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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-08-25 · 34 (25.8.1899) · p. Seite 534

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
34 (25.8.1899)
Date
1899-08-25
Page
Seite 534 (sequence 6)
Language
German
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Seite 534. Israelitische Wochenschrift. Nr. 34. Ein russischer Rabbiner führt sodann in langer, predigtartiger Rede aus, daß man den unnatürlichen Messiasglauben ausgeben und mit realen Mitteln ganz auf dem Programm des politischen Zionismus stehen müsse, um das arme Volk aus dem Elend zu befreien. Es sprechen sodann eine Anzahl von Rednern, die an dem Bericht des Aktionskomitees verschiedenes zu bemängeln haben. Nachdem ursprünglich die Rededauer auf zehn Minuten festgesetzt worden, wird sie aus eine Dauer von fünf Minuten herabgesetzt. Diese Zeitdauer überschreitet in hohem Maße eine lange, von stürmischen Einwendungen unterbrochene Ausführung von Dr. Mozktn-Berlin, der unter anderm aussührt, Dr. Herzl habe aus einer kürzlichen Versammlung in London gesagt, daß Leute unseres Alters das Endziel unserer Bewegung noch erleben werden. Redner bedauert diesen Ausspruch, da d'och noch gar keine Gewißheit vorhanden sei, ob wir Palästina auch in absehbarer Zeit haben werden. Man müsse die Agitation dahin beschränken, daß man den Leuten sage, sie müssen noch weiter leiden, ehe die Erlösung nahe sei. Die Hauptsache sei die vorbereitende Agitation, wir müssen behutsamer in unserer Taktik sein. Redner macht sodann die Bemerkung, daß die Mitglieder des Aktionskomitees, die doch alle verantwortlich seien, nicht immer zu Rate gezogen werden, und spricht von einer „Diktatur Herzls". Das Uebergewicht Herzls muß ganz legal sein, eine Diktatur würde nicht gut für unsere Bewegung sein. Unter lebhaftem Beifall der Versammlung weist Dr. Herzl nach, daß er sich in allen seinen Schriften in Uebereinstimmung mit den übrigen Mitgliedern des Aktionskomitees befunden habe. In der Nachmittagssitzung ermahnt der Vorsitzende, Prof. MandelstamM'Kiew, die Redner bei der fortgesetzten Diskussion über den Bericht des Aktionskomitees, die festgesetzte Redezeit von fünf Minuten nicht zu überschreiten; ferner konstatiert er mit besonderer Genugthuung, daß ein Begrüßungstelegramm der ersten Londoner Loge „Die Makkabäer" eingelausen ist. Herbst, Ministerialdirektor in Sofia, bespricht die Lage der bulgarischen Juden. Sowie ein Kind die öffentliche Schule besuche, sei es für das Judentum verloren. Die Gründung von Schulen sei eine Notwendigkeit. Redner vermißt im Berichte die Abrechnung für die von den bulgarischen Zionisten eingesandten Schekelgelder. Auch der Delegierte von Transvaal konstatiert Mangelhaftigkeit des Berichtes und verlangt flottere Agitation und bessere Information vom Zentralkomitee, zumal die dortigen Zionisten alles aus eigenen Mitteln bestritten. Die Zahl der zionistischen Mitglieder in Johannesburg sei bereits von 800 auf 1800 gestiegen. Aschkenasi-Rußland bemerkt, Zionismus sei in gewissem Sinne auch Egoismus, derselbe arbeite ja für unsere Söhne und Enkel, damit diese glücklicher seien. Der gleiche Redner polemisiert gegen die Angriffe Mvzkins aus Herzl; dieser sei ganz berechtigt gewesen, in einer Londoner Versammlung die Zeit der Erfüllung des zionistischen Ideals als nicht mehr allzu fern zu bezeichnen. Die Juden rufen ja auch immer am