Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 37 (15.9.1899)
- Date
- 1899-09-15
- Page
- Seite 588 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 588 Israelitische Wochenschrift. Nr. 37. Köln, Licpmannssohn-Minden, Oppenheimer-Mülheim, Selig- Siegburg, Spier-Bocholt. Um 67a Uhr schließt der Vorsitzende die Verhandlungen des ersten Tages. Der zweite Verhandlnngstag wird des Morgens um 8V» Uhr vom Vorsitzenden eröffnet. Da die am ersten Tage gewählte Kommission mit ihren Beratungen noch nicht fertig ist, schlägt der Vorsitzende vor, den Vortrag des Kollegen Wallach-Aachen zu hören. Es referiert alsdann Kollege Wallach-Aachen über „die jüdische Schule, wie sie war, ist und sein soll". Redner behandelt Punkt 1 und 2, die Geschichte der Erziehung unseres Volkes, bezw. die Geschichte der jüdischen Schule, in ihren einzelnen Phasen in vergleichender Methode. Für die Ausbildung des jüdischen Lehrers fordert Referent Vorbildung aus einer höheren Lehranstalt, dann Besuch des Seminars als der pädagogischen Fachschule, oder der Universität, für den Religionsunterricht in der jüdischen Schule sorgfältige Einschränkung des Unterrichtsstoffes, Verinnerlichung der sittlich-religiösen Gedanken im Pentateuch und Gebetbuch, sodaß die Schule „der wahren Humanität entgegengeführt und aus den Fesseln des Wort- und Scheinwissens befreit werde". Der Vorsitzende dankt dem Redner für seine fleißige und reiflich durchdachte Arbeit. Die Versammlung ehrt den Vortragenden durch Erheben von den Sitzen. Daraus wird Minden zum Versammlungsort für die am 5. und 6. Juli 1900 stattsindende Versammlung gewählt. Es referiert sodann Kollege Liepmannssohn-Minden über die Verbandstagung. Er hebt als besonders wichtig einige Punkte hervor: In erster Linie die verbandsseitig beabsichtigte Gründung einer Pensionskasse. Die neue Einrichtung wird cusi dem Boden der Versicherung stehen. Sie soll feste Pensionen gewähren, 600 resp. 300 Mark. Die Beiträge sollen die Gemeinden etatsmäßig leisten; es kann aber nur eine geringe Anzahl von Ausnahmesucyenden berücksichtigt werden. Die Bedenken wegen Schädigung der Provinzialkassen werden vom Verbandsvorsitzenden zerstreut. Eine Verbandsftatutenänderung bezwecke eine anderweitige Zusammensetzung des Verbandsvorstandes. Der Referent wünscht das Mitstimmen der Vorsitzenden der einzelnen Vereine aus der Delegiertenversammlung. Hierzu erklärt Kollege Fröhlich-M.-Gladbach unter allgemeiner Zustimmung der Versammlung: „Eingreifende Fragen über die Konstellation des Verbandes sollen vorher aus den Vereinstagen besprochen werden. Ueberhaupt sollen die Vereine mehr als bisher zur Mitarbeit, bezw. zur Stellungnahme herangezogen werden. — Wir mißbilligen die Gründung einer solchen Kasse, die, für das ganze Reich bestimmt, doch nur wenigen zugute kommen kann, und über kurz oder lang trotz der Versicherungen des Verbandsvorsitzenden zu einer Schädigung der Provinzialkassen führen wird." Es folgt der Vortrag des Herrn Seminarlehrers Feinstein-Münster über das Verbandsthema: „Welche Anforderungen müssen an die jüdischen Lehrer und Lehrerbildungsanstalten gestellt und von beiden erfüllt werden?" Der Redner hat cs verstanden, dieses im Mittelpunkte unseres Interesses stehende Thema meisterhaft zu behandeln. Die Versammlung bekundet dem Redner ihren Dank durch Erheben von den Sitzen. Im Anschluß an den Vortrag des Kollegen Feinstein legt der Vorsitzende der Versammlung folgende Resolutionen vor, die einstimmige Annahme finden: 1. Der Verein israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalen spricht sich betreffs der Erteilung des Zeugnisses über die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig - freiwilligen Militärdienst an die Seminarabiturienten dahin aus, daß die Vorenthaltung desselben an die Abiturienten der jüdischen Lehrerbildungsanstalten eine Zurücksetzung und Kränkung ist. Da die Zöglinge der jüdischen Lehrerbildungsanstalten dieselbe Befähigung vor der Königlichen Prüfungs - Kommission Nachweisen müssen, wie die der andern Konfessionen, so glauben wir auch dasselbe Recht beanspruchen zu dürfen. 2. Der Verein israelitischer Lehrer von der Rheinprovinz und Westfalen hält es für recht und billig, daß im preußischen Staate zwei Königliche israelitische Lehrerseminare errichtet werden. Hieran schließt sich die Statutenberatung. Kollege Licpmannssohn-Minden erstattet als Vorsitzender der Kommission Bericht über die Beratungen. Von der Einzelberatung sollen die Paragraphen, die von der Zusammensetzung des Vorstandes handeln, ausgeschlossen werden, da eine Besprechung mit dem „westdeutschen Verbände" notwendig ist, um diesen Paragraphen eine allen Wünschen entsprechende Fassung zu geben. Die zurückgebliebenen fünf Vorstandsmitglieder des „westdeutschen Verbandes" erklären nämlich aus Grund der gepflogenen Beratungen in der Kommission, daß sie'zu einer Einigung bereit seien. Goldschmidt-Köln, Ransenberg-Neuwied und Genossen geben ihre Zustimmung zu dem Anträge, daß der Vorstand des in Aussicht genommenen Gesamtvereins aus den fünf Mitgliedern des Kassenvorstandes und zwei Mitgliedern, die von allen Vereinsmitgliedern zu wählen sind, sich zusammensetze, in schriftlicher Form mit Namensunterschrift ab. Im übrigen wurden die Paragraphen des Statutenentwurss mit unwesentlichen, meist formellen Aenderungen angenommen. Der Statutenentwurs mit den angedeuteten Aenderungen wird sodann in zweiter und dritter Lesung en bloc einstimmig angenommen. Es ist inzwischen 5 Uhr nachmittags geworden. Die Versammlung erklärt sich mit dem beantragten Schluß der diesjährigen Konferenz einverstanden. Somit mußte Punkt 6 der Tagesordnung: „Freie Besprechungen" ausfallen. Nachdem Kollege Fröhlich noch dem Vorsitzenden den Dank der Versammlung für die umsichtige Leitung der Konserenz ausgesprochen, schließt dieser die Sitzung mit nochmaligem Dank an die Teilnehmer der Konferenz, an die Gemeinde Essen, das Festkomitee und die Kommissionen. Die Schriftführer: Alexander-Marburg. Fröhlich-M.-Gladbach. Strauß-Dinslaken.