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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-08-25 · 34 (25.8.1899) · p. Seite 535

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
34 (25.8.1899)
Date
1899-08-25
Page
Seite 535 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34. Israelitische Wochenschrift. Seite 635. Gründer haben von vornherein aus jeden Gewinn verzichtet. Die Bank soll für ewige Zeiten zionistisch bleiben, selbst wenn die Aktien einmal in nicht zionistische Hände kommen sollten. Wir waren uns deshalb unserer großen Verantwortlichkeit bewußt. Die Beratungen in London dauerten bis zu Ansang des Jahres 1899. Die Einteilung der Shares in 100 Gründeraktien bietet uns die beste Gewähr, daß die Bank stets zionistisch geleitet wird. Sie steht ja auch unter der Kontrolle des Kongresses, also des ganzen jüdischen Volkes. Das alljährlich zu wählende Aktionskomitee wird der höchste Aufsichtsrat sein. 200 Bankparagraphen sind aufgestellt worden. Morgen abend kann bereits über eine Aenderung dieser Paragraphen in der ersten Generalversammlung der Bank beraten werden. Trotzdem wir nur aus Zionisten angewiesen waren, gewährleisten doch bereits 100 000 Aktionäre den Bestand der Bank. Am 20. März ist die Bank in London amtsgerichtlich eingetragen worden. Im Namen des Bankkomitees sagen wir Ihnen hiermit für Ihren Beistand unfern Dank. Das zu Ende gehende Jahrhundert hat unserm Volke zwei große Errungenschaften gebracht, die erste war der Basler Kongreß, die zweite, durch die wir hauptsächlich unser Ziel zu erreichen hoffen, ist die jüdische Nationalbank. Nach einer Pause beginnt um 11 Uhr abends eine „Nachtsitzung", in der die Diskussion über den Bankbericht eröffnet wird. Zunächst spricht Halpern, ein Delegierter von 500 russischen Arbeitern, und verlangt, daß die Bank auch die Arbeiter ein wenig berücksichtige und nicht nur die Kapitalisten. Es werden sodann die verschiedensten Abänderungsvorschläge der Statuten vorgebracht, die zu langen, stundenlangen detaillierten Auseinandersetzungen führten. Doch die eigentliche Entscheidung darüber wird erst aus der morgen abend stattfindenden großen ersten Generalversammlung der Bank getroffen werden. 17. August. In der heutigen Sitzung wurde zur Abstimmung über die wichtige Frage geschritten, ob die sieben Bankgründer Gründershares erhalten sollten. Dieser Antrag des Aktionskomitees wurde mit großer Majorität gegen sieben Stimmen angenommen; sodann wurde den Gründern der Bank der osstzielle Dank des Kongresses einstimmig ausgesprochen. Frau Dr. Gottheit (New-Iork) teilte hierauf mit, sie komme soeben von der Vereinssitzung der Damen Basels, die beschlossen haben, beim Kongreß eine Kollekte zu Gunsten der armen arbeitslosen Naphtaarbeiter in Boryslaw zu veranstalten, die ein dringendes telegraphisches Hilfsgesuch an den Kongreß gesandt haben. (Bravo.) Zum folgenden Punkt der Tagesordnung, „Organisation", nahm zuerst der sehr beifällig begrüßte Referent Dr. Gaster (London) über die Kultursrage das Wort: Diese stehe — so führte er aus — mit der Orgauisatiousfrage in engstem Konnex, denn es handelt sich darum, die geistigen Kräfte unseres Volkes zu wecken. Was Ihnen die Kulturkomission mitzuteilen hat, ist wenig und doch viel, wenig, was geleistet wurde, viel, was wir noch zu erreichen hoffen. Wenn ein Volk herrliche Kunstwerke hervorbringt und sich daran labt, so wird sein Geist diesen Spuren folgen. Ein Volk mit wüsten Idealen, wie es