Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-09-22 · 38 (22.9.1899) · p. Seite 604

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
38 (22.9.1899)
Date
1899-09-22
Page
Seite 604 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9605007-9605104--7517-9605116
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 604. Israelitische Wochenschrift. Nr. 38. werden kann. Das Ansinnen an jüdische Eltern, ihre Kinder r am christlichen Religionsunterricht teilnehmen zu lassen, ist so unerhört, daß wir es gar nicht für ernst gemeint halten können, sondern die Auffassung haben, die betreffende Schulvorsteherin habe nicht den Mut gehabt, sich offen zur grundsätzlichen Verweigerung der Ausnahme jüdischer Kinder zu bekennen, und darum den Ausweg eingeschlagen, eine Bedingung zu stellen, die sie selbst für unannehmbar hielt. Auch dann bleibt das Schreiben in höchstem Grade ungehörig. Daß die Aufsichtsbehörde solche Ungehörigkeit, auch wenn sie ihr amtlich zur Kenntnis kommt, mit der Schärfe rügen würde, die uns erforderlich scheint, möchten wir bezweifeln. Unseres Erachtens giebt es nur ein Mittel wirksamer Abwehr: daß qualifizierte jüdische Lehrpersonen an geeigneter Stelle Schulanstalten errichten, die, ohne einseitig konfessionell zu sein, in erster Reihe dem Unterrichtsbedürfnis jüdischer Eltern für ihre Kinder zu dienen bestimmt sind. Tüchtigen pädagogischen Kräften wird es beim Beginn nicht an materieller Hilfe und dann auch sicherlich weder au ideellem noch an materiellem Erfolg fehlen. Die schönsten Bezirksvereins- und europäischen Redensarten können nichts fruchten, einzig die Selbsthilfe auf dem angedeuteten^Weg kann zur Abstellung der Mißftände führen. In diesen unseren Schulen könnten wir zeigen, daß man auf unterrichtlichem und erziehlichem Gebiet das Höchste leisten kann, ohne in irgend einem Punkt sich von Engherzigkeit und Vorurteil ^beeinflussen zu lassen. Berlin, 17. September. (Bekämpfung der Wanderbettelei.) Am vorigen Sonntag, den 10. dieses Monats, hielt im Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes die Kommission zur Bekämpfung der Wanderbettelei, zur Organisation der Armenpflege, zur Begründung von Arbeitsnachweisen sowie Arbeitsstätten die zweite Sitzung ab. An. ihr nahmen teil die Herren: E. Rosenstiel-Berlin als Vorsitzender, Professor Dr.'Philippson und Mauermeister Adler^als Vertreter des Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bundes, Martin Simon als Vertreter des Vorstandes der jüdischen Gemeinde von Berlin, Vorsteher G. Davidsohn-Danzig für den Westpreußischen Gemeindeverband, ^Vorsteher Frank-Leipzig für die Gemeinde Leipzig, Hirschler-Frankfurt ^am Main als ^Vertreter des Herrn Charles Hallgarten für den dortigen Israelitischen Hilssverein, Amtsgerichtsrat Lcvy-Beuthen für den Gemeindeverbandlim Regierungsbezirk Oppeln, Rechtsanwalt Dr. Lewin- Stettin für den Pommerschen Gemeindeverband, Rabbiner Dr. Walter-Bromberg in Vertretung des ^Landgerichtsrats Peltasohn ^für . den. Gemeindeverband im Regierungsbezirk Bromberg. Am Montag fand eine gemeinschaftliche Besichtigung des „Arbeitsnachweisbureaus", der „Jüdischen Volksküche", sowie der „Berliner Arbeitskolonie" in der Reinickendorferstraße statt. Die meisten der wichtigen Verhandlungslungsgegenstände sind zur Zeit noch nicht bis zur'Publikationsfähigkeit gefördert. Heute kann nur mitgeteilt werden, daß aus Antrag des Israelitischen Hilssvereins in,Frankfurt am Main, Referent: Herr Hirschler von dort, beschlossen wurde, aus die in einzelnen.Großgemeinden ansässigen jüdischen Translateure von Gemeindewegen in dem Sinn einzuwirken, daß sie keine Uebersetzungen von sogenannten Inlands-Pässen, die nur für Rußland bestimmt sind, für' die Wanderbettler mehr ansertigen. Ferner wurde von einer Erklärung des Uebersetzers Herrn Elktn in Frankfurt am Main Notiz genommen, daß er seit Jahren keine Uebersetzungen für Legitimationsbüchelchen mehr gefertigt habe und deshalb alle solche mit seinem Namen und Siegel versehenen Uebersetzungen gefälscht oder erschlichen seien. Paris, 14. September. (Arbeiterverein.) In einer nur von jüdischen Arbeitern besuchten Versammlung ist der Beschluß gefaßt worden, einen jüdischen Arbeiterverein zu gründen, der den Namen „le Proletariat juif de France“ führen soll. Der Verein stellt sich die Ausgabe, entgegen den Behauptungen der Antisemiten den Beweis zu führen, daß jüdische Arbeiter mit demselben Fleiß und Geschick den schwersten körperlichen Arbeiten obliegen und bei allen Gelegenheiten denselben aufopfernden Gemeinsinn bethätigen, wie ihre christlichen Kameraden. Mogador in Marokko, 20. August. (Schulprüfung.) Vor einigen Tagen hat hier die öffentliche Prüfung in der von der Alliance Jsraelite begründeten Knabenschule stattgefunden- Der die Prüfung leitende französische Konsul sprach sich sehr lobend über die Fortschritte der Schüler aus und erklärte seine besondere Befriedigung über die Einführung des französischen Sprachunterrichts in der von einer Engländerin geleiteten jüdischen Mädchenschule. Es wäre sonst sehr unangenehm für die herangewachsenen Knaben und Mädchen geworden, meinte der Herr Konsul, wenn sie zu ihrer Verständigung der Hilfe eines dolmetschenden Eingeborenen bedurft hätten. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Während seiner Reise durch Böhmen hat Kaiser Franz Joseph eine Deputation der jüdischen Gemeinde in Leipa auf das huldvollste empfangen. — Die jüdische Gemeinde in Temeswar hat eine neue Synagoge gebaut, die in der vorigen Woche in Gegenwart der Obergespans, des Bürgermeisters und der höchsten Beamten der Stadt feierlich eingeweiht wurde. — Unter den bei Gelegenheit der Herbst-Mänöverin den Reichslanden durch Ordensverleihungen vom Kaiser Wilhelm ausgezeichneten Personen befindet sich auch Rabbiner Dr. Goldstein-Mutzig, der den Roten Adlerorden 4. Klasse erhalten hat. — In der Synagoge zu Leutschitz entstand durch das Herabfallen einer Lampe eine Panik, bei der 32 Frauen und Kinder totgedrückt wurden. Viele Personen wurden verwundet. — Am vorigen Samstag ist in Schwerin a. Warthe der Rabbinatsvertreter Herr Aron Liebreich im Alter von 86 Jahren gestorben. Er hat über fünfzig Jahre sein Amt bekleidet. Vakanzen. Landsberg a. W. Zweiter Kantor. 1500 M. Geh., fr. W. Meld. an Vorst. — Worms a. Rh. Mus. u. sem. geb. Rel.-L. u. 1. C. 2000 M. Anfangsgeh. Meld. an Marcus Levy. — Tütz, Westpr. Rel.-L., Vorb., Sch. 900 M. Geh., fr. W. Meld. an H. Pincsohn.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.