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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-08-25 · 34 (25.8.1899) · p. Seite 533

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
34 (25.8.1899)
Date
1899-08-25
Page
Seite 533 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34. Israelitische Wochenschrift. Seite 633. Tr. Herzl in Berlin, London, Wien rc. Die Zahl unserer Vereine ist in Rußland gegen das Vorjahr um 30% gewachsen, in den andern Ländern um fast 25% durchschnittlich. Auch in Deutschland und der Schweiz breitet sich der Zionismus in erfreulicher Weise aus; doch das ideale Ziel der Vereinigung des ganzen jüdischen Volkes unter dem Banner des Zionismus ist noch lange nicht erreicht. Unsere innere Propaganda ging dahin, die nichtjüdischen Nationen mit unseren Bestrebungen bekannt zu machen, wir suchten durch Veröffentlichungen in den großen Tagesblättern und Revuen ihre Aufmerksamkeit auf unsere Bewegung zu lenken. Die Banksubskription war eine Kraftprobe ersten Ranges; die massenhafte Beteiligung an den Subskriptionen in allen Gegenden der Welt hat trotz aller Machinationen unserer Gegner gezeigt, daß unsere Sache im Volke wurzelt. Ueber 100,000 Subskribenten haben sich bereits gemeldet. Um aber zu verhüten, daß Antisemiten rc. die Aktien abkausen, wurde durch den Beschluß einer Generalversammlung das Institut der Gründershares eingeführt. Es wurden dem Aussichtsrate 100 Gründershares zugeteilt und bestimmt, daß deren Inhaber in der Generalversammlung genau soviel Stimmen haben, als alle andern anwesenden Aktionäre. Das ist in großen Zügen der Bericht über die Resultate unserer Thätigkeit. (Beifall.) Aus dem nun folgenden Kassabericht von Dr. jur. Kokesch- Wien sei besonders hervorgehoben, daß dieser mit Genugtuung die Thatsache erwähnt, wie mit verhältnismäßig geringen Mitteln viel erreicht worden ist. — An Schekelgeldern seien im verflossenen Jahre ca. 114,500 Fr., an Spenden ca. 10,300 Fr. zu verzeichnen. Laut Bilanz vom August 1898 waren ca. 61,000 Fr. Ueberschuß vorhanden. An der Debatte über diese beiden Berichte beteiligten sich unter Andern Herr und Frau Professor Gottheil aus New-Iork, Dr. Niemirower - Jassy Ein Antrag, das Referat von Frau Professor Gottheil drucken zu lassen und den zionistischen Frauenvereinen zugänglich zu machen, wird einstimmig angenommen. 16. August. Vormittagssitzung. Den Vorsitz übernimmt der 1. Vorsitzende Dr. Herzl, den Sitz des 1. Vicepräsidenten an Stelle des bereits gestern Nacht mit dem Expreßzug wieder nach Rennes gereisten Dr. Nordau Professor Mandelstamm- Kiew. Es werden zunächst wieder eine unzählige Menge von Telegrammen aus allen Weltenden verlesen. Dann nimmt der Vorsitzende Dr. Herzl das Wort zu einer Erklärung über den gestrigen Antrag von Mr. Bentwich (England), der veran gt, man solle binnen 14 Tagen einen nicht spezifizierten Posten von 68,304.45 Fr. prüfen lassen. Diese Frist, meinte Herzl, würde viel zu lange dauern. Er habe deshalb sofort einen Auszug unfertigen lassen. Redner verliest sodann die einzelnen spezifizierten Posten, die unter andern: für Kultur-Kommission, für Agitatoren, Reisespesen, Anschaffung von Palästina- Korten, Korrespondenzen, Subventionen für die Presse re. verwendet worden seien. Es wird mit der „Bankdebatte" sortgesahren. Zuerst bittet Herzl, daß der Kongreß seine Zustimmung erteile, daß den sieben hochverdienten Bankgründern ein Gründershare verliehen werde, wie es ihnen vom Aktionskomitee versprochen sei. Verschiedene Abänderungs-Anträge werden zuerst einer juristischen Kommission zur Beratung übergeben werden müssen, die zur Entscheidung über diese fachmännischen Fragen eher kompetent sind. Mozkin - Berlin wendet sich gegen diese Ueberlaffung von Gründershares. Im Interesse der Sache will er das demokratische Prinzip nicht verletzen lassen. Lebenslängliche Rechte dürfen wir nicht verleihen. Die Debatte, an der sich der Russe Buchmin, Dr. Herzl, Dr. Bernstein - Rußland, Dr. Jassinowsky - Warschau und Wolffsohn - Köln beteiligen, nahm hier einen sehr erregten Charakter an, ohne zu einem Resultate zu führen. Bei der dann folgenden Fortsetzung der Diskussion über den Bericht des Aktionskomitees bemerkt zunächst Dr. Menschel- Czernowitz als Vertreter der galizischen Juden, daß das Elend in Galizien und der Bukowina sich gar nicht in Worten aussprechen lasse, und dasjenige der Juden Rußlands und Rumäniens bei weitem übersteige, man müsse ein Herz von Stein haben, um sich nicht ein wenig für die Sache zu begeistern; das Aktionskomitee müsse in Zukunft noch mehr für die Agitation in Galizien sorgen und namentlich tüchtige Agitatoren senden; Leute wie Herzl müßten kommen, und es würden sich tausende von jungen Kräften in den Dienst der Sache stellen, um eine volle Million in entsetzlichster Not Schmachtender zu erlösen. Dr. Werner-Wien erklärt, er sei zwar weit davon entfernt, hohe Politik treiben zu wollen, sieht sich aber genötigt, um bedauerlichen Verdrehungen und Umdeutungen von Seiten der Gegner vorzubeugen, aus einen Passus der hochbedeutenden gestrigen Eröffnungsrede Dr. Herzls zurückzukommen. Das Ziel der Bestrebungen bezeichnete unser Führer mit den Worten: „Welcher Art soll nun dieses Ergebnis sein? Sagen wir es mit einem Wort: Ein Charter! Unsere Bemühungen sind daraus gerichtet, einen Charter von der türkischen Regierung zu erlangen, einen Charter unter der Souveränität Sr. Majestät des Sultans. Erft wenn wir im Besitze dieses Charters sind, der die nötigen öffentlich rechtlichen Sicherheiten enthalten muß, können wir eine große praktische Kolonisation beginnen. Für die Gewährung dieses Charters werden wir der türkischen Regierung große Vorteile vermitteln." Ich bitte nun Dr. Herzl um genauere Erklärung, ob dieser Passus eine Verengung unseres Programms bedeute, da er nur von einem „türkischen Charter" spricht, das Basler Programm aber von öffentlich garantierten Rechten spricht, unter denen doch alle Mächte zu verstehen seien!? Im ferneren Verlaus seiner Rede bemängelte der Redner die ungenauen Daten im Berichte des Aktionskomitees über die innere Propaganda, und wünscht die Errichtung besonderer Lokalkomitees, um die Agitation in Wien und Berlin thatkräftiger zu betreiben und das große Aktionskomitee zu entlasten. Birkenstein-Franksurt a. M. ist der Ansicht, das Aktionskomitee hätte gar zu wenig in Deutschland agitiert, Deutschland solle das erste Ziel der Agitation sein, denn wenn erst die deutschen Juden gewonnen seien, wird uns auch ganz Westeuropa zufallen. — Redner drückt den Wunsch aus, daß der Kongreß im nächsten Jahre in einer andern Stadt abgehalten werde.

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