchen Umständen das der Fall ist, wer diese Verschiebung veranlaßt oder begünstigt. Daß das Königliche Provinzialschulkollegium mit der Besserung des Prozentsatzes der ohne Religionsunterricht auswachsenden jüdischen Kinder zufrieden ist, kann uns solange nicht befriedigen, als wir nicht genau wissen, wie es mit dem „anderen" Religionsunterricht für jüdische Kinder steht. Auch ist in unseren Augen die Zahl von 991 jüdischen Kindern, die keinen Religionsunterricht haben, immer noch übergroß; besonders so lange wir nicht wissen, ob bei Einsorderung des Nachweises, daß die jüdischen Kinder außerhalb der Schule ausreichenden jüdischen Religionsunterricht genießen, mit der wünschenswerten Strenge verfahren wird. Die mosaischen Hamtiitsliorschristell. Von Dr. Adler, Ober-Rabbiner von Großbritannien. In Blackpool in England hat kürzlich ein Kongreß für Gesundheitspflege stattgesunden, auf dem eine Abhandlung des Ober-Rabbiners Dr. Adler aus London, der durch die Feiertage an persönlichem Erscheinen verhindert war, von einem anderen Mitglied des Kongresses vorgelesen wurde. Der Artikel betitelt sich: „Die Sanitätsvorschristen in der mosaischen Gesetzgebung" und hat ungefähr folgenden Inhalt: Schon verschiedene Schriftsteller haben die großen hygienischen Vorzüge der mosaischen Gesetze gewürdigt und ihre heilsame Wirkung aus das jüdische Volk hervorgehoben. Fast alle Gebote des Dekalogs sind als Gesundheitsvorschriften zu betrachten, denn sie verlangen Beherrschung und Unterdrückung der Leidenschaften, deren ungezügelte Herrschaft das Leben herabwürdigt, verbittert und verkürzt. Was man auch für oder wider diese Auffassung geltend machen mag, so bedarf es doch keines Ingeniums, um den hohen hygienischen Segen des vierten Gebots zu bestätigen, das die Beobachtung des Sabbats vorschreibt. Die Wissenschaft hat bewiesen, daß Geist und Körper des Menschen nur dann zu gesunder Entwickelung kommen und ihre Leistungsfähigkeit bis zu hohem Alter bewahren können, wenn sie nicht mehr als sechs Tage in der Woche arbeiten. Ein berühmter Arzt hat die Bemerkung gemacht, daß Leute, die die ganze Woche ununterbrochen arbeiten, in ziemlich kurzer Zeit körperlich oder geistig zu Grunde gehen. — Eine zweite wesentliche Vorschrift der Bibel ist körperliche Reinlichkeit. Ganze Kapitel der Bücher Levitikus und Numeri beschäftigen sich mit der Reinhaltung von Körper und Kleidung. Es ist merkwürdig, daß in Bezug aus Krankheiten die Gesetze des Pentateuch nicht das alte therapeutische und Heilverfahren, sondern schon die von der modernen Wissenschaft als einzig weise erkannte Methode vorschreibt, nämlich die Methode des Vorbeugens. Das mosaische Gesetz enthält Gesundheits-Vorschriften über die Wohnungen und noch gewisse andere hygienische Vorschriften, deren jegensreiche Wirkung von ärztlichen Autoritäten aller Zeiten und Länder anerkannt worden ist. Die Vorzüge anderer gesundheitlicher Anordnungen liegen nicht so klar am Tage und werden erst durch gründliches Studium herausgefunden. Es soll nicht behauptet werden, daß alle Speisegesetze, deren strenge Befolgung den Juden vorgeschrieben worden, ausschließlich die Hygiene zum Zweck hatten. An einer anderen Stelle wird die Vermischung mit anderen Rassen verboten; auch hierbei hat zweifellos eine hohe moralische Absicht vorgewaltet. Vollständige Selbstbeherrschung, dieses höchste Ideal für den vollkommenen Mann und das vollkommene Weib, ist als Leib und Seele der meisten Gebote herauszufinden. Man kann getrost annehmen, daß die jahrhundertlange Befolgung dieser verschiedenen Vorschriften dazu beigetragen hat, den Hebräer mäßig, nüchtern und genügsam zu machen, so daß er, wie allgemein zugegeben werden muß, von einem der größten menschlichen Laster, der Trunksucht, fast ganz frei ist. Bei den Speisegesetzen ist in manchen Verboten der hygienische Zweck erkennbar; sind doch selbst bei den zum Genuß gestatteten Tieren vor ihrer Verwendung noch verschiedene Regeln zu beobachten. Dre Schlachtmethode für Tiere ist auf das Genaueste vorgeschrieben, und jetzt werden verschiedentlich Einwände erhoben, als wäre diese Methode nicht nur nicht die allerhumanste, sondern als legte sie den Tieren unnütze Quälereien aus. Dieser schwere Vorwurf muß zurückgewiesen werden. Ohne Furcht vor Widerspruch kann behauptet werden, daß keine andere Gesetzgebung in solchem Maße, wie das mosaische Gesetz, zarte Rücksicht auf das unvernünftige Vieh nimmt. Die Gründe für die Annahme gerade dieser Schlachtmethode sind leicht zu erkennen. Aus keine andere Art kann der Körper des getödteten Tieres leichter vom Blut entleert werden, dessen Genuß im Pentateuch verboten wird. Es ist bemerkenswert, daß die Untersuchungen hervorragender Gelehrter erst kürzlich mit Hilfe des Mikroskops sestgestellt haben, wie in vielen Fällen das Blut der Tiere schwere Krankheitskeime enthält, während die festen Gewebe noch als gesunder Nährstoff zu verwenden sind. So hat die Vermeidung des Blutgenusses und die Ausschneidung der Blutgefäße die Ausnahme solcher Krankheitskeime in den menschlichen Körper verhindert, die einen unheilvollen Einfluß aus die Gesundheit hätten ausüben können^ Dies ist der zweite Grund, warum die jüdische Schlacks Methode, die Schechita, angenommen worden. Jede mö^^^ Vorsicht wird angewendet, um die Prozedur zu einer sicheren und schmerzlosen zu machen. Die größten der Wissenschaft haben sich zu Gunsten der jüdisck^^^^^W Methode ausgesprochen, unter Anderen Lord Sir Michael Foster, Professor Dr.

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