Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 5 (3.2.1899)
- Date
- 1899-02-03
- Page
- Seite 78 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 78. Israelitische Wochenschrift. Nr. 6. eines Arbeitsnachweises für jüdische Personen cingeladen worden. Es wurde beschlossen, hier einen solchen Arbeitsnachweis ins Leben zu rufen. Wie in Berlin hat auch hier die Bne-brith-Loge das übernommen. Die Vorarbeiten sind begonnen. Bezüglich der Wanderbettelei ist zu konstatieren, daß in jüngerer Zeit die meisten Wanderbettler aus Galizien kommen. Herr Rabbiner Dr. Feilchenseld hatte auf diesseitige Anregung die Güte, sich an die Alliance Israelite zu wenden, um zu veranlassen, daß in Galizien Arbeitsstätten errichtet werden sollen, damit arbeitsfähige Personen dort lohnenden Erwerb finden sollen. Es ist zu hoffen, daß diese Anregung-zum erwünschten Ziel^ führen werde. Um kleinen Gemeinden den Anschluß an den Verband zu erleichtern, empfiehlt der Verbandsvorsteher eine Ermäßigung des Jahresbeitrages. Nach Beendigung des mit anerkennenswerter Ausführlichkeit gegebenen Jahresberichtes wurde zur Erledigung der Tagesordnung geschritten. Die Jahresrechnung für das Jahr 1898 wurde von drei hierzu gewählten Herren geprüft und entlastet. In den Ausschuß wurden die Herren Rabbiner Bloch-Jarotschin und Manasse Werner hier neu-, und die ausscheidenden fünf Mitglieder wiedergewählt. Pro 1899 wurden, außer der Ausgabe für das Bureau rc., 1050 Mark an Subventionen zur Ausbildung von Kultusbeamten und zur Förderung von Religionsunterricht in den Etat eingestellt. Es wurde wiederholt mit Bedauern daraus hingewiesen, daß nicht nur mehrere kleine Gemeinden des Regierungsbezirks aus Engherzigkeit dem Verbände sich nicht anschließen, sondern auch manche größere Gemeinden, aus jedenfalls nicht edleren Motiven. Um den Gemeinden, denen der Jahresbeitrag zu hoch ist, den Beitritt zu erleichtern, ist dem Verbandsvorsteher das Recht erteilt worden, den Jahresbeitrag zu ermäßigen. Herr Schönlank wurde zum Verbandsvorsteher wiedergewählt. Breslau, 29. Januar. (Bericht der Fränkelschen Stiftung.) Mit gewohnter Pünktlichkeit ist auch diesmal der Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars Fränkelscher Stiftung am Tage der Gedächtnisfeier des Stifters, am 27. Januar, erschienen. Eine beigesugte Interpretation des II. Abschnittes des palästinensischen Talmud-Traktates Nesikin Hest 2, von Dr. I. Lewy, giebt dem Berichtsheft wissenschaftliche Bedeutung. Der Bericht schließt mit der Bitte, die wir der Beherzigung empfehlen, es möchte für die Zuführung reicherer Mittel gesorgt werden, damit die Anstalt in vollem Umfange ihren Aufgaben gerecht werden könne. Für die Behandlung des vorjährigen Themas: „wie verhält sich die Darstellung des Josephus über die makkabäische Erhebung zu den Berichten der ersten beiden Makkabäerbücher?" haben die Herren cand. phil. Julius Grünthal und cand. phil. Robert Kälten Preise erhalten. Das Seminar zählt gegenwärtig 23 Hörer, von denen 4 im vergangenen Jahre neu eingetreten sind. Marburg, 31. Januar. (Universitätspreise.) Beim Festakte der Universität am Geburtstage des Kaisers erhielten zwei Juden Preise für Lösung der im vorigen Jahre gestellten Preisaufgaben. Das juristische Thema: „Welche Rechtswirkung hat nach dem bürgerlichen Gesetzbuch die Täuschung, durch