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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-08-11 · 32 (11.8.1899) · p. Seite 508

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
32 (11.8.1899)
Date
1899-08-11
Page
Seite 508 (sequence 21)
Language
German
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Seite 508. Israelitische Wochenschrift. Nr. 32. geb. Rel.-L. Meld. an Vorst. — Me'nden, Reg.-Bez. Arnsberg. Vorb. für Jomk. Meld. an Vorst. — Christiania, Norwegen. Lehrer, Sch., CH., Balk., Mohel, 1200 M. Geh., fr. W., 500-600 M. Nebeneink. Meld. an Siegm. Salomon. — London, Hamstead Synagoge. Cantor, bis 7000 M. Geh. Meld. an F. I. Lyons, Westend-Lane, West Hampstaad N.W. Feuilleton. Der MitgZtdolrtor. Ein Bild aus der Gegenwart von C. Berg. (Fortsetzung.) Mirlfiel ein, wie jüngst ein^Herr^von der aus unserer Stadt eine Enkelin des reichen Werthheim heiratet, seinen Abschied nehmen mußte, da es ja in Osfizierskreisen für eine Schande gilt, ein jüdisches Weib zu haben. Begreifst Du nun, daß bei solchen Anschauungen sich mein Gefühl der Mißbilligung für meines Bruders Vorgehen noch erhöhen muß? Du hast gut meinen, lieber Hans, das Aufheben aller jener Unterschiede sei eine schöne That. Sie wird noch Jahrhunderte lang eine schöne Phrase bleiben. Aus das Entgegenkommen des^ Mächtigen ist ^nicht zu hoffen . . . Und jede freundliche Annäherung, j.Me von der christlichen Majorität ausfließend ein Akt der geistesreifsten Großmut wäre, wird sich, sobald der Einzeljude sie erringen will, als armseligste Eitelkeit und abstoßende Kriecherei bekunden. . . „Sie ist schier unheimlich, diese Superklugheit meiner Schwester", lachte er bitter vor sich hin und zerriß das Blatt in tausend kleine Stücke. Die Lust, aus Hans zu warten, war ihm gründlich vergangen, er eilte in fürchterlichster Laune nach Haus. Als am nächsten Morgen jder Sekretär bei dem Doktor vorsprach, traf er nur Herrn Mucha anwesend, der ihn mit strahlendem Lächeln aus dem rötlichen Biedermannsangesicht empfing. „Sie müssen mit mir vorlieb nehmen, mein bester Herr Scholz", schmunzelte er, sich vergnügt die Hände reibend, „soeben hat sich der Herr Doktor mit meiner Nichte auf das Rathaus verfügt, das -Aufgebot zu bestellen". Neuntes Kapitel. Am dritten Januar wurde die Hochzeit des Doktors mit der blonden Marie festlich begangen. Der Apotheker, der als Hochzeitsvater das Fest ausrüstete, hatte halb Trebanobitz zusammengebeten, so fand sich denn in der ganzen Stadt kein Raum, der zur Ausnahme der Gäste genügt hätte, und man war nach dem Zernowitzer Forste hinausgefahren, wo das Waldschlößchen, ein stattliches Wirtshaus mit großem Tanzsaal, in welchem die städtischen Feste, Bundesschießen u. s. w. sonst abgehalten wurden, alle Anforderungen an Lustbarkeiten und Vergnügen vollauf befriedigte. Sie war lustig genug, diese Hochzeitsschlittensahrt auf glitzerndem Schnee nach dem Walde, das Brautpaar voran in einem hübschen, vergoldeten Nachen, scheinbar von Schwänen gezogen, dann fast endlos die übrigen Schlitten der Hochzeitsgesellschaft hinterdrein, die Leute am Wege staunten, die Kinder schrieen Hurrah! und als man endlich vor dem Waldschlößchen einfuhr, und der Zug den mit Tannenreisern und Fahnen dekorierten Saal betrat, da schmetterten ihm die Musikanten, die oben aus der zierlichen Gallerie, die rund um den Saal lief, postiert waren, eine Helle Begrüßungssanfare entgegen. Der Wirt hatte in der Auswahl und Anzahl der Speisen geradezu Stupendes geleistet, und erst die Weine! Onkel Mucha verstand sich aus einen guten Tropfen, das laßt Euch gesagt sein! Aber bei all' dieser Herrlichkeit, diesem Trubel und Jubel zeigte derjenige, der heut' den schönsten Tag seines Lebens beging, durchaus kein Antlitz, in dem die höchste Bräutigamswonne in süßeste Seligkeit zerfloß. Der arme Max. Er hatte ihm ein paar Enttäuschungen gebracht, dieser schönste Tag seines Lebens, welche weder Onkel Mucha's alte gezehrte Ungarweine, noch das rosenmündige Lächeln der jungen Braut hinwegzuschmelzen vermochten. Freilich, die erste Niederlage hatten seine Illusionen schon vor einigen Wochen auf dem Standesamte erfahren. Das war, als sich der Trebanobitzer Standesbeamte gegen Herrn Muchas gefühlvolle Redensarten und romantische Bemühungen, durchaus mit seiner Nichte als der rechtmäßigen Abkömmlingin eines Offiziers paradieren zu wollen, äußerst abweisend und nichtswissend verhielt. Möglich, daß Marie Mucha, wie nun leider die Tochter der langen Käthe benannt bleiben mußte, wirklich das Kind Wendelin von Mühlenseld's gewesen, möglich, daß Herr von Mühlenseld in schönen Stunden die Ansicht aussprach, vorerwähnte Möglichkeit zuzugeben, unglücklicherweise aber hatte er verabsäumt, besagter Anerkennung in den vom Staate vorgeschriebenen Formen bei Lebzeiten Ausdruck zu verleihen, und es war wirklich schade um Herrn Mucha's herzbewegende Deklamationen „von der innigen Liebe Wendelin's zu seinem einzigen Kinde", „von dem guten Namen seiner theuren Schwester, die sich im Grabe umkehren wird", ach, es gibt nichts Gefühlloseres, als diese preußischen Beamten. Der starre Büreaukrat fertigte ungerührt das Aufgebot streng nach dem Wortlaut seines amtlichen Registers aus und die lieben Trebanobitzer, welche ihrerzeit über die mit Monogramm M. v. M. und aristokratifchem Wappen schön verzierten Verlobungsanzeigen weid- , lich gestaunt hatten, sie freuten sich jetzt über den neuen Klatsch, dessen ergiebiger Stoff wenigstens vier Wochen ausreichte. Max war wohl ein wenig betroffen, besaß aber doch ein viel zu gutes Herz, um seine Marie eine Begebenheit, unter der sie völlig schuldlos litt, entgelten zu lassen; was ihn weit peinlicher berührte, war der erste Meinungsstreit, bei welchem er sich nach vielen Plänkeleien seiner Braut aus Gnade oder Ungnade ergeben mußte. Es handelte sich um eine Kleinigkeit, die Farbe bei der Wahl des Brautkleides. Seit seinen frühesten Knabenträumen mochte sich der Doktor eine Braut durchaus nicht anders als in duftiges Weiß gehüllt vorstellen, er war ganz verblüfft, ja es that ihm ernsthast weh, als dieser sein Wunsch bei Marien aus den heftigsten Widerstand stieß. Wo denkst Du hin? hatte sie erwidert, weiß, welcher Unsinn, das ist ja ganz unmöglich, auch viel zu un-

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