Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 1899 (1899)
- Issue
- Wissenschaftliche Beilage Nr. 8 (8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
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61 2. Zum Scherze sprach ich, (er sei) gelobt und zur Freude: was vollbringt nicht alles dieser (Scherz)! Erklärung: 1. Nachdem Koheleth Ben David nicht zum Wanken gebracht in seinem Glauben an Gott und die göttliche Bestimmung des Menschen, gelangt er zu dem Wege der Ablenkung vom wahren Heile durch den Hinweis aus die sinnliche Freude: Ich sprach im Sinne meines Herzens: Komm' doch, „anass’cha-aesse otcha bal nissajon“, ich will Dich zum Prüfer der Freude machen, daß Du an den Sinnesgenüssen schauest „ureeh betob“, das wirklich Gute, über welches es kein höheres Gut giebt. Eine höhere Seligkeit als die irdische Lust giebt es nicht. Leider besteht sie nicht lange, und das ist das „Hebel“, die Nichtigkeit, die ich an ihr gewahre. Von einem absolut höchsten Gute kann man auch da nicht sprechen, denn dieses müßte unausgesetzt, ewig währen Aber relativ wüßte ich kein höheres Gut zu nennen, daher siehe und erquicke Dich daran, „ureeh betob"! Koste es aus! 2. Beim Scherz und bei der Lust der Sinne muß ich in den Preis einstimmen: „mehullalumeschubach milaschon hallel welo holeluth schigaon. Die Lust ist das, wonach sich alle sehnen, die Alle deshalb ersehnen und erstreben, weil es Alle loben und verherrlichen als das Ziel des Genusses im Leben. Scherz, Spiel, Lachen gehören zur Freude, das ist zur inneren Glückseligkeit, zum wahren Gute. Daher „ulsimcha mah seh osa mah meod jilije hasechok dabar zarich umsugal lesimcha“, „zur Freude — wie sehr ist der Scherz oder das Lachen notwendig und zugehörig zur Freude! Ja, das leichtfertige,Vergnügen der Sinne, Lachen und Scherzen ist das äußere Zeichen der wahren inneren Luft und Glückseligkeit, das als relativ höchstes Gut mir gilt, zu welchem ich Dich hinlenken will. B e n D a v i d. Text: Tharthi belibbi limschacha bajajin eth bessari welibbi noheg bachochmah weleechos bessichluth ad ascher ereh en seh tob libne haadam ascher jaassu thachath haschamajim misspar jeme chajehem:_Higdalthi maassai banithi li bathim nathathi li keramim. Assithi li gannoth ufardessim wenathathi bahem ez kol peri. Assithi li berechoth majim lehaschkoth mehem jaar zomeach ezim. Kanithi abadim uschfachoth ubne bajith hajah li gam mikneh bakar wazon harbeh hajah li mikkol schebaju lefanai bijruschalajim. Kanassthi li gam kessef wesahab ussgulath melachim wehamdinoth assithi li scharim wescharoth wethaanugoth bene haadam schiddah weschiddoth. Wegadalthi wehossafti mikol schehaja lefanai bijruschalajim af chochmathi omdah li. Wechol ascher schaalu enai lo azalthi mehem lo manathi eth libbi mikkol simchah ki libbi sameach mikkol amali weseh hajah chelki mikkol amali. Uebersetzung: 1. Ich bemühte mich mit meinem Innern heranzuziehen bei Wein meinen Leib (zum Genuß), und mein Herz sollte dabei sesthalten an Weisheit und erfassen die Thorheit, bis ich sehe: welches ist das Gute für die Menschenkinder, welches sie thätig erringen unterm Himmel in der Zahl der Tage ihres Lebens. 2. Ich ließ groß werden meine Thaten. Ich baute mir Häuser, pflanzte mir Weinberge. 3. Ich machte mir Gärten und Paradiese und pflanzte in ihnen allerlei Fruchtbäume. 4. Ich machte mir Wasserteiche, um durch sie zu tränken Waldungen, darin Bäume sprossen. 5. Ich erwarb Knechte und Mägde. Und Kinder des Hauses (Familie) wurden mir zuteil, auch Heerden von Rindern und Kleinvieh wurden mir zuteil, mehr als Allen, die vor mir waren in Jerusalem. 6. Ich sammelte mir auch Silber und Gold undKostbarkeiten der Könige und Länder; verschaffte mir Sänger und Sängerinnen und Vergnügungen der Menschenkinder, mancherlei bestrickende Reize der Frauen. 7. Ich ward größer und ich häufte mehr als jeder, der vor mir^war ^Jerusalem; 'auch blieb mir meine Weisheit. 8.. Und alles,"wonach meine Augen verlangten,'entzog ich ihnen nicht; nicht hielt ich, mein Herz'ab von jeglicher Freude, denn mein Herz sollte sich freuen durch all' mein Mühen, dieses eben war mein eigen Teil von all' meinen Mühen. Erklärung: 1. Ich, . Ben David, spähte aus, tharthi, "erkundete mit allen Sinnen und bestrebte mich, die wahre Glückseligkeit aus persönlicher Anschauung und Prüfung kennen zu lernen: „Limschoch bajajin“, ohne meinen Willen zog ich meinen Leib zu den.sinnlichen Genüssen, die der berauschende Wein andeutet; denn ich stand bereits außerhalb der jugendlichen Lüste. Es gehörte daher eine besondere Anspornung dazu; aber zugleich wollte ich mein Herz, von Weisheit geleitet, in dieser weisen Führung erhalten, „noheg bechochmah“.^,Tas Vernunsturteil sollte im Weine nicht untergehen, nüchtern will ich unterscheiden zwischen dem Festhalten der Sinneslust und der höheren Denkart, „bis ich sehe, welches das wahrhafte Gute und die Glückseligkeit ist, Güter, welche sich,die Menschen selbst bereiten können — jaassu’]— unterm Himmel, während sie ihr LebenUch Tagen zählen". Es folgt nun eine ganze Reihe von Thätigkeiten des Davidsohnes im Dienste dieser Prüfung der Genüsse, zuerst in Beziehung aus irdische Größe, Ehre, Reichtum, Besitz, unbewegliche und bewegliche Güter dann Familienstand, dann Staatsgüter, dann wieder: „Taanugim ascher mimaachal umischteh umischgel“, Genüsse von Speise, . Trank und Wollust, sodann die der Tapferkeit und Körperkraft, endlich auch (mit dem Hinweis aus Seneka) Klugheit oder Weisheit. Worin liegt nun die wahre Glückseligkeit? 2. Ich habe groß werden lassen wollen meine Werke Ich strebte nach Ansehen und Ehre, daher führte ich Bauten aus, die meiner würdig sein sollten („li"), die die Augen der Großstädter blenden, aber ich pflanzte gleichfalls Weinberge, um auch den Provinzlern, die nach der Großstadt kommen, Achtung abzunötigen.