Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-08-25 · 34 (25.8.1899) · p. Seite 536

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
34 (25.8.1899)
Date
1899-08-25
Page
Seite 536 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9605007-9605053--7462-9605061
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 536. Israelitische Wochenschrift. Nr. 34. dahin, daß die Bankmittel nur zur Kolonisierung Syriens und Palästinas, nicht aber auch anderer Länder benützt werden dürfen. — Es cntspinnt sich eine lange Debatte darüber, ob eine Statutenänderung nach englischem Gesetz juridische Gültigkeit habe. Rechtskonsulent Bentwich, einer der Bankdirektoren, muß wiederholt diesbezügliche Auskünfte erteilen; sodann wird dieser § 1 antragsgemäß einstimmig angenommen. Nach einer Pause folgt dann die gewöhnliche Generalversammlung, die sich bis tief in die Nacht hinein zieht. Aus dem in der ordentlichen Generalversammlung der Bank abgestatteten Kassenbericht heben wir folgende Hauptposten hervor: Es wurden 300,000 Ps. Sterl. Aktien subskribiert, von welchen 59,000 Ps. Sterl. bar bezahlt wurden, und die in sechs Posten auf englischen Banken deponiert worden sind. 18. August. Die Sitzung wird gegen elf Uhr vom Präsidenten Dr. Herzl eröffnet, der zunächst wieder eine große Anzahl eingelaufener Zustimmungstelegramme verliest. Frau Professor Gottheil (New-Aork) teilt sodann mit, daß sie für die armen Naphta-Arbeiter in Boryslaw 1000 Franken im Kongreßsaale gesammelt habe. Herzl macht dann darauf aufmerksam, daß der Kongreß noch eine große Tagesordnung zu absolvieren und auch die Wahlen des großen Aktionskomitees vorzunehmen habe, der Kongreß aber nur bis 6 Uhr abends tagen solle, deshalb schlägt er die fünf Minuten- Redezeit für die Debatte über die Organisation vor. — Diese wird gleichzeitig mit dem Schluffe der Rednerliste angenommen. Sodann begründet Davis Trietsch (New-Aork) einen Antrag, wonach vier amerikanische Mitglieder, statt der bisherigen zwei, ins Wiener Aktionskomitee zu wählen sind. — Alle Abstimmungen werden erst am Schluffe vorgenommen werden. Großen Enthusiasmus erregt eine Ansprache von Sir Francis Montefiore, dem Neffen des berühmten Philantropen Sir Moses Montefiore, der heute morgen angekommen, um, wie er aussührte, der Sache des Zionismus seine Huldigung darzubringen. Die Fortschritte des Zionismus, die in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit erreicht wurden, seien erstaunlich, wenn man bedenke, mit welch' geringer Zahl er begann, und daß seine Anhänger jetzt bereits nach hunderttausenden zählen. Selbst unsere Gegner müssen jetzt die Bedeutung des Zionismus anerkennen. Ich glaube, daß die Weltgeschichte kaum von einer größer» Begeisterung einer Partei berichtet; früher war das Judentum ein leerer Name, erst jetzt bethätigt es sich praktisch, um Israel wieder zur würdigen Stellung unter den Nationen zu verhelfen. Das beste Mittel unfern bedrückten Brüdern zu helfen, sei, sie in den Stand zu setzen, sich selbst zu Helsen. Wir beabsichtigten aus diplomatischem Wege den Sultan zu veranlassen, daß er uns gestatte, Kolonien in Palästina und Syrien anzulegen. Trotz unserer lautern idealen Ziele werden fortgesetzt die dümmsten Anschuldigungen gegen uns vorgebracht, die eine gewisse Richtung der jüdischen Presse unterstützt. Die englischen Journalisten verachten solches Treiben, das sollte auch bei uns solchen böswilligen Verleumdungen gegenüber geschehen. — Es wird uns oft auch der Vorwurf zu großer Sentimentalität gemacht; ich glaube, daß eine gewisse Dosis von Sentimentalität auch von praktischem Nutzen sein könne, ohne sentimentalen Enthusiasmus wäre das jüdische Volk längst von der Erde verschwunden, ohne ihn kann überhaupt kein großes Werk vollbracht werden. Lassen Sie sich auch nicht abschrccken mit der oft gehörten Einwendung, daß das zionistische Endziel unmöglich zu erreichen sei, es gäbe Beispiele genug in der Geschichte, die zeigen, daß durch Beharrlichkeit und Ausdauer viel zu erreichen sei. Ich glaube im Geist meines großen Oheims Sir Moses Montefiore zu handeln, wenn ich unserer glorreichen Sache unentwegt diene. Die Organisation, über die sich eine stundenlange Debatte entspinnt, soll sich in Landeskomitees und Distrikte gliedern. Die Distrikte teilen sich zum Zwecke der Agitation in Vereine und zum Zwecke der Wahl in den Kongreß in Wahlgruppen. Die zionistischen Vereine sind von unbeschränkter Mitgliederzahl: an der Spitze jedes Vereins steht ein vom Verein gewählter und vom Landeskomitee bestätigter Vorstand. Die Vereinsstatuten und deren Aenderungen unterliegen ebenfalls der Bestätigung des Landeskomttees. Die Distrikte umfassen die der Organisation angehörigen Zionisten eines vom Landeskomitee festgesetzten Gebietes. — Der Zionistenkongreß tagt mindestens alle zwei Jahre an einem von ihm zu bestimmenden Orte. Aenderung des Ortes der Tagung oder eine frühere Einberufung des Kongresses bestimmt in besonderen wichtigen Fällen das große Aktionskomitee. Die Arbeiten eines Kongresses werden nach der vom III. Kongresse beschlossenen Geschäftsordnung durchgeführt. An den Verhandlungen des Kongresses können nur die von Schekelzahlern gewählten Delegierten teilnehmen. Jeder Schekelzahler hat das aktive und passive Wahlrecht für den Kongreß, wenn er seine Schekel mindestens 10 Wochen vor Beginn des Kongresses entrichtet. Jeder zionistische Verein wählt als Wahlgruppe so viel Delegierte, als er 100 Mitglieder hat. Bei einer Ueberzahl von mehr als 50 Mitgliedern wählt der Verein nur einen Delegierten mehr. Schekelzahler, die keinem zionistischen Vereine angehören, werden durch das Landeskomitee nach je Hunderten in Wahlgruppen eingeteilt. In demselben Orte haben aber schon 50 solcher Schekelzahler als Wahlgruppe das Recht, einen Delegirten zu wählen. Jedes Mitglied einer Wahlgruppe zahlt jährlich einen Schekel von mindestens 1 Frank, respektive 1 Mark, 1 Krone, 40 Kopeken, 1 Shilling rc. Eine Aenderung des Statuts kann nur durch den Zionistenkongreß beschlossen werden. Dies sind die wichtigsten Punkte der Organisations- Statuten, über die sich eine lange, teils erregte Debatte entspinnt. Da die Rednerliste eine zu lange, werden endlich Generalredner gewählt. Inzwischen werden im Saale kleine Zettel verteilt, die zu einem Vortrage von Dr. Syrkin, Bern, betitelt „Der sozialistische Zionismus" zu abends 8 Uhr nach der Burgvogtei einladen. Dies giebt Dr. Herzl Veranlassung, energisch gegen diese Zettelverteilung zu protestieren; im Zionismus seien alle Richtungen vertreten, er dürfe aber keinesfalls von irgend einer Partei allein in Pacht genommen werden, mit einer einzelnen Partei indentisiziert werden. Es verstoße überhaupt gegen den Anstand, daß solche Zettel

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.