Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1899-08-11 · 32 (11.8.1899) · p. Seite 507

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
32 (11.8.1899)
Date
1899-08-11
Page
Seite 507 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9605007-9605028--7448-9605047
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 32. Israelitische Wochenschrift. Seite 607. verwendet, um die Gegner der Juden damit zu beteilen — alles nur, damit man nicht in den Verdacht judenliberaler Gesinnung gelangt". Lemberg, 8. August. (Zionistenversammlung. Studentenversammlung.) Vor einigen Tagen hat hier die so oft verschobene sogenannte galizische Nationalversammlung der Zionisten stattgefunden, aber es war nur eine Zusammenkunft von politischen Zionisten, alle Vereinigungen und Lokalkomitees der Ahawas-Zion-Gesellschasl waren den Sitzungen serngeblieben, blos ein paar vereinzelte praktische Zionisten wohnten ihr bei. Aus Wien war Dr. Leopold Kahn als Vertreter des Aktionskomitees erschienen. Zwei Tage lang haben die Diskussionen gedauert und haben zu keinerlei praktischem Ergebnis geführt. Die politischen Zionisten waren in großer Majorität, aber so unvorbereitet und so unsicher, daß nicht einmal in elementaren Fragen, wie Programm und Organisation Entscheidungen getroffen wurden. Ein siebengliedriges Komitee wurde mit dem Studium der Frage betraut, ob die fernere Kolonisation von Palästina sofort in die Hand genommen werden sollte oder nicht. Ein Beschluß über die Gesamtorganisation aller galizischen Zionisten wird dem Baseler Kongreß Vorbehalten, doch wurden sehr energisch endlich Thaten verlangt; die Leute sind der ewigen Redensarten überdrüssig. Der Baseler Kongreß wird von hier aus in diesem Jahre nicht so viel besucht werden, wie das letzte Mal. Dr. Salz und mit ihm noch mehrere angesehene galizische Zionisten werden zu Hause bleiben, aber wahrscheinlich in nächster Zeit eine Erklärung über ihre Stellung veröffentlichen. — Die von 88 Mitgliedern besuchte Versammlung von jüdischen Studenten, die in den Tagen vom 23. bis 27. Juli hier abgehalten worden, hat sich in verschiedenen Sitzungen bemüht, die im Lager der Zionisten ausgebrochenen Zwistigkeiten zu redressiren. Außerdem wurde über den Zusammenschluß der jüdischen Studenten, die Steigerung ihres Selbstgefühls, das Studium der hebräischen Sprache und die Verbreitung von Bildung in der großen Masse diskutiert. Man will beim Baseler Kongreß beantragen, daß solche Studenten, die sich dem Studium der Landwirtschaft mit der Absicht widmen, späterhin nach Palästina zu gehen, aus dem Zionistensonds Stipendien bekommen sollen. Die Studentenversammlung soll alljährlich abgchalten werden. Rom, 6. August. (Ein jüdischer kommandierender General.) Die jüngste Nummer des offiziellen Römischen Militärblattes meldet die Beförderung des Generallieutnants Ottolenghi zum kommandierenden General. Giuseppe Ottolenghi hat eine glänzende Karriere gemacht. In Sabbionetta in der Lombardei 1838 geboren, studierte er zunächst Rechtswissenschaft, doch seine Neigung gehörte dem Militärdienst. Er vertauschte deshalb die Universität mit der Militärakademie. Im Juli 1859 wurde er Unterleutnant, 1860 rückte er zum Leutnant aus. Einen Monat später wurde er aus den Festungswällen von Ga^ta verwundet und erhielt eine erste silberne Medaille für militärische Tapferkeit. Als der erste Jude wurde er zur Kriegsschule zugelaffen, in der er die Vorbildung für den Generalstabsdienst erhielt. Im Jahre 1863 rückte er zum Hauptmann auf. In dieser