Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 40 (6.10.1899)
- Date
- 1899-10-06
- Page
- Seite 629 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 40. Israelitische Wochenschrift. Seite 629. höheren Lehranstalten die Vorschulklassen, an den Gemeindeschulen die Klassen 5 und 6 gegenüberstellen lassen. Sie läßt ersehen, daß in den älteren Jahrgängen der Prozentsatz der Kinder ohne Religionsunterricht überall sehr viel geringer ist, als in den jüngeren: daß ferner in den älteren Jahrgängen bei allen öffentlichen Schulen die Zahl ganz erträglich, teilweise sogar günstig ist und nur die Privatschulen durchweg hohe Prozentsätze aufweisen. Man wird nicht umhin können, aus dem niederen Prozentsatz der älteren Jahrgänge auf den öffentlichen Anstalten den Schluß zu ziehen, daß es nicht lediglich Gleichgültigkeit der Eltern ist, welche sie zur Zurückhaltung der jüngeren Jahrgänge bestimmt, vielmehr andere Gründe, die in der Sache selbst liegen, stark Mitwirken müssen, sei es die Furcht vor Ueberanstrengung der Kinder durch die besonderen Schulwege, sei es die Unzuträglichkeit, die sich da ergiebt, wo wegen der geringeren Zahl der jüdischen Kinder die Schüler weit auseinander liegender Jahrgänge zusammen unterrichtet werden, indem alsdann die kleineren bei dem Betrieb des Hebräischen (Lernen hebräischer Gebete rc.) zugegen sein müssen, ohne doch daran teilnehmen zu können. Dem gegenüber wird es als Pflicht der beteiligten Stellen erscheinen, daraus hinzuwirken, daß die Einrichtungen für den Religionsunterricht der kleinen Kinder thunlichst vervollkommnet werden, in welcher Hinsicht wir aus unser Schreiben vom 16. Juni v. Js. Bezug nehmen. Wir sind nach wie vor der Meinung, daß es in erster Linie Sache des Vorstandes der Synagogengemeinde ist, dieser Sorge seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Und ebenso wird er seinen Einfluß bei Eltern und Vormündern geltend zu machen haben, um etwaige unbegründete Bedenken oder Vorurteile der jüdischen Eltern gegen die vorhandenen Einrichtungen zu zerstreuen. In letzterer Beziehung denken wir insbesondere an die Eltern derjenigen Kinder, welche Privatschulen besuchen. Bisher liegen, wie schon bemerkt, die Verhältnisse bei den Privatschulen für beide Geschlechter recht ungünstig, auch in den älteren Jahrgängen, während doch die Kreise, aus denen diese Schulen besucht werden, dieselben sind, aus denen auch die öffentlichen höheren Anstalten ihre Schüler erhalten. Eine Einwirkung aus die Eltern müßte hier bessere Erfolge ausweisen können, als bisher erzielt worden sind. Indem wir anliegend die in diesem Frühjahr neu ausgestellten Verzeichnisse der jüdischen Kinder ohne Religionsunterricht an höheren Lehranstalten, höheren Mädchenschulen, Gemeindeschulen und Privatschulen behufs Mitteilung an den Vorstand der Synagogengemeinde übersenden, ersuchen wir im Auftrag des Herrn Ministers der geistlichen Angelegenheiten gleichzeitig, dem Vorstande auch Kenntnis von «l Anlagen A und B zu geben und seine besondere Ausfür den Unterricht der kleinsten Kinder, ^^^^seits für die Privatschulen in Anspruch zu nehmen." ^^^^^unter allen Umständen erfreulich, daß die Pflege ^^^^^R^lnterrichts in der Gemeinde zugenommen hat, mit Religionsunterricht nicht versorgten jüdischen Kindern