beispielsweise der Chauvinismus ist, geht zu Grunde und verliert seine Bestimmung in der Geschichte der Menschheit. Wir verfolgen unser Ideal bereits seit Jahrtausenden, wir träumen von einem Ideal, vom Gottesreich aus Erden. Dieses Ideal weicht von den Idealen aller anderen Nationen bedeutend ab. Dies ist auch das Geheimnis unserer Unerschütterlichkeit. Als der Tempel zerstört worden, verlangte die geistliche jüdische Behörde nichts als die Erlaubnis, eine Schule errichten zu dürfen. Die Pforten dieser Schule sind nie geschloffen worden. Wir haben eigentlich hier uns zu sehr mit nichtidealen Dingen beschäftigt. Es soll nicht heißen, daß wir hier nur zusammenkommen, um Geldsachen zu besprechen, diese sollen nur Mittel zum Zwecke sein, der hoch erhaben über diesen Fragen steht. Wir müssen auch noch lernen, Disziplin zu üben. In religiöse Dinge wollen wir uns in keinem Falle mengen. Wir müssen uns hüten, daß unter der Flagge des Zionismus nicht das goldene Kalb gezeigt wird. Wir wollen der Welt zeigen, daß es doch noch eine ganz andere Weltanschauung giebt als die augenblicklich in Europa bestehende. In Italien läßt man sich Erde aus Jerusalem für den campo santo kommen, wir wollen ein lebendiges campo santo auf dem freien Lande Zions. Wie der Vogel Phönix werden wir Verbannten, Zerstreuten aus der Asche wieder erstehen. Dr. Kahn (Wien) ergreift das Wort zum Berichte über „Organisation" und bemerkt u. a., daß die Notwendigkeit eines engen Zusammenschlusses schon von den Vorfahren ins Auge gefaßt worden. Unsere Vereinigungen sollen so eingerichtet sein, daß auch Leute mit den bescheidensten Mitteln sich uns anschließen können. Die Organisation muß ferner dafür sorgen, daß die Mitglieder und die Vereine stets im Einverständnis mit dem Zentralkomitee bleiben. Die Sammlung der Schekelgelder und die Delegiertenwahlen werden durch die vorgeschlagene Organisation bedeutend erleichtert. Auch aus die Bequemlichkeit des Wählers bei etwaiger Abwesenheit vom Aufenthaltsorte ist Rücksicht genommen. Ueber die einzelnen Paragraphen des Organisationsentwurfes entspinnt sich eine sehr lange Debatte, bei der natürlich wieder Abänderungsvorschläge von den verschiedensten Seiten beantragt werden. Fräulein Wolpert (Frankfurt a. M.) bedauert, daß der Zionismus in Frankfurt a. M. noch so wenig Verständnis fände. Die Debatte wird sodann aus Freitag vormittag vertagt. Die erste Generalversammlung der jüdischen Nationalbank wurde um 10 Uhr abends eröffnet und zwar unter vollständiger Oeffentlichkeit. Die Tribünen waren mit Zuhörern und Vertretern der Presse gefüllt. Der erste Direktor Wolffsohn (Köln) hält zuerst folgende Ansprache: Meine Damen und Herren! Bevor ich die außerordentliche Generalversammlung eröffne, habe ich die Erklärung der sieben Gründer der Bank abzugeben, daß wir unserm verehrten Präsidenten Herzl Dank für sein Eintreten für uns aus dem Kongresse abstatten, daß er sein uns gegebenes Versprechen einlöste, wie er es mußte, wir aber auf die Gründershares in dieser vom Kongreß erzwungenen Form verzichten müssen. — Nach englischem Gesetz, dem die Bank unterworfen, muß die Einladung zur Generalversammlung öffentlich verlesen werden, was auch geschieht. Ebenfalls schreibt das Gesetz eine außerordentliche und eine gewöhnliche Generalversammlung vor; zuerst wird die erste abgehalten werden. Nach Kongreßbeschluß soll nun § 1 der Statuten abgcändert werden und zwar

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