Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 1899 (1899)
- Issue
- Wissenschaftliche Beilage Nr. 8 (8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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59 scheinung tritt, einen Urgrund habe, warum es gerade so und nicht anders sei. Mah schehajah, was in's Sein getreten, bu, das ist aus eines Höheren Absicht hervorgegangen, schejihje, damit es sei und werde. Das, was geschieht, das geschieht zu einem bestimmten Zwecke, achejeaaeh, damit es geschehe. Gerade dieses von Gott gegebene Gesetz des Weltenlauss — nach bestimmten Zielen und Absichten — ist Beweis sür die Ewigkeit des göttlichen Weltenschöpfers. Würde der Mensch nur Neues mit seinen Sinnen wahrnehmen, dann wäre die Welt planlos willkürlich, und der Mensch würde mit der Leugnung eines zielbewußt schaffenden Gottes nicht im Unrecht sein. So aber ist das der Natur innewohnende Gesetz, wonach Gott nichts Neues schafft, sondern, wie er ursprünglich gleich bei der Schöpfung bestimmt hat, sich immer wieder dem Menschen und seinem Sinnen offenbart, ein Beweis seines Daseins vor der Sinnenwelt. Kein Zufall ist die Welt und kein Zufall beherrscht den Weltlaus. 3. Giebt es etwas, das als etwas Neues erscheint, so ist es in Wahrheit schon lange vor uns und vor den Zeiten und Welten gewesen, in denen wir geworden. Denn es lag schon bei der Genesis des Weltalls in Gottes Plan. Hierzu gehören die göttlichen Wunder, die scheinbar das Naturgesetz ausheben. So erklärt sich das Bestreben, die Wunder als in der Abenddämmerung des sechsten Schöpfungstages geschaffen zu betrachten (Pirke Aboth V). Bevor das Weltganze zum Abschluß gelangt war, legte die Gottheit auch die nach seiner Absicht sür gewisse Zeiten und Geschlechter notwendigen Abweichungen von der festen Weltform in die Welt. Es heißt hier nicht, wie gewöhnlich übersetzt wird, leolamim, ascher haju, sondern hajah, das will nicht heißen, die Welten, die vor uns waren; sondern der Singular, der vor uns war, bezieht sich aus Gott, und das relative ״aacher״ ist wie ״baascher“, ״weil" aufzusaffen und begründet den Gedanken: warum nichts Neues unter der Sonne? warum ist selbst das scheinbar Neue schon lange früher in die Welt gesetzt worden? Aacher haja milfanenu, weil Er vor uns und vor allen Geschöpfen dagewesen ist, und den Weg vorschrieb nach Plan und Ziel. 4. Aber es ist dem Sinnenmenschen die Gabe des Denkens und Gedenkens nicht zu eigen, zu fragen nach Urheber und Ziel; die Gegenwärtigen haben kein ״aikaron״ für die ״riachonim“, die ersten Gedanken, sie gedenken nicht des ״prius“ und der cauaa efficiena, weil ihr Auge sich nicht sättigt am sinnlichen Sehen, und auch für die später dem göttlichen Plan zugeteilten Absichten haben diese Menschen, die von der Ewigkeit der Welt reden, kein Gedenken. ״Im schejihiu laachronah" ist Fortsetzung des Satzes: ״es wird auch kein Gedenken sein der achronim, der Absichten, die als Allerletztes gelten, das ist das Endziel des Seins und Werdens. Wer dieses beachtet, der wird am regelmäßigen Naturlauf die Unterordnung der Weltmaterie unter den Schöpfer erkennen. Die Dinge der Erscheinungswelt ermüden und nehmen ab und sind nicht ewig, sie scheinen nur so der Einbildungskraft und den Sinnen. Ewig ist Gott allein, sein Schöpsungsplan und Schöpsungsziel. Koheleth ist widerlegt. Kapitel III. Der Zweck der Menschenschöpfung. Daselbst wird die Meinung der Epikuräer widerlegt, die den Menschen als von Gott geschaffen darstellen zu seinem Nachteil und nicht zu seinem Frommen und Nutzen. Koheleth. Text: Ani Koheleth hajithi melech al Iarael bijeruachalaim. Wenathatti eth libbi lidroach welathur bachochma al kol aacher naaaaah thachath haachamajim hu ich an ra nathan Elohim libne haadam laanoth bo. Raithi eth kol hamaaaaim achennaaaau thachath haachameach wehinne hakkol hebel ureuth ruach. Meuwath lo juchal lithkon wecheaaron lo juchal lehimmanoth. Uebersetzung: 1. Ich, Koheleth, bin König gewesen über Israel in Jerusalem. 2. Und ich wandte mein Herz, zu erforschen und zu erspähen die Weisheit über Alles, was geschieht unterm Himmel: Es ist ein arger Druck, den Gott zuteil machte den Menschenkindern, um sie dadurch zu demütigen. 3. Ich sah alle Geschehnisse, die sich zutrugen unter der Sonne und siehe: Alles ist eitel und Jagd nach Wind. 4. Das Verfehlte läßt sich nicht verbessern und die Lücke kann nicht ausgefüllt (das Fehlende ersetzt) werden. Erklärung: 1. Ich, Koheleth, beim Anblick der Zufälligkeiten und bösen Vorkommnisse im Leben, finde in ihnen, daß der Mensch zu Leiden geschaffen worden, ja je höher er steigt, desto tiefer fällt er, sei es durch die Bestimmung oder das Verhängnis, sei es durch elementare Einflüsse, sei es durch seine Mangelhaste Beschaffenheit. Wie kann dieser sich je zur Vollkommenheit erheben? Sehet nur einen Fall! Ich, der bekannte Koheleth, der in euren Augen zum Bösen hinneigt, bin nicht mehr aus der Höhe, die ich einst innehatte. Ich war König über das von Gott erkorene Volk in der Gottesstadt. Heute sehe ich mich gestürzt und fühle die Erniedrigung mehr, als der in Niedrigkeit Geborene. 2. Deshalb sehe ich mich veranlaßt zum Nachdenken über jene Anordnung und Weltführung, der wir anheimgegeben sind hienieden, ״naaaaah meazmo“, über Alles was (von selbst geschieht unterm Himmel: ich fand darin den Plan eines Gottes, der es böse meint mit den Menschen, dessen Absicht darin liegt, den Menschen zu ^quälen, ״laanoth״, (ulnakem, als wollte er Rache an ihnen nehmen). An mir habe ich solches erlebt, aber .auch an Anderen. 3. Alle Schicksale unter der Sonne von Anfang bis zu Ende haben dieses Wetsheitsergebnis bestätigt. Vom Tag der Geburt sängt schon die Bewegung zum Todestag an, zum Nichts. Was erreichen wir? Hebel, Nichts. Was erjagen wir? Wind, ruach. 4. Eine Möglichkeit der Besserung halte ich für ausgeschloffen. Was das Schicksal oder der Zufall gekrümmt, kann der Mensch in seiner Unzulänglichkeit und Gedrücktheit /