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Israelitische Wochenschrift · 1899-08-01 · Wissenschaftliche Beilage Nr. 8 (8.1899) · p. Seite 62

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
1899 (1899)
Issue
Wissenschaftliche Beilage Nr. 8 (8.1899)
Date
1899-08-01
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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(52 3. Die Reichen, die in duftigen Paradiesen und Luftgärten sich ergehen, und Andere, die an Früchten sich erlaben wollen, sollen an meinen Anlagen ihre Freude haben. 4. Die Wasserteiche sollten nicht nur Düste und Früchte sordern, sondern selbst den Waldungen, die keine Fruchtbäume haben, zum üppigen Wachstum verhelfen. 5. Knechte und Mägde, ein Troß von Dienerschaft wurden erworben durch reiche Geldmittel (״Kanithi"). Aber selbst, was ich nicht gekauft, sondern was nur Gott geben kann׳. Familienglieder, Kinder des Hauses, an denen man Freude hat, ״bene bajith hajah li“, sind mir zu Teil geworden. Auch die Vermehrung der die Familie erhaltenden Heerden, ״haja li“, ist mir beschieden gewesen, mehr als je zuvor einem Andern. 6. Dazu kam eine große Schatzkammer, Reichtum, was als auserlesen gilt bei den Fürsten wie auch bei den Staaten- Das alles sollte meiner Ehre gelten. Persönlich fiel mir außerdem noch der Genuß zu von Musik und Gesang, von Künstlern (״scharim"), männlichen und (״scharoth"), weibliehen Sangesmeistern. Auch was gewöhnliche Sterbliche — bene Adam — zu den Lüften zählen, wie Speise, Trank und andere Sinnengenüsse, hatte ich, selbst außergewöhnliche Reize der ״schida weschidoth״s,,naschim schedudoth jefoth thoar“, von im Kriege gefangenen fremdländischen Schönheilen (vergleiche Deut. 49), mancherlei hielten mich in Fesseln (siehe I. Reg-. 11). 7. Ich wurde auch mächtig und groß an Tapferkeit und Körperkraft und mehrte (setzte zu) zum natürlichen Wachstum auch künstliche Mittel, um gesund, schön und groß zu sein, mehr als alle Könige vor mir. Dazu blieb mir meine Weisheit fortbestehen. (Also hatte ich auch das höchste Gut nach Seneka und den größten griechischen Philosophen, insbesondere Plato). Diese Weisheit steht an der Schwelle der Pforte zur Glückseligkeit. 8. Nicht nur, was die Sinne wahrnehmen und die ״Augen sehen", entzog ich mir nicht, sondern ich strebte auch nach jener Freude, die nicht für Augenblicke erfreut, sondern sich fortwährend erhält. Es ist die aus der höheren Weisheit fließende Stetigkeit des zufriedenen Sinnes, die auch im Bewußtsein aller Mühen und Leiden das Herz nicht verläßt: ״simcha schelema beleb' wessechel“, die vollkommene Freude in Herz und Geist: Das ist ״chelki mikkol emali“, mein eigenes seelisches Teil von aller Mühe, das keinen Groll und keine Verdrossenheit zuläßt, sondern ״libbi sameach", ein freudiges Herz mir erhält. Die Glückseligkeit ist nicht ein passiver Zustand, sondern ״poal hanefesch", ein wirkender Zustand der Seele, ein die Freude bewirkendes stetes Seelengetrtebe, das jedes äußerliche und schmerzliche Gefühl zurückdrängt, die höchste Stufe der Freude. Die Forschung über Sinnlichkeit und Seligkeit hat ein positives Ergebnis: Die Seligkeit ist nicht eine nichtige, sondern eine ewige, stetige, bleibende Freude, die nicht sinnlicher Natur ist und nicht wie bei Koheleth passives und vergäugliches Empfinden, sondern ein fortdauerndes Wirken der Seele, das sich über die körperliche Mühsal froh erhebt und obsiegt. Ben David schließt hier nicht, sondern giebt noch in den folgenden fünf Sätzen den Rat zur Erlangung der wahren Glückseligkeit. Ben David. Upanithi ani bekol maassai scheassu jadai ubeamal scheamalthi laassoth wehine hakkol hebel ureuth ruach ween jithron thachath haschamesch. Upanithi ani liroth chochma weholeloth wessichloth ki meh haadam schejabo achare hamelech eth ascher kebar assuhu. Weraithi ani schejesch jithron lachochmah min hassichuth kejithron haor min hachoschech. Hechacham enaw beroscho wehaksil bachoschech holech wejadathi gam ani schemikre echad jikreh eth kullam. Uebersetzung: 1. Ich wandte mich ab von allen meinen Werken, die meine Hände vollbracht hatten, und von der Mühsal, womit ich mich abgemüht, sie zu schaffen. Und siehe, alles ist nichtig und Jagen nach Wind und kein Vorzug (Uebrigbleiben) für sie unter der Sonne. 2. Und ich wandte mich daran, zu sehen Weisheit und (daneben) Tollheit und Thorheit, daß er (der Mensch) komme nach dem König (der Weisheit oben), der jenen früher geschaffen hatte. 3. Und ich ersah es, daß einen Vorzug (Bleiben) habe die (göttliche) Weisheit vor der Thorheit (des Sinnen- Menschen), wie das Licht einen Vorzug hat vor der Finsternis. 4. (Ich sah), daß de< Weise seine Augen im Kopfe habe, (zu sehen, was oben ist), und daß der Thor in Finsternis dahingeht. Ich weiß auch sehr wohl, daß (nur) ein Geschick Allen gleich begegnet. Erklärung: 1. Die oben angeführten sinnlichen Thätigkeiten und Mühsale, um irdische Sinnenlust zu gewinnen, sind keine^Bürgen für eine dauerhafte Seligkeit, sind vielmehr eine Jagd nach dem Nichts. Sie schwinden, und was schwindet, ist keine Seligkeit. Das sinnliche Genußstreben giebt kein Bleiben (״jithron"-Uebriges) unter der Sonne. (Hier wird von der aristotelischen Lehre, sich vor Extremen zu hüten und die goldene Mittelstraße zu wählen, gesprochen: Dieses empfehle der gerade Verstand). 2. Aber nachdem ich mich vom sinnlichen Treiben abgekehrt hatte, kehrte ich mich daran, Weisheit zu stellen neben die mit toller Sinnlichkeit verbundene Thorheit, jeneMeisheit Gottes, die dem Niedrigen sagen muß, wieso er sich erkühnen kann, sich einen Rang nach dem Könige einzuräumen, der ihn regiert (Gott), weil er ihn geschaffen hatte, wie es Koheleth thut. Das ist die Sinnlichkeit des niedrigen Menschen, der in Finsternis dahingeht, weil ihm das Licht der göttlichen Vernunst fehlt, die ihm den Weg der wahren Glückseligkeit anweist. 3. Diese bestimmte Weisheit — ״lachochma“, die Thora — hat ein Uebriges, ״jithron", ein Plus über die Finsternis der Thorheit, denn sie weist zum Lichte, öffnet die Augen im Kopse, zur Höhe zu schauen, um nicht im Pessimismus unterzugehen. 4. Der Weise, der von der Sinnlichkeit ablenkt, wandelt im Lichte, auch in der Mühsal und im sinnlichen Mißbehagen.

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