Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 1899 (1899)
- Issue
- Wissenschaftliche Beilage Nr. 8 (8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Holech el darom wessobeb el zafon sobeb sobeb holecha haruacb weal sebibothaw schab haruach. Kol hannchalim holchirfi el hajam wehajam enennu male el mekom schehannchalim holchim schäm hem schabim lalacheth. Uebersetzung: 1. Ein Geschlecht geht, ein Geschlecht kommt, und die Erde, ewig besteht sie. 2. Und die Sonne hat geschienen und die Sonne ist untergegangen, und zu ihrem Orte (Bestimmung) strebend scheint sie (wieder) dortselbst. 3. Es gehet gen Süden, umkreiset gen Norden, kreisend, kreisend gehet der Wind, und über seinen Kreisungen wendet zurück sich der Wind. 4. Alle Flüsse gehen in das Meer und das Meer ist nicht voll; zu dem Orte, von welchen die Flüsse ausgehen, dahin wenden sie sich wieder zurück, um (wieder) zu gehen. Erklärung: 1. Koheleth leugnet die Weltschöpsung durch einen Schöpfer und behauptet, ähnlich wie die Metaphysik des Aristoteles, die Ewigkeit der Welt. Er meint, diese Welt war nie anders und wird nie anders sein. Ewig ist die Materie, die an sich weder Sein noch Nichtsein ist, sondern ein stetes Werden und Verändern der Form, die der Materie innewohnt. (Potenzialität und Aktualität bei Aristoteles.) Die Bewegung, die Zeit und das Sein und Vergehen in der sublunarischen Welt war immer und wird immer fortbestehen. Das ist die Weltordnung, die jede Erneuerung oder Aenderung ausschließt. Er sängt daher an mit dem Wandel des Geschlechts, vor holech, und will damit sagen: wäre die Welt nicht von ewig her, dann würde ich mit dem Sein und Werden, dem dor ba, dem Geschlecht, das da kam, beginnen. Aber nein, das Menschengeschlecht nach seiner Art fehlte nie, und es gab und giebt keine Welt ohne dies, den Wandel aber betone ich als das erste und wirkliche. Ein eigentliches Sein giebt es nicht, das Sein ist stetes Werden, und was nicht vergeht, ist nicht. Also ist (kol howe nifsad) alles Seiende vergänglich und alles Vergängliche seiend. Wehaarez leolam omadeth, und die Erde oder die Welt besteht ewig, ist demnach kein Sein, das geworden oder geschaffen ist. Die Erde oder die Materie ist das Urelement, an das sich Sonne, Wind und Wasser (vergleiche die üblichen Elemente: Feuer, Wasser, Luft, Erde) anknüpfen. 2. Und es hat die Sonne geschienen, wesai-ach haschemesch (in der Vergangenheit), denn Zeit und Bewegung ist mit der Erde von Uranfang gegeben, geknüpft an die Sonne, die unwandelbar schien, unterging, um wieder zu scheinen. Ziellos sind die an die Bewegung der Sonne geknüpften Zeitphasen. Schoef soreach heißt: ruhelos strebend zu seiner Bestimmung des Scheinend, ohne daß ihr Licht jemals erlöschen könnte. 3. Dieselbe Bewandnis ruheloser Bewegung hat es mit der Bewegung im Raum bei dem dritten Element, der Lust und ihrer Strömung, mach-Wind. Dieser ist ״gehend gen Süden und sich wendend gen Norden" und immer wieder seine Wendungen vollbringend. Erscheinen des Windes, Wendungen, sebibothaw, manchmal nach anderen Raumrichtungen, Ost und West, NUN al sebibothaw schab haruach, so kehrt er wieder zurück zu den örtlichen Hauptrichtungen Süd und Nord, die an den Stand der Sonne geknüpft sind, die Ursache des Entstehens von Wärme und Kälte. 4. Auch das vierte Element, das Wasser ändert seinen Naturlaus nicht: ״Alle Flüsse gehen in das Meer"; es spaltet sich die Tiefe des Abgrundes, von dem die Wasser zu den Bergen gelangen, und von dort kehren sie wieder zurück, verdunsten und werden wieder zu Wasser und fließen wieder dahin, woher sie kamen, schabim lalechethlachsor leen sof ülen tachlith, kehren zurück, um weiter zu gehen ohne Ende und ohne Ziel. — Alles das beweist ״kadmuth haolam“, die Ewigkeit der Welt. Ben David. Text: Kol hadebarim jegeim 10 juchal isch ledabber 10 tisba ajin liroth welo thimmale osen mischmoa. Mah schehajah hu schejihje uma schenaassah hu schejeasseh, ween kol chadasch thachath haschamesch. Jesch dabar schejomar reeh seh chadasch hu, kebar ha)ah leolamim ascher ha)ah milfanenu. En sichron larischonim wegam leachronim schejihje 10 jihje lahem sikaron im schejihje laachronah. Uebersetzung: 1. Alle Dinge ermüden (nehmen in der That ab). Es kann (nur) der Mensch hiervon nicht reden, (denn) das Auge wird nicht satt zu sehen, das Ohr nicht voll vom Hören (dessen was vor ihm geschieht). 2. Was gewesen, ist, daß es sei (Gottes Absicht liegt Allem zu Grunde); und was geschehen ist, ist (geschehen), daß es (also) geschehe (Gottes Wille liegt vor den Geschehnissen), und deshalb ist gar nichts neu unter der Sonne. (Weil es Gott so geordnet.) 3. Es giebt ein Ding, von dem man wohl sprechen wird; siehe dies, neu ist es! (Nicht doch!) Es war schon früher in den Welten. Denn Er (Gott) war vor uns. 4. Es ist aber kein Gedenken für die Ersten (Urheber) und auch für die Letzten (Ztele), die sein werden, ihnen ist kein Gedenken zu Teil mit den Dingen, die sein werden zu allerletzt. Erklärung: 1. Ich, Ben David, widerstreite dem Gedanken Koheleths die Weltmaterie sei von ewig her und würde ewig also bleiben. Nein: Alle Dinge ermüden (jegeim wekalim). Alles, was in die Erscheinung tritt, ermüdet, nimmt ab, vergeht; nur täuscht sich der Mensch, der mit seinen Sinnen Alles als immer gleichbleibend wahrnimmt. Die Erde besteht nicht ewig, sondern ein Gott war zuerst da und wird zuletzt da sein, wenn sie nicht mehr bestehen wird. Der Mensch spricht vom Gehen und Kommen und stetem Wechsel. Warum? Weil er von dem nur zu reden vermag, was seine Auge sieht, das immer wieder an denselben Erscheinungen hastet, und was sein Ohr vernimmt, das stets mit dem Hören der bekannten Thatsachen erfüllt wird. 2. Aber der Mensch bedenkt nicht, daß, was in die Ec