Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 1899 (1899)
- Issue
- Wissenschaftliche Beilage Nr. 8 (8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9768304-10407010-9732202--06-9605040- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
60 nicht gerade u;1b besser machen, ihm fehlen die Kräfte und * Bedingungen dazu. ״Meuwath“ ist das, was von Natur zur Krümmung und zum Nachteil für die Menschen bestimmt worden, und ״chessron“ ist die Lücke in der menschlichen Beschaffenheit der Anlagen und Fähigkeiten; ersteres liegt nicht im Bereiche des Menschen, auch nicht in dem der Weltordnung, die ja über das ursprünglich Festgestellte nicht hinausgeht, giebt es doch nichts Neues; letzteres, der Mangel der Kräfte, kann durch keinerlei Arbeit ersetzt werden: Chessron schel hasaga 10 juchal lehasmino ulhachino. Die lückenhafte Naturanlage kann kein Streben und Vorbereiten der Vollkommenheit zulassen. Also ist der Mensch ein verfehltes Geschöpf, geschaffen zum Druck und zur Demütigung, ״injan 1־a“, daraus er sich nimmer zu erheben vermag. Ben David. Text: Dibbarthi ani im libbi lemor ani hinne higdalthi wehosafthi chochma al kol ascher haja lefanaj al Jeruschalajim welibbi raah harbeh chochma wadaath. Waethna libbi ladaath chochma wedaath holeloth wessichluth jadathi schegam se hu rajon ruach. Ki berob chochma rab kaas wejossif daath jossif machob. Uebersetzung: 1. Ich redete mit meinem Herzen wie folgt: Ich, siehe, habe vergrößert und vermehrt die Weisheit über Jeden, der vor mir war (herrschend) über Jerusalem, und mein Herz sah (erkannte) viel mehr Weisheit und Wissen. 2. Ich setzte mein Herz'daran, zu erkennen die Weisheit und das Wissen des Unverstandes und der Thorheit, habe erkannt, daß wahrlich dieser (letztere) ein win' diger Gedanke sei. 3. Denn mit der Ueberfülle der Weisheit (die sich höher wähnt als Gott) mehrt sich der Zorn (über das Böse und die menschliche Schwäche), und wer zusetzt an Erkenntnis, setzt auch an Schmerz zu. Erklärung: 1. Du irrst, Koheleth, wenn Du von Deinem Falle ausgehst, um zu erweisen, wie es so böse steht um den Menschen, daß ihn Gott zur Erniedrigung geschaffen. Ich, Ben David, vertiefte mich mehr, redete ernst mit meinem Herzen, ich weise nicht hin aus den Sturz, sondern auf das Hohe meiner Bestimmung: higdahhi, als König über Jerusalem sowohl, wie auch in trüben Tagen habe ich zugeuommen an wahrer Weisheit. Nicht nur äußerlich, nein: welibbi raah, mein Herz und Verstand konnten und wollten prüfen und sehen, diese Selbstthätigkeit mehrte mein Wissen und Erkennen. Du meinst, es fehle dem Menschen die selbstbestimmende Kraft, so, daß er das ״Meuwath“ und den ״Chessron“, das von Gott ״Gekrümmte" im Leben und den Mangel seiner Fähigkeiten nie zum Bessern ändern könnte. Das, habe ich erprobt, ist falsch. 2. Ich konnte mein Herz selber bestimmen und die denkende Vernunft zur Unterscheidung einer wahren Weisheit von einer trügerischen lenken. Das Wissen des tollen wilden Unverstandes ״holeloth wessichluoth“, das Gott zu meistern sich anmaßt, ist ein Streben nach dem Nichts, ein rajou ruach, ein Gedanke wie Wind. Die Weisheit der wahren Vernunft führt dazu, den Menschen erheben zu lassen über die Unbill des Schicksals, und seine Bestimmung als ein göttliches Wesen darin zu erblicken, den Kamps aufzunehmen gegen das Böse in der Welt. Wie dies geschieht? Nur durch die Verbindung der Weisheit mit dem frommen Herzen, das sich an die Religion gewöhnt. Daher sagte ich, nachdem ich zugenommen an Weisheit: ״welibbi raah, mein Herz sah und wachte"; ״wacthnah eth libbi“, ich wendete mein Herz daran, um die Chochma zu unterscheiden von der verwirrenden tollen Vernünftelet (Lichluath), die sich weiser dünkt, wenn sie pessimistisch in Zorn- und Schmerzausbrüchen sich ergeht. Mir genügt die Chochma, die mit dem Herzen übereinstimmt. Du aber willst Uebermaß von Chochma zur Bestärkung deiner finsteren Gottesanklage. Das ist freilich kein Weg, um besser, edler, vollkommener zu werden. Nein. 3. Berob chochma rab kaas. In dem Zuviel der Weisheit liegt die Anreizung, zu behaupten, daß so groß der Gram und Schmerz der Welt, liegt der Zornausbruch gegen das Walten des Hohen, und wer sein Wissen immer weiter mehrt, ״jossif daath“, der klagt nicht nur über Schmerzen der Welt, der setzt auch neue Schmerzen hinzu. Denn der gelangt auch zu dem Widerspruch mit sich selbst, indem er, wie. Koheleth oben, aus seine Lücken und Schwächen hinweist, die ihn abhalten, zur Vollkommenheit eines höheren Wesens zu gelangen, andererseits aber durch Zunahme seines Wissens bekundet, daß er doch etwas vermag, was unter ihm Stehende nicht vermögen. Jbn Baruch fügt hier noch eine andere Erklärung hinzu: Kaas, Zorn ist etwas, was äußerlich am Körper sichtbar ist und entquillt dem Triebe, jezer, des Sinnlichen, aber berob chochma, durch die Größe der Weisheit, rab, bekämpft der Mensch den Kaas. ״Wer zunehmen will am Wissen, muß zunehmen an Machob, Schmerz", damit er am Leide seine Geisteskraft erprobe und diese mehr zur Vollkommenheit gelange. Das Wort Koheleths, der Mensch kann dem bösen Schicksale nicht widerstehen, er wäre lückenhaft beschaffen und nur zum Leid bestimmt, wird also entkräftet. Kapitel IV. Sinnlichkeit nnd Seligkeit. Daß die Seligkeit nicht von Thätigkeiten abhängt, die sinnliche, sondern geistige Genüsse gewähren, das hat Salomo an sich erprobt. Koheleth. Text: Amarthi ani belibbi lechah na anasscha besiincha ureeh betob wehinne gam hu habel. Lischok amarthi meholal, ulesimcha ma soll ossah. Uebersetzung: 1. Ich sprach in meinem Herzen: Komme doch, ich will dich versuchen mit der Freude, da sollst du das Gute schauen. Und siehe, auch dies ist nichtig (nicht bleibend). f