Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 1899 (1899)
- Issue
- Wissenschaftliche Beilage Nr. 8 (8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9768304-10407010-9732202--03-9605037- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Israelitische Wochenscbrifi. Millrnlchgktlichk Lkttsge Nr. 8. Berlin, August. 1899 Inhalt. Die Lösung des Kohelethrätsels durch den Philosophen Baruch Jbn Baruch im 16. Jahrhundert. Von Dr. D. Leimdörfer, Prediger zu Hamburg. (Fortsetzung.) — Die priest erliche Entsagung Israels. Predigt von Rabbiner Dr. B. Friedmann-Berlin. — Berichtigung. Die Lösung des Kohelkthriitskls durch den Philosophen Baruch Jbn Baruch im 16. Jahrhundert. Von Dr. D. Leimdörfer, Prediger zu Hamburg. (Fortsetzung.) Kapitel I. Des Buches Tendenz. Hierin wird auseinandergesetzt, was jeder Autor seinem Buche vorausschickt, was er mit dem Buche will: Die allgemeine Widerlegung aller Worte der trügerischen Vorstellungen, genannt Koheleth, die in diesem Buche Vorkommen, woraus sich dann die Vorzüge der Frömmigkeit ergeben: Text: Dibre Koheleth ben David, melech bijruschalajim. Habel habalim araar Koheleth habel habalim hakkol habel. Mali jithron laadam bechol amalo schejaamol thachath haschamesch. Uebersetzung: 1. Worte Koheleths und des Sohnes Davids, Königs zu Jerusalem. 2. Nichtigkeit der Nichtigkeiten, sprach Koheleth; Nichtigkeit der Nichtigkeiten. Alles ist nichtig. 3. Welcher Vorzug wäre für den Menschen an all der Mühsal, mit der er sich müht unter der Sonne. Erklärung: 1. König Salomo stellt hier die Worte, die gesammelt die Meinungen der Volksmenge, die sich von dem Ziele der Religion entfernen, enthalten, neben die Aeußerungen der wahrhaftigen Vernunft des Gläubigen, Koheleths neben Ben Davids, und fügt hinzu: Königs von Jerusalem, will sagen: Alles was uns hier Jerusalems König Salomo, der krast seiner Weisheit das Richtige von dem Unrichtigen zu unterscheiden vermag, vorträgt, sollen wir mit vollem Vertrauen in uns aufnehmen. Er ist der Ben David, der Sohn, der von seinem frommen Vater David den wahrhaftigen Glauben empfangen hat. Er wurde König, weil er die Weisheit als das zum Regieren und gerechten Richten Notwendigste bei seinem Regierungsantritt von Gott erhielt, in Jerusalem, der Hauptstadt des Landes, darauf Gottes Augen allezeit gerichtet sind. 2. Nichtigkeit der Nichtigkeiten und Sachen, denen jede Wesenhaftigkeit abgeht, sind die Dinge, die in diesem Buch von Koheleth herrühren. Denn was sagt er?: Dinge, die keinen bleibenden Wert haben, weil sie den Menschen nur als ein irdisches Wesen behandeln. Sein Wesen, sein Thun und Streben, seine Hoffnung und sein Zweck sollen ja nach Koheleth im Dienst sinnlichen Genießens stehen. Das wollen die ״Dibre Koheleth." Ich aber sage Euch: Habel habalim amar Koheleth; alles, was euch Koheleth sagt, ist ״hebel", eitel, nichts; denn: 3. ״Ma jithron“, was wäre das für ein Vorzug für den Menschen, wenn all seine Mühe nichts weiter wäre als die Mühsal unter der Sonne? Da wir sehen, daß alles unter der Sonne aus einer tieferen Stufe steht als der Mensch und um deffentwillen dem Menschen dienstbar ist, dermaßen, daß jedes wohl einen Selbstzweck hat, aber allem das Endziel gesteckt ist, dem Menschen zu dienen, so ist es unmöglich, daß der Mensch nur sich selbst als einem irdischen Geschöpf und nicht vielmehr einem höheren Wesen diene, das seine Bestimmung in etwas Höherem erblicke, was wohl nicht unter der Sonne, wohl aber über ihr ist, nämlich die Welt des Geistes und des Ewigen. Ja. selbst die Sonne, von der die irdische Zeit, die Bewegung der Sphären, das Wachstum und Werden in der Natur abhängt, ist von Gott nur als ein Diener ,,8ehama8eh“ (״schemesch") des Menschen in das Dasein gesetzt Wie sollte daher der Mensch seinen Vorzug darin suchen, daß er sich abmühe mit Dingen, die ״haehath haschemesch“, unter der Sonne stehen! Nimmermehr; wäre das wahr und nicht nichtig, was Koheleth meint, dann fände der Mensch höchstens eine vorübergehende Befriedigung, eine Bevorzugung jedoch, ״jithron", vor anderen Wesen fände er nie und nimmer. Daher widerlege ich, Ben David, in folgendem die Anschauungen Koheleths, hinweisend aus die Gläubigkeit des Frommen, die dem Menschen einen Vorzug einräumt vor allen andern Geschöpfen dadurch, daß sie ihn zu dem erhebt, was nicht unter, sondern über der Sonne lebt und wirkt. Kapitel II. Die Ewigkeit der Welt. Hierin kommt die Frage einer Weltschöpsung in Betracht. Es werden Meinungen der Philosophen und ihre Dispute berührt, die dann ihre Widerlegung finden. Koheleth: Text: Dor holech wedor ba wehaarez leolam omadeth. Wesarach haschemesch uba haschemesch weel mekomo schoef soreach hu schäm. /