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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-08-25 · 34 (25.8.1899) · p. Seite 541

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
34 (25.8.1899)
Date
1899-08-25
Page
Seite 541 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 34 Israelitische Wochenschrift. Seite 641. gegen Andersdenkende. In talmndischen Fragen war der Verstorbene eine große Autorität, von Nah und Fern kamen Anfragen an ihn, deren Beantwortung für alle Kenner maßgebend blieb. Verschiedene hebräische Werke und eine Gedichtsammlung hat Rabbi Holländer im Lause der Jahre veröffentlicht, an der Vollendung einer Monographie hat der Tod ihn gehindert. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen- Dem Kommerzienrat Emil Jakob in Berlin ist der Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. — Das Kuratorium des Berliner Rabbiner-Seminars hat an Stelle des verstorbenen Dr. I. Hildesheimer Herrn Dr. D. Ho ff mann-Berlin zum Direktor gewählt. — In Gegenwart von Vertretern der Staats¬ und städtischen Behörden sowie einheimischer und auswärtiger Gäste fand Mitte voriger Woche in Baden-Baden die feierliche Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Oberrabbiner Meyer hielt die Festrede. Die Feier nahm schönen Verlauf. Vakanzen. Wollenberg, Bezirk Sinsheim. Rel.-L., Kant., Sch. Geh. incl. des Rel.-Unt. an drei Nebengemeinden 720 M., Nebeneink. 250 M. Meld. an Dr. Eschelbacher in Bruchsal. — Dorstfeld. Vorb. für Feiert. Meld. an Vorst. — Herne i. W. Vorb. u. Balk. für Feiert. Meld. an I. Misch. — Birkenfeld. Vorb. für Feiert. Meld. an Landrabb. Dr. Levy. — Beckum. Vorb. für Feiert. Meld. an Samuel Stein. — Wangerin. Kultusb. sof. u. Hilfsvorb. für Feiert. Meld. an Vorst. — Landsberg a. Warthe. Hilfsvorb. u. Sch. für Feiert. Meld. an Vorst. — Crossen a. O. Rel.-Lehr., Vorb. u. Sch. z. 1. Okt. 1200 M. Geh., ca. 600 M. Nebeneink. Meld. an Julius Lasser. Feuilleton, x-l Wit^isltitt-r. Ein Bild aus der Gegenwart von C. Berg. (Fortsetzung.) Das war richtig, und wenn schon sich Max sehr energisch die Chaperondienste von Seiten Onkel Muchas verbat, er war nicht der Mann, den hinterlistigen und achselträgerischen Apotheker zu kontrolieren, noch der bis zur Rohheit gesteigerten Unverträglichkeit seines vergnügungshungrigen Weibes dauernd Widerstand zu leisten. So ließ er denn Alles gehen, so schlecht es eben wollte, er kämpfte nicht mehr, er war mürbe, da hatte er Ruh. Ein Schwan an der Seite einer Ente, er wußte, er würde versinken in ihrem Pfuhl, aber er konnte nicht mehr in die Höhe, immer wieder zog ihn die Gefährtin zu sich herab. Bald prägten sich diese moralischen Niederlagen auch an seinem äußeren Menschen aus: er verfiel und verwilderte zusehends; wer den kaum Fünfundzwanzigjährigen nicht kannte, hätte ihn getrost für einen Vierziger halten mögen. Manchmal überkam es ihn, als sei dieses ganze Jahr des Elends, das er an der Seite dieses Weibes verlebte, ein wirrer böser Traum. Er sah sich wieder in der kleinen, freundlichen Junggesellenstube bei seinem Hans, der ihn so klug und besorgt gewarnt hatte, er sah sich im hellen Eigensinn und Trotz nach der Apotheke wandeln und klomm im Geiste wieder die enge Stiege empor, oben hörte er singen, jene Verse, die damals durch ihre naive Plattheit seinen Studentenhumor so angezogen und belustigt hatten: „Nimm mir den Ring vom Finger Wenn ich gestorben bin Und alle meine Briefe, Die im Tornister sind —" Einmal fragte er Marien, wer sie das Lied gelehrt habe.. . „Die Schmidtköchin", antwortete sie kurz. Die Schmidtköchin war ihr Verkehr gewesen. Wo hatte er nur seine Augen gehabt. Nein, er träumte nicht. Unlöslich gekettet an diese ungebildete, seichte, ausgedonnerte Frau, deren Reize ihn längst kalt ließen, ja gegen deren größere Freundlichkeiten ihn jetzt oft ein unerklärlicher Widerwillen beschlich, lebte er ein gewöhnliches, erniedrigtes glückleeres Leben. Das war seine Ehe. Elftes Kapitel. Unter den Trebanobitzer Juden herrschte ungeheure Aufregung. Der Bürgermeister hatte für den Abend große Feuerwehrübung befohlen und alle streitbaren Männer der guten Stadt Trebanobitz waren gehalten, seinem Heerbann Folge zu leisten. Der Rathausdiener, zugleich Gerichtsvollzieher und Oberfeuerwehrmann in einer Person, paradierte in einer Uniform, die ein unbeschreibliches Mittelding zwischen dem Ornat eines Totengräbers und dem Waffenrock eines Landwehrmannes bildete, und schritt stolz die vier Ecken des Trebanobitzer Ringes ab, an jeder Ecke mit aller seiner Lungenkrast in ein Horn stoßend, das getrost dem berühmten Stier von Uri Konkurrenz bieten konnte. Und siehe, sie kamen daher von Ost und West, aus Süd, aus Nord, die wackern Männer mit den schwarzen Helmen, mit Eimern uud Leitern, mit Spritzen und Kannen, um einen Löschangriff auf das markierte Haus zu unternehmen, eine uralte, windschiefe, baufällige Baracke, so feuergefährlich, daß ein ängstliches Gemüt aus zehn Schritte nicht gewagt hätte, in ihrer Nähe eine Cigarre anzuzünden, ein aller Welt im Wege stehendes, klägliches Gerümpel von Haus, das aber leider zum tiefsten Schmerz seines sehr hoch versicherten Besitzers niemals abbrennen wollte, und der daher mit sehr gemischten Gefühlen aus diese platonische Feuersbrunst und ihre lustigen Bekämpser blickte. Natürlich war ganz Trebanobitz aus den Beinen, nur die Juden saßen zu Hause und ärgerten sich und ließen ihre bösen Unterthanenmäuler höchst despektierlich über das Stadtoberhaupt laufen. Sie beschuldigten ihren Bürgermeister grad heraus, daß er die famose Feuerwehrübung böswillig aus den anspruchsvollsten aller Vorfesttage, den Erew-Peßach*), verlegt habe, um von ihnen, die durch die Vorbereitungen zum Fest und ihre religiösen Obliegenheiten heut ihren Bürgerpflichten entzogen wurden, Strafgelder und Entschädigungssummen einzutreiben, und so dem Bäuchlein des Stadtsäckels bequem eine * ') Vorabend des Passah-Festes.

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