Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 37 (15.9.1899)
- Date
- 1899-09-15
- Page
- Seite 587 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 37. Israelitische Wochenschrift. Seite 687. Die einzig beruhigende Zusicherung ist aus den ersten Blick die, daß bei den im Amte befindlichen Lehrkräften nichts geändert werden soll. Es sind also eigentlich nur curae poste riores. Jndeß die Wirkung reicht in die Gegenwart hinein; zudem sind die Sorgen und Bekümmernisse der zukünftig zu berufenden Lehrkräfte auch unsere. Die Solidarität sowohl wie die Rücksicht aufs Allgemeinwohl lassen diesen Warnungsrus als gerechtfertigt erscheinen; hoffentlich bleibt er an maßgebender Stelle nicht ohne Beachtung. Wir haben die Auffassung der „wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner", deren subjektive Berechtigung außer Frage steht, gern ausgenommen. Eine Erläuterung unseres Standpunktes behalten wir uns vor. Die Redaktion. 44. IalMMsiminlimg des JJmiitö isriklitischtt Lehm von Rheinland . und Westfalen. Essen a. d. Ruhr, am 22. und 23. Mai 1899. Die diesjährige Jahresversammlung tagte am 22. und 2'£ Mai in Essen a. d. Ruhr im Hotel „Kaiser Friedrich". Die Präsenzliste ergab 91 anwesende Lehrer. Der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Gras-Essen, eröffnete die Sitzung gegen 3 Uhr nachmittags. Er begrüßte die imposante Versammlung von Vereinsmitgliedern und Gästen mit herzlichen Worten und betonte die Notwendigkeit der Erhaltung und, wo nur irgend angängig, Gründung neuer jüdischer Volksschulen. Die jüdische Volksschule ist berufen, die künftige Generation mit dem echt jüdischen Geiste zu erfüllen, weil in ihr allein Gelegenheit geboten ist, alle Unterrichtsgegenstände vom Geiste unserer heiligen Lehre.durchdringen zu lassen. Der Segen der Simultanschule, der aus dem Zusammenleben der Kinder friedliche Beziehungen für das spätere Leben zeitigen soll, ist längst als illusorisch erkannt worden. Die Reltgionsschule wird niemals imstande sein, solche Erfolge zu erzielen, wie sie die jüdische Volksschule zu erreichen vermag. Der folgende „Kassenbericht", von dem hochverdienten Rendanten Herrn Banquier Hirschland-Effen erstattet, zeigt ein erfreuliches Bild. Das Vermögen des Vereins beträgt gegenwärtig 103 932,24 Mark. Kollege Goldberg-Köln spricht dem Vorstand Dank und Anerkennung für seine mühevolle Thätigkeit aus. Auf Antrag des Kollegen Moses-Rheydt soll Punkt 2 der Tagesordnung „Statutenänderungen" aus den folgenden Tag verlegt werden. Dieser Antrag wird abgelehnt, ebenso ein Ergänzungsantrag Liepmannssohn, die Vorberatung des Statutenentwurss einer Kommission zu überweisen. Angenommen wird der Antrag Fröhlich, zunächst in eine Generaldiskussion einzutreten und dann ev. zur Wahl einer Kommission .überzugehen, die nach und vor den Hauptverhandlungen tagen und nach Erledigung aller Punkte der Tagesordnung Bericht erstatten solle. Im Namen und Auftrag der Statutenrcvisions-Kommission, die am 4. April in Essen getagt hatte, erklärt Fröhlich-M.-Gladbach, daß das neue Statut durchaus kein Kampsstatut -sein solle, sondern eine Einigung Aller zum gemeinsamen Werke erstrebe. Ideell verkörpere ja das neue Statut zwei Seelen, die Kasse und den Verein. Es sei damit also dem Wunsche der Herren vom anderen Verein entgegengekommen, nur liege die Verwaltung beider in denselben bewährten Händen. Das sei der springende Punkt. Trennung von Kaffe und Verein sei für uns unannehmbar. In demselben Sinne spricht auch der Vorsitzende. Herr Rabbiner Dr. Frank nennt die Kaffe eine feste Grundlage des Vereins, das Wichtigste seiner ganzen Thätigkeit, und empfiehlt Beibehaltung des bisherigen Modus der gemeinsamen Verwaltung von Verein und Kaffe. So lange wir Juden in allen Dingen aus die Selbsthilfe hingewiesen werden, dürfen wir bei allen unfern ideellen Bestrebungen die materielle Grundlage nicht verabsäumen. Darum sei auch er nicht leer erschienen und überreiche dem Vorsitzenden im Namen mehrerer Wohlthäter, die nicht genannt sein wollen, dm Betrag von 500 Mark. Kollege Ransenberg-Neuwied tritt der Ansicht des Herrn Rabbiner Dr. Frank bezüglich der unbedingt notwendigen materiellen Basis eines Vereins entgegen, indem er auf den , bisherigen „südwestdeutschen Verein" hinweist. Er fühlt ferner aus, daß heute eine Vereinigung von drei Vereinen stattfinden soll zu einem Verbände, dem die Förderung der Interessen der Schule und des Lehrerstandes obliegen solle. Im Austrage des „westdeutschen Vereins" wünscht er die Wahl eines Verbandsvorstandcs und eines Kassenvorstandes, der ja mit ersterem identisch sein könne. Die Debatte drehte sich nun in der Hauptsache um das Prinzip, ob der bisherige Modus beibehalten, oder ob Trennung von Kaffe und Verein vorgenommen werden soll. Als neuer Gesichtspunkt trat hinzu der Vorschlag des Kollegen Spier-Bocholt, der Kasseuvorstand bleibt perse Vorstand des Vereins, der sog. Vereinsvorstand werde aber um zwei Mitglieder erweitert, damit auch die Vereinsmitglieder ein Stimmrecht ausüben können, die nicht Mitglieder der U.-K. sind. Es gelangen schließlich zwei schriftlich formulierte, genügend unterstützte Anträge zur Abstimmung: 1. Antrag Goldschmidt-Köln: „Der Verein israelitischer Elementarlehrer Westfalens und der Rhetnprovinz beschließt: „Die Statuten der Unterstützungskaffe des Vereins israelitischer Elementarlehrer bleiben bestehen. Der - genannte Verein dagegen giebt sich gesonderte Statuten", wird mit großer Majorität abgelehnt. - 2. Antrag Spier-Bocholt: „Nach dem neuen Statut soll der Kaffenvorstand per se Vorstand des allgemeinen Lehrervereins sein," wird angenommen. Hieraus erklärt Kollege Eppftein-Hoppstätten, daß nach diesem Beschluß eine Vereinigung unmöglich sei. Es werden sodann folgende sieben Herren in die Kommission zur Vorberatung der Paragraphen des Statuts gewählt: Baum-Rheine, Fröhlich-M.-Gladbach, Goldschmidt-