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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-08-25 · 34 (25.8.1899) · p. Seite 532

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
34 (25.8.1899)
Date
1899-08-25
Page
Seite 532 (sequence 4)
Language
German
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Seite 532. Israelitische Wochenschrift. Nr. 34. das geringste zu schaffen gehabt haben, werden von französischer Seite ungeniert mit der Erklärung abgethan, daß bei diplomatischen Kundgebungen „die Wahrheit oft daneben falle". Von den Versicherungen des deutschen Kaisers, von dessen angeblicher Beschäftigung mit Spionage, von der Unglaubwürdigkeit der Reden des deutschen Staatssekretärs wird in einer Weise gesprochen, welche für jedes deutsche Empfinden etwas tief Verletzendes und Beleidigendes haben muß. In Berlin wird man nur ein mitleidiges Achselzucken für solche französischen Kundgebungen haben; aber für die deutsche Presse sollten sie doch einen ausreichenden Grund bilden, sich zu fragen, ob es mit unserer nationalen Selbstachtung zu vereinbaren ist, wenn wir trotzdem die französische Sache wie eine eigene vaterländische behandeln." Wir sind beim besten Willen nicht im Stande, ein besonders seines deutsches Empfinden darin zu erblicken, daß man die schmählichen Angriffe auf das Deutschtum in Rennes einfach ignoriert und sich ihnen gegenüber „nicht zu erkennen giebt". * * * (Graf Pückler wundert sich.) Der „mutige Graf" aus Klein-Tschirne veröffentlicht folgende Kundmachung: „Vor einigen Tagen erhielt ich die Nachricht, daß meine letzte antisemitische Rede, die ich in Berlin am 5. August in Buggenhagens Kaisersaal gehalten habe, wiederum von der Königlichen Staatsanwaltschaft konfisziert worden ist. Der jüdische Denunziantenverein hat, wie es scheint, seine hinterlistige und feige Thätigkeit wieder ausgenommen. Ich habe in meiner letzten Rede gesagt: „Die einzigen und unumschränkten Herren im Lande sind gegenwärtig die Juden". Nun, diese Konfiskation der Rede ist eine Bestätigung meiner Worte. Juda regiert unumschränkt, und das Volk gehorcht blindlings. Die Juden führen das große Wort, und alle übrigen Leute müssen den Mund halten. Wacht auf, deutsche Männer und Frauen, wacht endlich auf! Eine solche unwürdige Behandlung dürfen wir uns nicht mehr länger gefallen lassen. Schmach der Nation, die fast nur noch Schwächlinge und Judenknechte erzieht, die ein freies Manneswort überhaupt nicht mehr verträgt! Wir brauchen wieder einige Männer mit etwas Mut und Rückgrat, die jetzt vor den Riß treten, und welche mit Einsetzung ihrer ganzen Person und ihrer ganzen sozialen Stellung den rapiden Verfall der Nation noch einmal aufhalten. Ich habe am 6. August in durchaus ruhiger und sachlicher Weise die Judenfrage behandelt; ich habe hingewiesen auf den furchtbaren Ernst unserer politischen und sozialen Lage; ich habe der Nation vor Augen geführt, daß wir uns mit Riesenschritten der Katastrophe nähern, wenn wir nicht endlich herauskommen aus dem Elend der Judenwirtschaft. Wie man eine solche Rede konfiszieren kann, ist mir vollständig unerklärlich. Der deutsche Michel läßt sich leider in seiner Gutmütigkeit alles gefallen. Das muß jetzt endlich aufhören, wir müssen den Kampf gegen Israel noch viel rücksichtsloser und energischer führen, wir müssen mit Keulenschlägen dazwischenhauen in unsere verbummelten und jammervollen sozialen Zustände. Ich werde kämpfen und reden, solange mir Gott die Kraft dazu giebt, weil ich das deursche Volk lieb habe und nicht ruhig mit ansehen kann, wie die Nation rasch und unaufhaltsam einem furchtbaren und schmachvollen Schicksal entgegeneilt. Noch ist es möglich, das Vaterland zu retten; drum deutsche Männer, seid wacker, seid furchtlos und treu bis in den Tod! Es lebe der Kaiser, das Reich, doch fort mit der Judenwirtschaft, nieder mit Israel! Gras Pückler (Klein-Tschirne)". Wir sind mit der Gegnerschaft des „mutigen Grasen" recht zufrieden. * * * (Aus Transvaal.) Zu den jüngsten Vorgängen in Transvaal wird berichtet: „Präsident Krüger hat wieder das Wort, diesmal in einer Broschüre, ergriffen, in welcher er, sehr zur eigenen Ehre, gleiches Recht für Katholiken und Juden wie für Protestanten fordert. Gestützt auf zahlreiche Bibelstellen legt er dort dar, wie der Ausschluß vom Bürgerrecht nur beider Feindschaft gegen einen zelotischen Protestantismus, welcher heute gar nicht mehr berechtigt sei, verstärken könne. Die Geschichte zeige zur Genüge, daß nichts so erfolgreich frühere Gegner in Freunde verwandle als das Gewähren von gleichen Rechten. In allen zivilisierten Staaten seien die Juden besonders dadurch gewonnen und zu den besten Staatsbürgern geworden. Der fernere Ausschluß der Katholiken lasse sich ebensowenig rechtfertigen. Protestantismus sei gegenwärtig und wie die Dinge im Transvaal lägen, nur wenig mehr denn ein Name; zukünftig müsse es nicht mehr heißen, jeder Protestant ist bürgerberechtigt, sondern jeder der an Gott und sein in der Bibel verkündetes Wort glaubt. Soweit der telegraphisch übermittelte Auszug aus Krügers Broschüre. Den orthodoxen, beschränkten, am Alten starr hängenden Hirtenvolk-Präsidenten, wie er diesseits des Kanals so gern genannt wird, suchen wir in diesen Worten vergebens, die des Aufgeklärtesten unter den Reformern unserer Zeit würdig sind." Warten wir ab, daß den Worten Thaten folgen. Uom dritten Zoilikkilkongresz. Basel, 15. August. In der Nachmittagssitzung beginnt Architekt Marmorek- Wien mit der Verlesung des Rechenschaftsberichts des Aktionskomitees, aus dem wir die wichtigsten Stellen wiedergeben: Unsere Aufgabe wird am schnellsten gelöst werden können, wenn das ganze jüdische Volk zum Zionismus gelangt sein wird, deshalb war unsere erste Sorge auf die innere Propaganda gerichtet. Das Volk über die wahren Ziele des Zionismus und seine ehrlichen Absichten auszuklären, waren wir im letzten Jahre mit Erfolg bemüht. Es wurde mit allen Mitteln der Propaganda, durch die Presse, Broschüren, Flugschriften, Versammlungen, in dieser Weise gewirkt. Von unseren Gegnern wurde nämlich unter den türkischen Juden verbreitet, daß die zionistische Bewegung gegen das Reich gerichtet sei. Es ist klar, daß die türkischen Juden, als treue Unterthanen des Sultans, infolge solcher Ausstreuungen Furcht hatten, sich uns zu nähern. Die Gründung eines besonders für sie bestimmten Blattes soll nun dazu dienen, das Gegenteil zu beweisen. Ebenfalls begrüßen wir am heutigen Tage das Erscheinen der ersten französischen Zionistenzeitung „L’Echo sioniste“, die in Paris herausgegeben wird. Agitationsversammlungen wurden abgehalten von Max Nordau in Wien, Berlin, Köln, Paris und Amsterdam, von

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