welche Jemand zur Abgabe einer Willensäußerung bestimmt ist?" hatte drei Bearbeitungen gefunden, von denen die Arbeit des stud. jur. Paul Steinberg aus Frankfurt den Preis erhielt. Das philosophische Thema „Welche Vorarbeit zu einem System der Grundbegriffe und Grundsätze der Wissenschaft ist in den Untersuchungen Letbnitzens über die Grundlagen der Mathematik geleistet?" war von stud. phil. Ernst Cassirer aus Breslau bearbeitet worden. Diese Arbeit wurde als eine ausgezeichnete Behandlung dieses höchst schwierigen Themas, und als eine hervorragende Leistung bezeichnet und mit dem doppelten Preise gekrönt. ffß Hamburg, 1. Februar. (Vortrag des Dr. A. Feilchenseld.) Im Verein für jüdische Geschichte sprach am 31. vor. Monats Herr Dr. A. Feilchenseld über „Die älteste Geschichte der deutschen Juden in Hamburg." Der Vortragende führte etwa Folgendes aus: Außer den 1612 durch förmlichen Kontrakt hier aufgenommenen portugiesischen Juden gab es schon vor der Mitte des 17. Jahrhunderts, wenn auch ohne offizielle Aufentbaltsberechtigung, deutsche Juden hier. Die ersten von ihnen kamen aus Altona, wo seit 1584 unter dem Schutz des Schauenburger Grafen, später unter dänischer Oberhoheit Juden wohnten und ihre Religion frei ausüben durften. Wegen mangelnder Gelegenheit zum Unterhalt in dem damaligen Marktflecken Altona wandten sich die meisten von ihnen nach der benachbarten Großstadt, um hier Geschäfte zu treiben. Nach und nach wagten es einige sich hier niederzulaffen; ein Schutzbrief des Tänenkönigs Christian IV. für die Gemeinde Altona vom Jahre 1641 erwähnt schon einige schutzverwandte Juden, „so in Hamburg wohnen." Durch Beschluß der Bürgerschaft wurden diese „hochdeutschen" jüdischen Familien 1649 ausgewiesen; sie kamen aber 1657, als Altona von den Schweden heimgesucht wurde, wieder von dort zurück und erlangten durch stillschweigende Duldung des Rates in Hamburg Wohnsitz. — Außer diesen zur Altonaer Gemeinde gehörigen Juden gab es seit dem Anfang der fünfziger Jahre des 17. Jahrhunderts auch eine Anzahl jüdischer Familien in Hamburg, die unter dem Schutz und der Oberhoheit der Portugiesengemeinde daselbst standen. Diese anfangs aus 18 Familien bestehende Kolonie bildete den Grundstock der eigentlichen „Hamburger" Gemeinde. Schon zwei Jahrzehnte später traten die bisherigen Schützlinge der Portugiesen in ein Societätsverhältnis mit den „Altonaern" und ordneten sich dem Oberrabbinat der Altonaer Gemeinde unter. Diese Vereinigung, der sich bald nachher auch die Gemeinde Wandsbeck nebst ihrer in Hanibnrg errichteten Filialgemeinde anschloß, hat bis 1811 bestanden. Der erste Oberrabbiner der vereinigten 3 Gemeinden war R. Salomon Mirels, gestorben 1706. Im Laufe des 17. Jahrhunderts erfuhren die deutschen Juden in Hamburg durch die Bürgerschaft, die von den lutherischen Pastoren gegen sie aufgehetzt wurde, noch vielfache Anfeindungen; sie wurden aber vom Senat beschützt, weil sie viel zum Aufblühen der Neustadt beitrugen. Ihre Beschäftigung war damals noch meist der Kleinhandel, während die Portugiesen sich dem Seehandel, einige auch gelehrten Berufen widmeten. Doch trieben die Hochdeutschen auch schon industrielle Thätigkeit; namentlich wendeten sie ihr Interesse dem Tabak und seiner Verarbeitung zu, die damals in Deutschland eben erst in Aufschwung kam. Ein Herzog von Mecklen-