Schluffe des Versöhnungstages aus: „Im nächsten Jahre in Jerusalem!" Steiner-Aork-Wien wendet sich gegen das Treiben des zionistischen Vereins „Ahavas Zion" in Tarnow, der seine Existenz nur der Unterstützung des Aktionskomitees verdanke. Diese Leute verraten unsere Sache, nachdem sie sich durch uns eine Position geschaffen. Wir hatten Unrecht, diesen Leuten zu glauben. Herzl habe den großen Fehler begangen, diese Leute zu schonen, die ihn jetzt hinterrücks ansallen. Ich setze diese Leute endgültig von der Tagesordnung des Zionistenkongresses ab. Im Osten liegt der Schwerpunkt, im Westen steht der Schutz- und Sturmdamm gegen die feindliche Hochflut. In ihrer Mitte haben wir den schwersten Stand gegen die europäische öffentliche Meinung, weil wir uns zum Zionismus bekennen. Nachdem Rev. Gaster-London den Vorsitz übernommen, ermahnt er wiederholt die Redner, sich strikte an die vorgeschriebenen fünf Minuten zu halten. Die ziemlich unfruchtbare, teils öde Debatte zieht sich durch unzählige Redner in verschiedensten Sprachen, die ihre kleinen Nörgeleien über das Aktionskomitee in aller Breite Vorbringen, in entsetzliche Länge, wobei es sehr stürmisch im Saale hergeht, so daß der Vorsitzende oft mit dem Hammer, der anstatt der sonst üblichen Glocke aus diesem Kongresse in Gebrauch ist, stark klopfen muß. Architekt Marmorek-Wien verwahrt sich gegen den Vorwurf, zu wenig Daten angegeben zu haben, Ziffern änderten sich eben bei uns alle Tage; den Vorwurf, nicht demokratisch genug vorgegangen zu sein, weise er ebenfalls zurück. Das Aktionskomitee ist stets im engsten Konnex mit den Landesvereinen geblieben, dies kann ja aber doch wahrlich nicht bei jeder Kleinigkeit der Fall sein, wir haben so wie so täglich wenigstens 45 Briese zu beantworten. Auf die Anregung, den Kongreß in einer andern Stadt abhalten zu lassen, bemerkt Marmorek, daß wir doch endlich einmal aufhören sollten, den ewig wandernden Juden zu spielen; Pflichten der Dankbarkeit gegen Basel zwingen uns, hier zu bleiben, da diese tolerante Stadt es war, die uns zuerst gastlich ausnahm, als man uns anderwärts unfreundlich zurückwies. Basel ist für den Zionismus von historischer Bedeutung geworden, es wird uns stets ein hoffnungerweckender Name sein! Herzl bemerkt, daß er Mozkin zu gut kenne, um nicht von dessen lautersten Absichten überzeugt zu sein. Die folgende Diskussion über den Kassenbericht erregte wieder stürmische Auseinandersetzungen, namentlich von englischer Seite über Verwendung von einzelnen Posten rc. Herzl erwidert, nachdem man ihm lebhaft zugejubelt, daß die Sache doch nicht enthusiastisch, sondern vernünftig erledigt werden müsse! Wir können die Thätigkeit unserer Leute doch nicht dadurch kompromittieren, daß wir hier die einzelnen Summen öffentlich nennen, die sie für ihre agitatorische Arbeit erhalten haben. Wollen Sie unsere Werkzeuge durch solche detaillierte Indiskretion gewaltsam zerbrechen? Nach längerer Debatte wird das vom Aktionskomitee geforderte Vertrauensvotum einstimmig angenommen. Es folgt sodann der Bericht über die jüdische Nationalbank durch den Berichterstatter Dr. Wolssohn-Köln. Die Ausarbeitung der Statuten beanspruchte sehr viel Zeit, die Bank soll ja wohl ein kommerzielles Unternehmen sein, aber einen hochidealen Zweck haben; die Geschäfte sollten international, die Bank selbst aber jüdisch-national sein. Die

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