Stellung zeichnete er sich in dem Streifzug gegen die Räuber in den südlichen Provinzen aus. . In einem siegreichen Gefecht am 30. Mai 1864 wurde er zwei Mal verwundet und mit einer zweiten silbernen Medaille belohnt. Im Feldzug 1866 gewann er eine stolzere Auszeichnung: Das Ritterkreuz des Militärordens von Savoyen. Noch als Hauptmann wurde er zur Erteilung des Unterrichts in Kriegskunst und -Geschichte an die Schule von Modena berufen. Im Jahre 1869 wurde er zum Studium der Heereseinrichtungen nach Frankreich geschickt und nach dem Ostkriege gehörte er zu den italienischen Delegierten bei der europäischen Kommission zur Feststellung der türkisch-montenegrinischen Grenze. Zum Obersten befördert, war er einer der sechs Offiziere dieses Ranges, die zur Organisation des Alpenregiments ausgewählt wurden. Im Jahre 1893 erhielt er den Oberbefehl über eine Brigade. Der Kronprinz war Kommandeur eines Regiments seiner Brigade. Im Jahre 1891 rückte er zum Brigadegeneral, bald daraus zum Generalleutnant aus. Gegenwärtig hat General Ottolenghi den Posten eines Militärgouverneurs von Turin inne. Zu keiner Zeit hat Ottolenghi versäumt, sich als Jude zu bethätigen. An jüdischen Dingen nimmt er lebhaften Anteil, in der Gemeindesynagoge ist er kein seltener Besucher. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Fräulein Flora Leimdörfer, Tochter des Predigers Dr. D. Leimdörfer in Hamburg, hat sich mit Herrn Rabbiner Dr. Moritz Emil Proßnitz in Mährisch-Aussee verlobt. — Am kommenden Dienstag, 15. August, feiert der Kantor Israel Herz das Fest des 25jährigen Wirkens in der Gemeinde Margonin. Freunde und Schüler wollen dem Jubilar, der Beliebtheit und Achtung genießt, Ehrungen bereiten. — Dr. D'Arb ela, Hauptarzt am Rothschild-Krankenhaus in Jerusalem, hat vom Sultan den Medschidjeorden 3. Klasse erhalten. Dieser und die vielen anderen Orden, die Dr. D'Arbela bereits besitzt, sind eine Anerkennung der Uneigennützigkeii und Humanität, mit der er außerhalb des Krankenhauses die Armen und Leidenden aller Nationalitäten und Glaubensbekenntnisse mit ärztlichem Rat und mit thätiger Hilfe unterstützt. Vakanzen. Bretzenheim bei Mainz. Vorbeter für Feiert. Meld. an Vorst. — Windesheim. Vorb. f. Feiert. Meld. an Jakob Abraham. — Gersheim, Pfalz. Rel.-L., CH., Sch., ledig, 500 M. Geh., fr. Station und 100 M. gar. Nebeneink. Meld. an Joseph Löb. — Fordon. Vorb. für Feiert. Meld. an Vorst. — Wester-Cappeln i. W. Lehrer, C., Sch. Meld. an Daniel Bloch. — Waldbreitbach, Rheinland. Lehrer, Vorb., Maß. Geh , fr. Station. Meld. an Jakob Jonas. Lohrhaupten. Rel.-L., Vorb., Sch., ledig, 600 M. Geh., fr. Wohn. u. Heiz., 200 M. Nebeneink. Meld. an Rosenthal. — Klingenberg. Rel.-L., Sch., C, 600 M. Geh, mind. 600 M. Nebeneink. Meld. an Distriktsrabb. Dr. Wachenheimer in Aschaffenburg. — Wormditt. Hilfsvorb. für Feiert. Meld. an Rosenthal. — Stolp i. P. Akad> geb. Rabb. und Rel.-L., 3000 M. Anfangsgeh. Meld. an Vorst. — Thiengen, Amt Waltshut. Sem. geb. Rel.-L., C, Sch., 1000 M. Geh., 600 M. Nebeneink., fr. W. Meld. an S. H. Bernheim. — Kirn a. N. Stellv, für Lehrer u. C. Meld. an Lehrer Jos. Kahn. — Heidelberg. Bezirksrabb., 3600-4800 M. Geh., fr. W. Meld. an Minifterialkommissär Becherer in Karlsruhe. Derenburg a- Harz. Lehrer, Sch., Vorb., 1000 M. Geh. Meld. an Emil Manheimer. — Stettin, Orth. Vorb. für Feiert. Meld. an Max Wald. — Strasburg, W.-Pr. Vorb. u. Hilfssch. für Feiert., 250 M. Honorar. Meld. an Borst. — Dirschau. Sem.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.