absolut und relativ kleiner geworden S Auch damit wag man einverstanden sein, daß der Unterricht» minister einstweilen noch davon Abstand nehmen will, üb» die pflichtvergessenen Eltern, die ihren Kindern den Religions^ unterricht vorenthalten, Schulversäumnisstrasen zu verhängen, Gut aber sind die Verhältnisse immer noch nicht, wie die derm obigen Schreiben beigefügten Tabellen beweisen. Aus devi Tabelle A ist zu ersehen, daß in dem Schuljahr 1898/99 iw den höheren Lehranstalten Berlins von 2135 jüdischen Knaben der älteren Jahrgänge 55, von den 965 Knaben der jüngsten 3 Jahrgänge 53, das ist 2,58 bezw. 5,50 % keinerlei Religionsunterricht genossen. In den öffentlichen höheren Mädchenschulen waren von 1153 Zöglingen der älteren Jahrgänge 12, von 572 Zöglingen der jüngsten 3 Jahrgänge 297, das ist 1,04 bezw. 51,92 °/0 ohne Religionsunterricht. In den städtischen Gemeindeschulen gab es 1088 ältere, 698 jüngere Knaben, 1135 ältere, 692 jüngere Mädchen, von denen 65 bezw. 102 Knaben oder 5,98 bezw. 14,61 %, und 36 bezw. 79 Mädchen oder 3,17 bezw. 11,42%, keinen Religionsunterricht hatten. In den Privatschulen waren 170 resp. 174 Knaben, 1410 resp. 550 Mädchen der beiden Altersklassen. Von diesen entbehrten 28 resp. 44 Knaben oder 16,47 bezw. 25,29 %, 119 bezw. 101 Mädchen oder 8,44 resp. 18,36% den Religionsunterricht. Daß die Schüler und Schülerinnen der jüdischen Schulen mit Religionsunterricht versehen waren, ist selbstverständlich. Die Gesamtzahl der schulpflichtigen jüdischen Knaben der älteren Jahrgänge war 3737, von denen 148 oder 3,96% ohne Religionsunterricht blieben. Von den 2096 Knaben der 3 jüngsten Jahrgänge waren 199 oder 9,49 % in dieser Vernachlässigung. Von 3936 Mädchen der höheren Jahrgänge waren 167 oder 4,24%, von 1961 Mädchen der 3 jüngsten Jahrgänge waren 477 oder 24,32 % ohne Religionsunterricht. Tabelle B enthält eine Vergleichung der entsprechenden Zahlen im Schuljahre 1897/98 mit denen im Schuljahre 1898/99. Wir ersehen daraus, daß die Zahl der jüdischen Schulknaben in den höheren Lehranstalten von 3043 auf 3100 gewachsen ist, die Zahl der ohne Religionsunterricht gebliebenen von 133 aus 108, oder von 4,37% aus £,48% zurückgegangen ist. Die Zahl der jüdischen Schülerinnen in den öffentlichen höheren Mädchenschulen ist von 1704 auf 1725 gestiegen, unter ihnen die Zahl der nicht mit Religionsunterricht versorgten von 380 auf 309 oder von 22,30 aus 17,87 % zurückgegangen. In den städtischen Gemeindeschulen hat sich die Zahl der jüdischen Knaben von 1739 auf 1786 vermehrt, der jüdischen Mädchen von 1837 auf 1827 gemindert, ist bei jenen die Zahl der Religionsunterrichtslosen von 196 auf 167, oder von 11,27 aus 9,33%, bet diesen von 143 aus 115 oder von 7,78 aus 6,29 % gewichen. In den jüdischen Schulen hat die Zahl der Knaben von 612 aus 603 abgenommen, ist die der Mädchen von 378 aus 385 gestiegen. In den Privatschulen waren in beiden Wintern 344 Knaben, von denen im vorletzten Winter 73, im letzten Winter 72 keinen Religionsunterricht genossen. Die Zahl der jüdischen Mädchen in diesen Schulen war von 2011 im vorigen auf 1960 in diesem Winter zurückgegangen. In derselben Zeit hat die Zahl der ohne Religionsunterricht auswachsenden eine Verminderung von 320 auf 220, oder von 15,91 auf 11,22 % erfahren. Die